29.11.2018

Gewaltsamer Tod von Pfarrer Alain-Florent Gandoulou in Berlin

Angeklagter gesteht Tötung

Nach dem gewaltsamen Tod von Pfarrer Alain-Florent Gandoulou sagte der mutmaßliche Täter vor Gericht aus, er sei während der Tat besessen gewesen.

Pfarrer Alain-­Florent Gandoulou | Foto: kna

Neun Monate nach der Tötung des katholischen Berliner Pfarrers Alain-Florent Gandoulou hat der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. In einer von seinem Verteidiger verlesenen schriftlichen Einlassung erklärte der 27-jährige Mann aus Kamerun vor dem Landgericht Berlin, den Priester am 22. Februar nachts in dessen Gemeindebüro mit einem Metallkreuz mehrfach auf den Kopf geschlagen und ihm einen Regenschirm in den Mund gerammt zu haben. Durch die laut Anklageschrift „massive Schädelverletzung“ starb Gandoulou.
Er sei sich bewusst, dass er den Angehörigen des Pfarrers „unermesslich großes Leid zugefügt habe“, hieß es in der Erklärung des Angeklagten am dritten Prozesstag. „Ein böser Geist“ habe ihn zu der Tat getrieben, er sei nicht mehr er selbst gewesen. Der Angeklagte ist seit seiner Festnahme in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Ein vorläufiges psychiatrisches Gutachten liegt dem Gericht den Angaben zufolge vor.

 
Seit der Festnahme in der geschlossenen Psychiatrie
Der aus dem Kongo stammende Gandoulou hatte die französischsprachige Gemeinde seit 2009 geleitet. Der Angeklagte, der 2014 als Flüchtling nach Deutschland kam, lernte nach eigenen Angaben die Gemeinde 2015 kennen. Den Pfarrer habe er sehr geschätzt. Er beschrieb sich selbst als „gläubig“. Er sei Christ, aber auch mit den traditionellen Vorstellungen seiner Heimat aufgewachsen. „Ich glaube an Geister und Hexerei“, so der Angeklagte. Er sei davon überzeugt, dass seine Familie in Kamerun verflucht worden sei.
Zwei Wochen vor der Tat habe er eine Veränderung an sich bemerkt, gab der Angeklagte an. Er habe nicht mehr schlafen und essen können. Zudem habe er sich große Sorgen um seinen Bruder gemacht. Dieser sei von einem bösen Geist besessen gewesen. Einen Tag vor der Tat habe er seinen ebenfalls in Deutschland lebenden Bruder besucht, so der Angeklagte. Er habe gespürt, „wie der böse Geist auf mich überging“.
Am folgenden Tag habe er „den Priester“ abends aufgesucht, um sich helfen zu lassen und zu beten. „Ich hatte Angst und das Gefühl, verfolgt zu werden.“ Beim gemeinsamen Gebet habe er Stimmen gehört, die ihn aufforderten, den „Priester zur Rede“ zu stellen. Daraufhin habe er angefangen, den Pfarrer zu schlagen. Der habe sich nicht gewehrt, nur auf Deutsch um Hilfe gerufen. In den kommenden Wochen sind weitere Verhandlungstermine angesetzt.
 
(kna)

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Gott richtet den Mörder seines Dieners am Ende der Tage.