25.02.2021

Innensanierung der Kathedrale St. Jakobus in Görlitz

Alles läuft nach Plan

Die Arbeiten im Rahmen der Innensanierung der Kathedrale St. Jakobus in Görlitz machen Fortschritte. Wenn alles ohne Probleme weiterläuft, kann die Kirche am ersten Advent wiedereröffnet werden.

Noch ragen Gerüststangen in den neu erstrahlten Glanz der restaurierten Apsis der Kathedrale.    Fotos: Raphael Schmidt

 

Die Innensanierung der Görlitzer Kathedrale St. Jakobus verläuft zeitlich und finanziell nach Plan. Darüber informierten jetzt Vertreter des Bistums und verantwortliche Bauleute auf einer Pressekonferenz. Anschließend konnten sich die anwesenden Journalisten bei einem Rundgang durch die bis unter das Dach eingerüstete Kathedrale ein eigenes Bild vom Fortschritt der Arbeiten machen. Schon jetzt ist zu erahnen, in welchen leuchtend hellen Farben der Innenraum der Kirche erstrahlen wird, wenn die Gerüste gefallen sind. Die Wiedereröffnung der seit einem Jahr geschlossenen Kirche soll – wenn alles weiter planmäßig abläuft – am ersten Advent zum Beginn des neuen Kirchenjahres erfolgen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir den Zeit- und den Kostenplan weitgehend einhalten können“, sagte Generalvikar Alfred Hoffmann, der bischöfliche Beauftragte für die Innensanierung.

Einige Teile der Kathedrale sollen in den nächsten Tagen abgerüstet werden, zuvor werden die Fenster gereinigt.

Letzte Innensanierung vor 40 Jahren
Die Jakobuskirche ist nicht nur die Bischofskirche des Bistums Görlitz, sie ist auch eine der Kirchen der Pfarrei Heiliger Wenzel. Erbaut wurde sie in den Jahren 1898 bis 1900 nach Plänen des Breslauer Bistums-Architekten Joseph Ebers im neugotischen Stil. Von den rund 600 Bauten von Ebers gilt St. Jakobus „als einer seiner besten und gelungensten“, unterstreicht Thomas Backhaus, der Leiter der Bauabteilung des Ordinariates. Zuletzt war die Kirche Anfang der 1980er Jahre im Innenren instandgesetzt worden. 2015 wurde die äußere Instandsetzung abgeschlossen.
Für die jetzigen Arbeiten sind Kosten in Höhe von 3,72 Millionen Euro veranschlagt, die zum Großteil durch Eigenmittel des Bistums und der Pfarrei gedeckt werden müssen, Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist angefragt. Besonders zufrieden ist Generalvikar Hoffmann mit den eingegangenen Spenden: Statt der erhofften 30 000 Euro sind es bisher rund 80 000. Vom Bonifatiuswerk und vom Freistaat Sachsen wird es diesmal keine Unterstützung geben, so Hoffmann. Beide Institutionen hatten sich in erheblichem Maße an der Außensanierung der Kathedrale beteiligt.
Die jetzigen Arbeiten werden von ortsansässigen Firmen durchgeführt, informierte Architektin Doris Kohla. Heizungs-, Sanitär-, Elektro- und Technikleitungen wurden erneuert. Dabei wurden behutsam auch einige Ziegel ausgetauscht. Kohla: „Wir wollen nur sehr sparsam in die historische Substanz eingreifen.“ Ziegel- und Putzflächen im Kirchenschiff und in zwei Kapellen wurden gereinigt. Die Innentüren werden aufgearbeitet. Restauratoren haben die Gewölbemalerei im Chorraum und in den beiden Seitenkapellen sowie die wiederentdeckten Kapitellfriese, die den Hochaltar einrahmen, rekonstruiert. Der Hochaltar erhält außerdem Engelfiguren zurück, die in den 1950er Jahren entfernt wurden und seither eingelagert waren. Zudem wird eine Kapelle als Kinderkirche eingerichtet und die Sakristei neu möbliert. Die Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten am Hochaltar haben gerade begonnen. Dank der Einrüstung der Kirche wurden im Rahmen der Sanierung auch Kriegsschäden professionell behoben, die seinerzeit nur notdürftig ausgebessert werden konnten.

 

Der Künstler Helge Warme, umringt von Medienvertretern, erklärt unter der Decke der Kathedrale seine Arbeiten.

 

Deckengestaltung mit QR-Code
Nach der Sanierung wird die Jakobuskirche aber nicht nur in altem Glanz erstrahlen. Bei der Gestaltung der Kirchendecke, werden auch moderne Akzente gesetzt. Dafür sorgt der Künstler Helge Warme aus Brieselang bei Berlin. „Die Kirche hatte zu allen Zeiten ihre Codes, mit denen sie ihre Botschaft ausgedrückt hat.“ Ein Code der heutigen Zeit ist der QR-Code, der aus kleinen schwarzen und weißen Quadraten besteht und dessen Botschaft zum Beispiel mit einem Mobiltelefon gelesen werden kann. Einen solchen Code werden die Besucher auch in der sanierten Kathedrale wiederfinden. Welche Botschaft er enthält, will Helge Warme noch nicht verraten. Neugierige müssen sich bis zur Wiedereröffnung der Kirche gedulden. In seine Deckengestaltung einbezogen hat Helge Warme auch zwei altehrwürdige Wege, die sich in Görlitz kreuzen: den in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bernsteinweg von Posen und Gnesen nach Prag und den von West nach Ost führenden Jakobsweg von Kiew nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostels Jakobus.
Das freut besonders Generalvikar Hoffmann, der selbst begeisterter Jakobspilger ist. Die Sanierung der Kirche nehme die alten Traditionen wieder auf und bringe sie zum Leuchten, verbinde sie zugleich aber mit Neuem und Aktuellem. „Es geht in erster Linie nicht um die Steine, sondern um die Botschaft. Wir sanieren die Steine, damit die Menschen hier einen Zufluchtsort haben“, sagt der Generalvikar. Und so soll die Jakobus-Kathedrale ein offener Ort für alle Menschen sein.

Von Matthias Holluba