21.02.2020

Der Berliner Pfarrer Albert Willimsky starb vor 80 Jahren im Konzentrationslager Sachsenhausen.

Immer wieder denunziert

Pfarrer Albert Willimsky starb am 22. Februar 1940 im Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen im Alter von 49 Jahren. Er war der erste Priester des Bistums Berlin, der Opfer der NS-Herrschaft wurde.

"Mit einer Freilassung rechne ich also nicht …": Pfarrer Albert Willimsky.

Von Ulrich Schnauder
Geboren am 28. Dezember 1890 in Oberglogau (Oberschlesien), wurde Albert Willimsky am 22. Juni 1919 in Breslau zum Priester geweiht. Es folgte die Kaplanszeit im oberschlesischen Beuthen und in St. Marien/Liebfrauen in Berlin-Kreuzberg. Von hier wechselte er 1924 als Kuratus und erster Seelsorger überhaupt nach Barth an der Ostsee, in die vorpommersche Diaspora. In dieser Gemeinde fehlte es buchstäblich an allem; nicht einmal ein Fahrrad stand ihm zur Verfügung. Er kümmerte sich um den Bau der Kirche St. Maria, Trösterin der Betrübten und polnische Wanderarbeiter, die einen größeren Teil seiner Gemeinde ausmachten. Seine besondere Sorge galt hier wie in späteren Pfarreien den im Glauben vereinzelten Kindern in der Diaspora.


Kritische Vorträge weckten Aufmerksamkeit
Im Dezember 1926 wurde Albert Willimsky als Pfarrer in die ausgesprochen arme Diasporagemeinde im märkischen Friesack versetzt, wo von ihm neben der Seelsorge grundlegende bauliche Aufbauarbeiten gefordert waren. Wieder kümmerte er sich in dieser Gemeinde um polnische Wanderarbeiter. Willimsky engagierte sich sehr, Kinder aus seinen Diaspora-Gemeinden zur Vorbereitung auf das Bußsakrament und die erste heilige Kommunion zu Familien in katholischen Regionen Schlesiens und an den Niederrhein zu verschicken.
In Friesack begann Pfarrer Willimskys öffentliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Seine kritischen Stellungnahmen und Vorträge gegen die neuheidnische Weltanschauung im „Mythus des 20. Jahrhunderts“, dem Hauptwerk des NS-Chefideologen Alfred Rosenberg, erregte die Aufmerksamkeit der neuen Machthaber und der Gestapo. Im März 1935 wurde gegen ihn ein Aufenthaltsverbot für den gesamten Kreis ausgesprochen. Binnen 24 Stunden sollte Pfarrer Willimsky Friesack verlassen.
An seiner neuen Wirkungsstätte, der Kuratie Mariä Himmelfahrt Gransee, im Norden von Berlin, änderten sich die Verhältnisse nicht. Er wurde immer wieder denunziert und angezeigt. Es folgten Ermittlungen und Verhöre wegen unterschiedlicher „Vergehen“. Am 1.Oktober 1938 wurde Pfarrer Willimsky von der Gestapo im Granseer Pfarrhaus verhaftet. Eine 24-jährige Potsdamerin hatte ihn beschuldigt, sich in der Bahn öffentlich abfällig über Hitler und Goebbels geäußert zu haben. Sieben Monate lang verbrachte er daraufhin ohne Prozess im Potsdamer Gerichtsgefängnis in Einzelhaft. Schließlich wurde er zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft schon verbüßt waren. In der Urteilsbegründung hieß es: „In seiner einseitigen katholischen Einstellung befangen, vermag er nicht mehr den gesunden und vernünftigen Blick für die Maßnahmen der Reichsregierung aufzubringen.“


Versetzung, Schutzhaft, Konzentrationslager
Nach seiner Freilassung wurde Pfarrer Willimsky im Juli 1939 vom Berliner Bischof Preysing von Gransee nach Stettin-Podejuch versetzt, in der Hoffnung, ihn aus der „Schusslinie“ zu bringen. Nur wenige Wochen nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde Pfarrer Willimsky aber erneut denunziert, weil er sich in einem Gespräch in einem Warenhaus in Stettin zu „Lügen der NS-Medien“ über angebliche Grausamkeiten der polnischen Armee geäußert hatte. Am 31. Oktober 1939 nahm ihn die Gestapo in „Schutzhaft“. In den Verhören bekräftige Pfarrer Willimsky seine Aussagen: „Aus allen diesen Gründen werde ich auch in Zukunft meine Ansicht nicht ändern und sie auch immer zu Gehör bringen wo ich es aus seelsorglichen Gründen für notwendig halte.“
In einem Brief aus der mehrmonatigen Einzelhaft im Polizeigefängnis von Stettin an seine Haushälterin schrieb er am 25. Januar 1940: „Mit einer Freilassung rechne ich also nicht. […] Das Gottvertrauen habe ich jedenfalls noch keinen Augenblick verloren.“ Er verabschiedete sich mit Grüßen an die Gemeinde. Der Brief wurde nie zugestellt. „Zur Weiterleitung ungeeignet“, vermerkte die Gefängnis-Zensur. Pfarrer Albert Willimsky wurde am 1. Februar 1940 in das KZ Sachsenhausen überstellt. Drei Wochen später war er tot.