07.10.2021

30-jähriges Bestehen der Görlitzer Malteser nachgefeiert

„Es ist schön, Malteser zu sein“

Die Feier zum 30-jährigen Bestehen musste im vergangenen Jahr ausfallen. Jetzt holten die Görlitzer Malteser sie nach. Neben vielen Worten des Dankes wurden auch zahlreiche Erinnerungen wieder wach.

Görlitzer Malteser feierten Jubiläum mit Ministerpräsident Kretschmer und Oberbürgermeister Ursu (Mitte Diözesanleiter Joachim Rudolph).    Foto: Christian Raban

 

„Es ist schön, nach Hause zu kommen.“ Mit diesen Worten beginnt Michael Kretschmer seinen Gruß zum 30+1-jährigen Jubiläum der Malteser im Bistum Görlitz – aus gutem Grund, denn der heutige sächsische Ministerpräsident war selbst einmal bei den Maltesern aktiv: Er leistete als Katastrophenschützer bei den Maltesern seinen Wehrdienst ab. Besonders gut erinnert er sich noch an den Einsatz beim Jahrhundert-Hochwasser im Jahr 2002. An der Gulaschkanone hat er damals die Menschen mit Essen versorgt. „Manchmal bekomme ich heute noch Fotos zugeschickt.“ Auch die Malteser-Uniform hat er aufgehoben.
Heute aber ist Kretschmer in die St. Hedwig-Kirche in Görlitz gekommen, um als Ministerpräsident von Sachsen Danke zu sagen „für das große Engagement über so viele Jahre hinweg“. Besonders lobte Kretschmer den Einsatz der Malteser während der Corona-Pandemie vor allem in den Impf- und Testzentren. „Sie haben die Gesellschaft mit ihren Werten geprägt – und das müssen wir in den nächsten Jahren weitermachen“, betonte Kretschmer auch mit Blick darauf, dass in Sachsen die Christen eine Minderheit sind. Der Ministerpräsident kündigte an, im nächsten Jahr den Papst in Rom besuchen zu wollen. Er hoffe, dass viele Christen ihn dann begleiten.

Den Anstoß gaben Budapester Malteser
Die Görlitzer Malteser feierten ihr 30+1-jähriges Bestehen, weil die Feier im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen musste. Diözesanleiter Joachim Rudolph erinnerte daran, dass der Görlitzer Malteser Hilfsdienst mit 14 Helfern der erste in den neuen Bundesländern nach der Deutschen Einheit war. Den Anstoß hatte eine Begegnung mit Maltesern in Budapest gegeben, die unter anderem im Sommer 1989 DDR-Flüchtlinge versorgt hatten. Auch die Hedwigskirche als Ort der Jubiläumsfeier war bewusst gewählt: „Aus dieser Gemeinde kamen die ersten Malteser.“
In den folgenden drei Jahrzehnten ist aus diesen Anfängen ein weiterverzweigtes Netz der Hilfe für Menschen in verschiedensten Notlagen geworden. Malteser sind heute in Görlitz, Cottbus, Hoyerswerda und im Spreewald tätig. Die haupt- und ehrenamtlichen Malteser engagieren sich bei der Betreuung kranker und alter Menschen, bei Mahlzeiten-, Fahr-, Besuchs- und Begleitdiensten, in der Ausbildung von Schwesternhelferinnen und Pflegehelfern sowie bei Erste-Hilfe-Kursen, in der ambulanten Pflege und hauswirtschaftlichen Versorgung, im Katastrophenschutz, bei der Jugendarbeit, in Hospizdienst und Trauerhilfe, beim Hausnotruf und im Integrationsfachdienst für Behinderte. 350 hauptamtliche Mitarbeiter und fast 300 Ehrenamtliche machen mit.
Der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu wies in seinem Grußwort auf das Malteser-Krankenhaus St. Carolus hin: „Das St. Carolus hilft, die Gesundheitsversorgung in unserer Stadt zu sichern und gehört genauso dazu wie das Städtische Klinikum.“
Die Malteser seien eine der vielen Früchte der Wiedervereinigung Deutschlands, betonte Bischof Wolfgang Ipolt. In seiner Predigt beim Jubiläumsgottesdienst rief er den Maltesern die vier Kardinaltugenden in Erinnerung: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung könnten helfen, den Leitspruch der Malteser umzusetzen: „… weil Nähe zählt“. „Wer anderen Menschen Nähe zeigt, ist auf alle Fälle auf den Spuren Jesu“, so der Bischof.

Malteser als Botschafter der Hoffnung
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde – wie schon beim Zehn- und 20-jährigen Bestehen – auf dem Carolus-Gelände ein Bäumchen gepflanzt. Anschließend konnten bei Begegnung und Gespräch, beim Betrachten eines Films und vieler Fotos und beim Blättern in der Chronik Erinnerungen ausgetauscht werden. „Wir verstehen uns als Botschafter der Hoffnung auf eine bessere Welt und antworten mit unserem helfenden Tun auf die Nöte unserer Zeit“, hatte Joachim Rudolph am Anfang der Feier gesagt und hinzugefügt: „Es ist gut und schön, Malteser zu sein.“

Wer mehr über die Anfänge der Malteser im Bistum Görlitz erfahren will: www.bistum-goerlitz.de/heute-vor-30-jahren-am-14-september-1990-wurden-der-malteser-hilfsdienst-in-goerlitz-gegruendet/

Von Matthias Holluba