11.02.2021

Palliativwissenschaftler Georg Bollig erhält Heinrich-Pera-Preis

Ehrung für Hilfe-Kurs-Initiator

Der Palliativwissenschaftler Georg Bollig hat den Heinrich-Pera-Preis erhalten. Der Mediziner konzipierte die Letze-Hilfe-Kurse zur Begleitung Sterbender, die seit einigen Jahren auch in Deutschland angeboten werden.

ZUR PERSON

Dr. Georg Bollig (52) ist Facharzt für Anästhesiologie, Notfallmedizin und Palliativmedizin. Nach seinem Medizinstudium in Köln, Wien und Seattle arbeitete er an verschiedenen Kliniken in Deutschland, Belgien, Norwegen und Dänemark. Er ist Clinical Associate Professor für Palliative Care an der University of Southern Denmark. Seit 2016 ist Bollig ärztlicher Leiter des Palliativteams und der Palliativstation des Krankenhauses Sønderjylland in Sønderborg, und des Hospizes Sønderjylland in Haderslev, Dänemark. Er konzipierte die „Letzte-Hilfe-Kurse“, die seit 2015 auch für interessierte Laien in Deutschland angeboten werden. (Quelle:
www.angehoerige-pflegen.de)

Georg Bollig nahm als Initiator des „Letzte Hilfe“-Konzeptes im Namen seines Teams den Heinrich-Pera-Preis per Internetverleihung entgegen.

Dr. Georg Bollig ist mit dem Heinrich-Pera-Preis geehrt worden. Der Palliativmediziner und Wissenschaftler erhielt die Auszeichnung des Hospiz- und Palliativzentrums „Heinrich Pera“, Halle, kürzlich per Online-Preisverleihung für seine Verdienste um die Entwicklung der Letzte-Hilfe-Kurse. Angelehnt an die Erste Hilfe hat Bollig mit einem Team von Fachexperten das Konzept von „Letzte Hilfe Kursen“ (www.letztehilfe.info) initiiert. Mit den Kursen können Angehörige, aber auch medizinisches Personal Maßnahmen erlernen, die dabei helfen, Sterbende möglichst gut zu begleiten und Angehörige entsprechend zu beraten und zu unterstützen.

Kenntnisse für die Versorgung Sterbender
Studien belegen, dass zwischen 70 und 80 Prozent aller Menschen sich wünschen, in den eigenen vier Wänden zu sterben. Darauf weist das Hospiz- und Palliativzentrum Halle im Zusammenhang mit der Preisverleihung hin. Doch für eine professionelle Begleitung und Beratung von Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt sei nur für zehn bis 15 Prozent in Deutschland eine sogenannte „spezialisierte Palliativversorgung“ vorgesehen. Der Bedarf, Kenntnisse zum Beispiel im Blick auf Mundpflege und Linderung von Durst, Übelkeit und Atemnot von Schwerstkranken zu erwerben sowie zu lernen, wie eine gute Vorsorgeplanung aussieht, sei dementsprechend groß.
Zusätzlich, so heißt es in der Mitteilung des Hospiz- und Palliativzentrums, bestehe bei den meisten Angehörigen das Bedürfnis, mit anderen Menschen über die Themen Sterben und Tod zu sprechen sowie das Geschehen in Form von gelebter Trauer zu verarbeiten. „Das von Dr. Georg Bollig und seinem Team entwickelte Kursangebot ,Letzte Hilfe‘ hat diese Lücke geschlossen und bietet leicht erlern- und umsetzbare Ansätze für Angehörige, aber auch für Pflegende, Ärzte und andere Gesundheitsberufe an“, begründen die Juroren des Hospiz- und Palliativzentrums die Preisvergabe an Bollig.
Unter dem Motto „Am Ende wissen, wie es geht“ seien bereits mehr als 30 000 Teilnehmer mit dem Ziel der Linderung von Leiden und der Erhaltung von Lebensqualität sterbender Menschen ausgebildet worden. Rund 2500 Menschen geben ihr Wissen als „Letzte Hilfe“-Kursleiter weiter.
Der jetzt geehrte Georg Bollig nahm die von dem halleschen Bildhauer Bernd Göbel gestaltete Medaille stellvertretend für alle am Kurskonzept Mitwirkenden entgegen. „Der Heinrich-Pera-Preis ist ein guter Weg, die Idee und die praktische Anwendung der Palliativversorgung aus dem rein professionellen Umfeld wieder stärker in die Bevölkerung zu bringen. Ich würde mich freuen, wenn er dazu beiträgt, dass die Letzte Hilfe so selbstverständlich wird wie die Erste Hilfe.“

Kurse für Ehrenamtliche, Schüler, Interessierte
Notburga Wirth, Leiterin des ambulanten Hospiz- und Kinderhospizdienstes und Verantwortliche für den Bereich Bildung am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle betonte: „Hospizlicher Auftrag ist es, über die Themen Sterben, Tod und Trauer ins Gespräch zu kommen. Dies gelingt mit den Letzte-Hilfe-Kursen ganz hervorragend, wie wir seit der Aufnahme der Kurse in unser Bildungsforum im Jahr 2017 beobachten können. Menschen hier vor Ort sowie Freiwilligen- und Schülergruppen erhalten in den Kursen wichtige Informationen und können sich austauschen – ganz im Sinne Heinrich Peras“.
Das Hospiz- und Palliativzentrum Halle wie auch der Preis sind nach dem Priester, Krankenpfleger und Krankenhausseelsorger Heinrich Pera benannt, einem der Begründer des modernen Hospizwesens in Deutschland. Das Zentrum ist ein Zusammenschluss der drei halleschen Einrichtungen Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle gGmbH, Elisabeth Mobil und Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara.

www.hospiz-palliativ-zentrum.de

(jsschw/ep)