21.07.2021

Für Regina und Matthias Woesler sind Enkel großes Geschenk

„Viel schöner als wir dachten!“

Zum ersten von Papst Franziskus ausgerufenen Tag der Großeltern stellt der Tag des Herrn ein Berliner Großelternpaar vor. Für Regina und Matthias Woesler ist das Zusammensein mit den Enkeln „ein großes Geschenk“.

Mit Spielhaus und Buddelkiste bestens für den Enkelansturm gerüstet: Regina und Matthias Woesler.    Fotos: Dorothee Wanzek

 

Regina Woesler erinnert sich  noch gut, wie sich der Priester im Trauungs-Gottesdienst ihres Sohnes mit einer eindringlichen Bitte an die künftigen Großeltern wandte: „Schafft euren Kindern Freiraum, damit sie nicht nur als Eltern, sondern auch als Paar miteinander leben können!“ Sie hörte diese Ansage damals mit durchaus gemischten Gefühlen. „Dass die Zeit mit den Enkeln einmal so schön sein würde, hätte ich nie gedacht“, sagt sie heute, mittlerweile Großmutter von sieben Enkeln zwischen elf und zwei Jahren. Das achte hat sich für September angekündigt. Sie genießt die Lebensfreude der Kinder, ihre Zuneigung, ihr Vertrauen und ihre Neugier auf das Leben.
Ihr Häuschen mit Garten am Stadtrand von Berlin haben Regina und Matthias Woesler in den vergangenen Jahren in ein Enkel-Paradies verwandelt: Schwimmbecken, Spielhaus und  Sandkasten locken die Kinder ins Freie. Drinnen ist das urgemütliche Matratzenlager in der Dachspitze für die Kinder ein besonders beliebter Platz. Hier gemeinsam übernachten zu dürfen, ist für die fünf Älteren das Größte.

„Wir mischen uns nicht in die Erziehung unserer Kinder ein!“
Die frisch gebackenen Ruheständler sehen es als großes Glück, den Enkeln ein solches Umfeld bieten zu können und seit neuestem auch mit spontanen Großeltern-Einsätzen einspringen zu können. „Ein großes Geschenk“ sei es auch, dass die Kinder so gerne bei ihnen sind, betonen beide. Da keines von ihnen mehr als 35 Autominuten entfernt wohnt, können sie intensiv Anteil nehmen an ihrer Entwicklung. Bis zum Eintritt in den Ruhestand war das Zusammentreffen meistens im Voraus geplant. Eines der Enkel holte Regina Woesler eine Zeitlang regelmäßig aus dem Grundschulhort ab. Ansonsten gibt es gemeinsame Nachmittage, Wochenenden oder Ferienwochen. Anders als manche gleichaltrigen Paare aus ihrem Bekanntenkreis, die immer nur ein Kind gleichzeitig zu sich nehmen wollen, empfinden sie es als entspannter, wenn das Haus voll ist. „Die Kinder spielen dann auch ganz viel miteinander“, beobachten sie.
Klare Regeln, Rituale und Absprachen mit ihren drei Kindern und Schwiegerkindern tragen dazu bei, dass die Zeiten mit den äußerst liebenswerten, zuweilen aber auch mal über die Stränge schlagenden Enkeln zwar anstrengend, aber wunderschön sind. „Dass bei Oma und Opa andere Regeln gelten als zu Hause, ist für die Kleinen und ihre Eltern gar kein Problem.“ Den Woeslers ist es wichtig, sich nicht in die Erziehung der nächsten Generation einzumischen und ihr mit Wertschätzung zu begegnen. Ihnen gefällt zum Beispiel, wie ihre Enkel zur Selbstständigkeit erzogen werden. Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke abzusprechen, ist für sie ebenfalls Ausdruck von Respekt. „Wir möchten ihnen eine Freude machen, ohne sie zu überhäufen“, erläutert Regina Woesler. Keinesfalls müsse ein Geschenk immer viel kosten. Es dürfe auch mal einfach nur eine Seifenblasendose sein.

Jedes ihrer Kinder erfreut die Woeslers Jahr für Jahr mit einem  Kalender voller Familienbilder.

Mit den Jahren haben sich Traditionen entwickelt. Beispielsweise machen sie jeweils vor dem Beginn des Schuljahres einen Kurzurlaub mit dem Kind, das dann eingeschult wird. Zu einem entspannten Miteinander trägt auch bei, dass sich Regina und Matthias Woesler als Großeltern gut ergänzen. Bei der Oma fühlen sich die ganz Kleinen besonders wohl, sie ist auch bei Knuddeleinheiten erste Wahl. Für die Größeren sind gemeinsame Aktivitäten mit Opa faszinierend. Er bezieht sie mit ein, wenn er Hochbeete baut oder sein Motorrad putzt.

Weniger angespannt und gelassener als früher mit den eigenen Kindern
Den Enkeln könnten sie weniger angespannt und mit größerer Gelassenheit begegnen als früher den eigenen Kindern, finden beide. Das sei auch eine Chance für die Kinder, die in der Familie vielleicht gerade einmal etwas im Hintergrund stehen. „Wir achten darauf, dass auch die genug Zuwendung kommen, die nicht als erstes auf sich aufmerksam machen“, sagt Regina Woesler.
Auch beim Entdecken von Religion und Kirche hätten sie als Großeltern eine besondere Rolle. Sie drängen ihre Enkel zu nichts, sondern lebten ihren Glauben einfach vor. „Wir wissen oft gar nicht, was wir Kindern mit auf ihren Lebensweg geben“, ist Matthias Woesler überzeugt. Im Kontakt mit seinen beiden Söhnen und seiner Tochter wird ihm das oft bewusst, wenn einer von ihnen im Laufe eines Gesprächs eher beiläufig erwähnt, was er in seiner Kindheit gut fand und deshalb in seiner Familie übernommen hat.
Sein Großvater, der mit in der elterlichen Wohnung lebte, sieht er für sich als Opa-Vorbild. Morgens früh war für ihn als Kind Opa-Stunde, erinnert er sich. „Da nahm er mich auf den Schoß und erklärte mir alles über seine Briefmarken. Das war schön für mich, obwohl ich mir nie etwas aus Briefmarken gemacht habe.“
Regina Woesler, die ihre Großeltern schon früh verloren hat, orientiert sich mehr an ihren Eltern: „Sie wohnten auf dem Nachbargrundstück, haben sich aber dennoch liebevoll zurückgehalten. Sie sind nur zu uns rübergekommen, wenn wir sie eingeladen haben.“, erzählt sie. Wenn die Familie beisammen war, saß ihr inzwischen verstorbener Vater oft einfach nur da und freute sich an allen. „Ich habe alle gleich lieb“, sagte ihre Mutter häufig über ihre 13 Enkel – ein Satz, der auch der Tochter häufig über die Lippen kommt. Die rüstige Fast-90-Jährige hat auch im Herzen der Urenkel einen wichtigen Platz.

Für jede Enkel-Familie sonntags eine Kerze am Marienaltar anzünden
„Die Zeit, in der wir so nah und innig mit den Enkeln verbunden sind, ist begrenzt“, sehen die Großeltern Woesler voraus. Spätestens wenn die Kinder in die Pubertät kommen, werden gleichaltrige Freunde einen immer größeren Stellenwert für sie haben, ist ihnen klar. Umso bewusster leben sie jeden Augenblick. „Die Enkel sollen sich einmal mit Freude erinnern können“, ist ihnen wichtiger als die Frage, was andere Leute denn wohl über sie denken könnten, wenn sie ausgelassen mit den Enkeln über den Spielplatz tollen. Höchstes Vergnügen bereiteten sie den Enkelkindern beispielsweise kürzlich, als sie im alten Wohnmobil mit ihnen zur nächsten Eisdiele fuhren.  
Ein heiliger Moment ist es für sie, nach dem Sonntagsgottesdienst am Marienaltar der Kirche für jede der drei Familien ihrer Kinder eine Kerze anzuzünden und für sie zu beten – in ihrer Biesdorfer Heimatkirche Maria Königin des Friedens oder wo auch immer sie gerade sind.

Von Dorothee Wanzek