15.04.2021

Diözesanrat im Bistum Görlitz beschäftigt sich mit Strukturwandel

Kohleausstieg – und dann?

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Görlitz beschäftigt sich bei seiner Frühjahrsvollversammlung mit dem Strukturwandel in der Lausitz. Ein Experte präsentierte, was nach dem Ende des Bergbaus zu erwarten ist.

Was bleibt, wenn keine Kohle mehr abgebaut wird in der Lausitz? Ist sie dann ein Museum, wie es das Besucherbergwerk F60 in Lichterfeld geworden ist? Dort steht der 502 Meter lange, 204 Meter breite und 80 Meter hohe Gigant der Technik, 11 000 Tonnen schwer. Der Gigant erzählt die Geschichte des Braunkohlenbergbaus in der Lausitz. Noch gibt es ihn. Auch danach hätte die Lausitz gute Chancen, erfuhren die Mitglieder des Diözesanrates bei der 58. Vollversammlung in Cottbus von einem Experten.    Foto: Raphael Schmidt

 

Die 58. Vollversammlung des Diözesanrates am 20. März war eine „hybride“. Einige Delegierte waren leibhaftig im Sankt-Johannes-Haus in Cottbus zugegen, weitere über das Internet per Bild und Ton zugeschaltet. Jede Vollversammlung beginnt mit einem geistlichen Impuls. Seelsorgeamtsleiter Markus Kurzweil hatte einen Text zum Jahr der Familie und des heiligen Josef mitgebracht. Der Impuls endete mit dem Gebet des Synodalen Weges. Nach Feststellung der Beschlussfähigkeit und der Bestätigung  des Protokolls der vorigen, der 57. Versammlung, wurde auch die vorgelegte Tagesordnung der 58. Vollversammlung bestätigt. Darin war die meiste Zeit am Vormittag dem „Strukturwandel in der Lausitz“ gewidmet. Referent war der Lausitz-Beauftragte des Ministerpräsidenten in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg, Dr.-Ing. Klaus Freytag. Er ging der Frage nach: „Wie geht es weiter nach der Kohle?“ Denn Antworten auf diese Frage werden weitreichende Konsequenzen haben, auch für die Kirchen; sie werden das Bistum Görlitz betreffen. Freytag, der seit 2015 Abteilungsleiter „Energie und Rohstoffe“ beim Ministerium für Wirtschaft und Energie“ ist, nennt die Kriterien, die erforderlich sind für eine zukunftsträchtige Entwicklung im östlichen Osten Deutschlands: Gute, innovative und zukunftsweisende Projekte sieht er im Mittelpunkt. Die Rückkehr zum Atom-Strom, sei keine Lösung, auch wenn in Nachbarländern wie Tschechien neu gebaut oder über den Bau neuer Reaktoren nachgedacht würde. Auch was im Hinblick auf die Energieerzeugung in Polen passiert – dabei seien noch einige Fragen offen – doch auch  Polen wird sich anpassen, denn auch dieses Land hat die  europäischen Klimaziele unterzeichnet, an die man sich ja dann auch halten sollte, meint der Referent.

Nachfrage nach Arbeitnehmern wächst
Vordergründig sieht Freytag die Umschulungen von Menschen, die derzeit noch in der Kohle arbeiten. Kooperationsabstimmungen zwischen der LEAG (unter dieser Bezeichnung firmieren die Lausitz Energie Bergbau AG und die Lausitz Energie Kraftwerke AG) und der Deutschen Bahn, DB, seien bereits angelaufen; Ausbildungen hätten begonnen, für den späterer Einsatz. Auch wenn die Kraftwerke noch bis 2026 laufen, müssten bereits jetzt die Weichen in die richtige Richtung gestellt werden – Richtung Bildung und Ausbildung. Denn künftig sieht Freytag mehr Nachfragen von Arbeitgebern, als es Arbeitnehmer gibt. Darum brauche es bereits jetzt dringend Zuzug! Junge Menschen können hierbleiben und gute Jobs werden da sein! Darüber hinaus müsse man Menschen, die der Arbeit nachgegangen sind, zur Rückkehr einladen. „Wir befinden uns in einem Prozess und der Bergbau wird nicht von heute auf morgen abgeschaltet. Aber die Zeit müsse man zum Planen nutzen, um einen guten Ausstieg zu ermöglichen“, sagt Dr. Freytag. Hinsichtlich der vielen Seen, die entstanden sind und dem Ende der Tagebaue, für die Wasser abgepumpt wird, steht die Frage: Was macht das Wasser mit der Geologie? Die Lausitz bestand aus viel Sumpfland und es ist zu erwarten, dass sich die Natur zurückbildet, so wie sie einmal war.
Welche Rolle kann die Kirche in diesem Prozess einnehmen? Offenheit, Freundlichkeit, Mut vermitteln, Halt und Hoffnung geben sowie Zuversicht stärken... sind einige Stichpunkte.
Der Diözesanrat befasste sich nach dem Nachdenken über die Zukunft nach dem Kohleaustieg mit dem „Salzkorn der Erde“. Seit zwei Jahren wird dieser ideelle Preis des Diözesanrates für besonderes Engagement von Gruppen und Personen aus den Pfarreien vergeben. Bei den Bistumswallfahrten 2019 und 2020 wurde der Preis jeweils überreicht. Roswitha Schier aus Lübbenau, Mitglied des Vorstandes des Diözesanrates, führt in das Thema ein und bittet um Vorschläge, wer damit geehrt werden soll. Zwei Vorschläge wurden direkt in die Runde eingebracht. Weitere Vorschläge sollen an den Vorstand des Diözesanrates gehen.
Es folgten die Berichte aus den Pfarreien und Verbänden. Ordinariatsrat Kurzweil berichtete aus dem Ordinariat, brachte Grüße von Bischof und Generalvikar mit. Ein Thema war die Umstellung der Arbeitsweise der Diözesan-Jugendseelsorge, die mit Beendigung der Leitung durch Ingrid Schmidt an eine Kinder- und Jugendkommission überging. Der administrative Bereich wurde innerhalb der Kinder- und Jugendseelsorge seit 1. März angepasst/umgestellt.
Diakon Markus Winzer hat den Bischof aus persönlichen Gründen um ein Jahr Aufschub der Priesterweihe gebeten. Johannes Ehme aus Görlitz ist im dritten Studienjahr und Roland Pisareck wird an der Hochschule in Heiligenkreuz für das Bistum Görlitz weiterstudieren – 2022 beginnt er im Pastoralkurs. Zisterzienserpater Alberich Fritsche, der aus der Pfarrei Senftenberg stammt, wird am 22. Mai in Neuzelle zum Priester geweiht.
Bei den Gemeindereferentinnen gibt es Veränderungen: Bernadette Rausch wechselt im Sommer von Görlitz nach Cottbus. Ihre Stelle in der Pfarrei Heiliger Wenzel teilen sich Esther Starre aus Görlitz und Laura Rönsch aus Jauernick. Sie beenden nach der Elternzeit ihre Assistentenzeit und damit ihre Ausbildungen. Die Kategorial-Seelsorge, in Justizvollzugsanstalten und Kliniken, ist in die Verantwortung der Pfarreien übergegangen. Bisher waren sie  beim Seelsorgeamt angesiedelt. Weitere personelle Veränderungen wurden bereits unter der Rubrik „Menschen“ gemeldet oder werden es noch.
Corona hat die Einnahmen in den Bildungshäuser im vorigen Jahr einbrechen lassen. Das Sankt-Wenzeslaus-Stift in Jauernick verzeichnet 60 Prozent Verlust, das Don-Bosco-Haus in Neuhausen 40 Prozent.
Das Bistum beteiligt sich am Gedenken für die Opfer der Corona Pandemie am 18. April, das vom Bundespräsidenten angestoßen wurde.
Damit war die Versammlung noch nicht zu Ende; bis in den Nachmittag hinein tagte der Rat.

Von Raphael Schmidt