08.11.2018

Katholikenrat im Bistum Erfurt

Vertrauen zurückgewinnen

Der Katholikenrat traf sich in St. Ursula in Erfurt. Dabei wurde der Vorstand neu gewählt. Themen waren das Bistumsjubiläum im kommenden Jahr, ein neuer pastoraler Prozess und die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche.

Der neue Vorstand des Katholikenrates mit Bischof Ulrich Neymeyr (von links nach rechts): Nicole Malur, Gernot Riethmüller (Geschäftsführer), der Vorsitzende Thomas Kretschmer, Markus Wetter von Bund der katholischen Jugend, Elke Stöber, Alois Wolf, der geistliche Leiter Pfarrer Gregor Arndt und Bischof Neymeyr.

 

Im kommenden Jahr wird das Bistum Erfurt 25 Jahre alt. Am 7. Juli findet aus diesem Anlass ein Festgottesdienst im Erfurter Mariendom statt, so Bischof Ulrich Neymeyr zur Herbstvollversammlung des Katholikenrates am 3. November in Erfurt. Das Bistumsjubiläum wird zudem der Rahmen der Bistumswallfahrt im September sein. Weitere Termine in der Zukunft sind die Eröffnung der Fastenaktion des Hilfswerkes Misereor  im Jahre 2020 und – sofern das Zentralkomitee  der deutschen Katholiken (ZdK) zustimmt – der  Katholikentag an Fronleichnam 2024. Claudio Kullmann, Leiter des Katholischen Büros der Bischöfe in Thüringen, erinnerte an die bisher geführten Gespräche und die Zusagen der Stadt, den Katholikentag finanziell zu unterstützen. „Es hat sich gelohnt, nicht mit einer getroffenen Entscheidung für den Katholikentag loszulaufen, sondern die Fragen im Vorfeld zu klären.“
Der Katholikenrat ist die höchste Vertretung der katholischen Christen auf Bistumsebene. Die Vertreter kommen aus allen Pfarrgemeinden, den Verbänden und geistlichen Gemeinschaften. Geleitet wird der Rat auch die nächsten vier Jahre durch Thomas Kretschmer aus Mühlhausen, der nach der Wahl zum Vorstand von dessen Mitgliedern bestätigt wurde. Neu im Vorstand ist Markus Wetter vom Bund der katholischen Jugend im Bistum.
Im Vorfeld der Tagungen waren die Mitglieder aufgerufen, Fragen zu ihrer Mitarbeit und zum Rat zu beantworten. Thomas Kretschmer zog ein überwiegend positives Fazit und benannte Punkte, die den Frauen und Männern wichtig sind. Er benannte unter anderem den Eindruck einer „relativ zähen Entscheidungsphase“ – bedingt durch die lange Zeit zwischen den beiden Vollversammlungen – und andererseits die gute Möglichkeit, durch die Arbeitskreise in Kirche und Gesellschaft tätig zu werden. Unter anderen in den Gruppen „Kirchenmusik“, „Flüchtlingshilfe“ und „Laudato Si‘“, die sich dem Umweltschutz zuwendet. So hatte der Katholikenrat Anfang September erneut zu Gottesdiensten eingeladen, die sich diesem Thema stellen.
Als besonders wertvolles Gut benannte Kretschmer die Tatsache, dass es bei den Treffen immer zu Begegnungen mit dem Bischof kommt. „Das war bei Bischof Joachim Wanke so und es wird von Bischof Neymeyr fortgesetzt. Dafür sind wir sehr dankbar.“
Auch Anne Rademacher, die Leiterin des Seelsorgeamtes war gekommen. „Ihr Gremium ist so wichtig, weil es den direkten Kontakt zu den Pfarreien und den Kirchorten ermöglicht. Sie präsentieren die Breite des Bistums“, betonte Rademacher. Mit Blick auf das kommende Jahr verwies sie auf zwei Pastoraltage – einer in Erfurt und ein zweiter in Heiligenstadt – bei denen folgende Fragen gestellt werden sollen: „Welchen Auftrag hat der Herr an uns als Kirche?“ Und: „Wie wollen wir miteinander Kirche sein?“ Die Pastoraltage sollen, so Anne Rademacher, der Anfang eines Weges sein, den alle Getauften und Gefirmten gemeinsam gehen können.“
 
Herbstvollversammlung im Bildungshaus St. Ursula in Erfurt. | Fotos: Holger Jakobi
 
Breiten Raum nahm das Thema Missbrauch und Missbrauchsstudie in Anspruch. Dazu war die Beauftragte des Bistums Ursula Samietz gekommen. Bischof Neymeyr machte zu Beginn klar, dass jeder Missbrauchsfall einer zu viel sei. Eine weitere Nichtbeachtung oder Vertuschung darf es nicht mehr geben und die Kirche muss jetzt auf die Opfer zugehen. Ursula Samietz, die seit einem Jahr neben Michael Kellert dieses Amt ausübt, verwies auf den Vertrauensverlust. „Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass die Kirche sehr viel dafür tut, Vertrauen zurückzuerhalten“, betonte Samietz. Ein wichtiger Weg ist die Vorbeugung, die Schulung der Haupt- und Ehrenamtler und die Bereitschaft, den Betroffenen zuzuhören.
 
Von Holger Jakobi