19.03.2014

Anstoß 12/2014

„Hans, der uns glücklich machte“

„Der Mensch denkt und Gott lenkt. So Gott will bin ich am 31. Januar wieder zu sprechen.“

Nein, Gott wollte nicht und so ist dieser Spruch auf Pfarrer Hans-Jürgen Dokups Anrufbeantworter eines der berühmten letzten Worte. Manchmal glaube ich, dass Gott auch in so ernsten Dingen wie dem Tod einen Humor mit Fingerzeigcharakter hat. Oder wie legt man sonst ein solches Finale hin?
Mitten beim Lieblingshobby Skifahren  gemeinsam  mit Mitbrüdern bleibt ihm das Herz stehen. Die können es gar nicht so recht glauben, dass er schnurstracks auf seinen neuen paradiesischen Ski in den Himmel fährt. Tod auf der Loipe, die bezeichnenderweise am Jordanweg liegt an einem Mittwoch im Januar.
„Am Mittwoch“ war auch immer die spitzbübische Antwort auf die Frage, wann er Geburtstag habe.  Wie das alte Leben, beginnt auch das neue an einem Mittwoch. Gott gefiel also etwas anders. Vermutlich werden jetzt im Himmel die Pisten präpariert und seine  Skischüler tragen Flügel.  
Was macht einen beeindruckenden Priester aus? Predigttalent? Theologisch auf dem neusten Stand zu sein? Liturgisch immer einwandfrei zu  handeln? Mag sein, aber am wichtigsten sind Glaubwürdigkeit und Zugewandtheit zu den Menschen, ohne selbst immer im Mittelpunkt stehen zu müssen.
Hans Jürgens Dokups tollste Predigt war knapp anderhalb Minuten lang. Heiligabend nach dem Krippenspiel der Jugend. Die hatten schließlich alles Entscheidende schon gesagt, was er sagen wollte und ehe er der Gemeinde Wiederholungen zumutete,  stutzte er lieber seine eigene Predigt. Theologie und Abenteuerpädagogik könnte eine Doktorarbeit über ihn heißen. Was in den Gemeinden, in denen er wirkte, los war, oft mit Hilfe vieler Ehrenamtlichen und einer kongenialen Gemeindereferentin, war die geniale Mischung von erlebtem Glauben und aktiver Gemeinde. Viele machten mit, brachten sich und ihre Talente ein als ob es das Normalste in unserer Kirche wäre. Bergsteigen, Paddeln, Radfahren, Skitouren, Zelten – und Gebet und Gottesdienst gehörten selbstverständlich für alle dazu. Nicht nur für die mitfahrenden Christen. In so einem Programm bildet sich Gemeinde und engagiert sich auch an ganz anderen Stellen. Wer die frohe Botschaft im Paddelboot erlebt, weiß auch im Schiff, dass sich Gemeinde nennt, was zu tun ist.
Und Gott gefiel, dass zu Requiem und Beerdingung die Zschachwitzer Kirche aus ihren  Nähten platze und zur Beerdigung die Vögel zu Gospelmusik, Bläsern und Bergsteigerchor fröhlich zwitscherten. Es war ja auch eine Ankunftsfeier in den Himmel, also weit mehr als ein trauriger Abgesang.
Der kleine Ministrant, der bei der überlangen Begräbnisfeier fast zwei Stunden am Grab gestanden hatte, brachte es auf den Punkt. „Wenn ich bei ihm gebeichtet habe, hat er immer so nett gelächelt. Da konnte ich mir gar nicht böse sein.“   
Beerdigt wurde er mit Rosenkranz und Mundharmonika. „Hans im Glück“ oder besser noch, „Hans ,der uns glücklich machte“ und  in seinem Leben und Sterben zeigte, dass Gott lächelt und die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod auch auf einem Anrufbeantworter Platz findet.
Guido Erbrich, Magdeburg