15.09.2022

Joachim Rudolph erhält Preis „Salzkorn der Erde“

Ein lebendiges Salzkorn

Auf der Bistumswallfahrt in Neuzelle hat der Görlitzer Joachim Rudolph den Preis „Salzkorn der Erde“ des Diözesanrates erhalten. Damit würdigt das Gremium sein vielfältiges Engagement in Kirche und Gesellschaft.

Roswitha Schier und Hartmut Schirmer (rechts) vom Diözesanrat überreichen das „Salzkorn der Erde“ an Joachim Rudolph.    Foto: Oliver Gierens

 

Er ahnte bereits etwas, aber ganz genau wusste er es dennoch nicht: Der Görlitzer Joachim Rudolph war durchaus gerührt, als ihm der Vorsitzende des Diözesanrats, Hartmut Schirmer, den Preis „Salzkorn der Erde“ überreichte. Mit der seit 2019 verliehenen Auszeichnung ehrt das Laiengremium ehrenamtlich engagierte Gläubige, deren Handeln christlich motiviert ist und in die gesamte Gesellschaft ausstrahlt.
Und dafür ist Joachim Rudolph seit vielen Jahren ein herausragendes Beispiel. So konnte Schirmer nur eine Auswahl an Aktivitäten aufzählen, bei denen Rudolph sich einbringt: Sei es im Görlitzer Spendenparlament, in der evangelischen Kulturstiftung, beim Organisieren von Hilfstransporten nach Rumänien oder aktuell in der humanitären Hilfe für die Menschen in der Ukraine. „Überall ist er unverkennbar der katholische Christ inmitten der meist nicht christlichen Gesellschaft“, so Schirmer in seiner Laudatio.
„Das ist schon etwas Besonderes“, gab sich der Geehrte im Gespräch bescheiden anlässlich der Preisverleihung. So stehe auf seinem Schreibtisch ein Spruch von Papst Franziskus: „Die schlimmste Krankheit ist der Mangel an Liebe, die beste Form der Heilung ist die Zuwendung.“ Dieses Motto hat sich der Görlitzer zu eigen gemacht: „Die Zuwendung ist entscheidend. Es sind genügend Menschen da, die etwas brauchen, die das Salz der Erde brauchen“, sagte Rudolph.
Er hat nicht nur 14 Jahre das Bildungs- und Begegnungszentrum Sankt-Wenzeslaus-Stift in Jauernick-Buschbach (Gemeinde Markersdorf) geleitet, sondern auch nach der Wende den Malteser Hilfsdienst im Bistum Görlitz mit aufgebaut.

Mitbegründer des „Neuen Forums“
Überhaupt die Wende: Joachim Rudolph gehörte zu denjenigen, die im Herbst 1989 friedlich für eine Veränderung in der damaligen DDR demonstriert haben. Er wurde Mitbegründer des „Neuen Forums“, das noch vor dem Mauerfall als Opposition zur herrschenden SED entstand, wurde zweiter Vorsitzender des „Runden Tisches“ in Görlitz. Auch danach riss sein gesellschaftliches Engagement nicht ab: 18 Jahre lang war er Vorsitzender des Aktionskreises für Görlitz, der sich über Konfessions- und Parteigrenzen hinweg für eine „lebendige und liebenswerte“ Stadt einsetzt, wie Rudolph berichtet. Auch ist er Mitbegründer des „Görlitzer Adventskalenders“ sowie der Aktion „Bethlehem im Bahnhof“, bei der an Heiligabend alle Ankommenden, Suchenden oder Fragenden Weihnachten in der Bahnhofshalle an einer menschengroßen Krippe erleben können. Auch am Heiligen Grab in Görlitz führt er Besucher auf den Spuren Jesu.
Nach Rumänien fährt er zweimal im Jahr, organisiert größere Transporte. Dass er inzwischen auch die geflüchteten Ukrainer unterstützt, habe sich spontan ergeben, erzählte er. Im Frühjahr seien immer mehr Menschen vor dem Krieg in ihrer Heimat auch in die Görlitzer Region geflüchtet.
„Auch wenn wir als Kirche in der Minderheit sind, so sind wir doch präsent“, sagte Joachim Rudolph. „Und das Ehrenamt erfüllt mich.“ Damit setzt er auch ein stilles, aber spürbares Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der in den letzten Jahren durch manche Tendenzen zur Radikalisierung herausgefordert wird, so zuletzt durch Vandalismusschäden an der evangelischen Frauenkirche. Sie war zur Wendezeit der Ort der Görlitzer Friedensgebete. „Was mag in den Menschen vorgegangen sein, wo die Kirche so eine historische Bedeutung hat“, fragte Joachim Rudolph. „Das hat wehgetan.“ Doch Anfang dieses Monats gab es wieder einen Neuanfang, mit einer Abendandacht wurde das traditionsreiche Gotteshaus wiedereröffnet.

Über den eigenen Tellerrand schauen
Das „Salzkorn der Erde“ – übrigens ein echter Salzkristall aus dem Himalaya-Gebirge, laut Hartmut Schirmer „der dem Himmel nächsten Region der Erde“ – wird seit 2019 vom Görlitzer Diözesanrat verliehen. „Immer dann, wenn wir über unseren Tellerrand schauen und uns in diese Gesellschaft als Christen einbringen, dann sind wir ‚Salz der Erde‘“, betonte Hartmut Schirmer in seiner Laudatio. Auf diese Weise würden Christen der Gesellschaft „die Würze unseres Bekenntnisses verleihen.“

Von Oliver Gierens
 

Kommentare

Ich kenne Joachim Rudolf schon aus den 70iger Jahren vom gemeinsamen Studium in Erfurt. Danach waren wir gemeinsam in Zittau, ich im Pfarrbüro und Kaplan Rudolph in der Seelsorge. Er ist immer seiner Berufung treu geblieben, den Menschen und damit den Christen im Vordergrund zu sehen. Ihm und allen im schönen Bistum Görlitz die herzlichsten Grüße aus Köln. Norbert Riedesel