11.03.2021

Anstoß 10/21

Hör auf …

Hör auf! Tausendmal gehört, gesagt. Wenn uns etwas nervt oder zu weit geht, zu lange dauert. Eigentlich ist es mit dem Hören in der deutschen Sprache eine merkwürdige Sache.


Hör auf! Auf-hören klingt nach etwas öffnen, aufmachen, während zu-hören eben nicht meint, dass etwas zu gemacht wird, sondern, dass die Ohren aufgehen. Sobald ich dem „hör auf“ etwas anfüge, kann sich der Sinn verändern. Es geht nicht mehr darum, etwas nicht zu tun, etwas sein zu lassen, sondern auf etwas oder jemanden zu hören. Hör auf mich. Hör auf diesen Rat. Hör auf deinen Körper, dein Gewissen, Gottes Wort.
Wir kennen hören, aufhören, zuhören, mithören. Ein wenig verändert wird aufhören zu aufhorchen. Das klingt anders und hat offensichtlicher mit dem Hör-Sinn zu tun. Aufhorchen – wenn etwas meine Aufmerksamkeit weckt, wenn ich eine Stimme erkenne, wenn ich etwas verstehen möchte. Wenn ich aufhorche, beginne ich zugleich hinzuhören, zuzuhören. Wem höre ich zu in diesen Wochen?
Weiter mit den Worten gespielt, kommt man von aufhorchen zu ge-horchen. Das Zuhören kann ins Handeln führen. Ich übersetze in Taten, was ich höre, und merke, wie entscheidend es ist, worauf ich höre und welcher Botschaft ich folge und gehorche. Und dass mein Denken, mein hörendes Verstehen gefragt ist, weil blindes Gehorchen auf böse Abwege führen kann. Ich muss der Stimme, auf die ich horche, vertrauen können. Das Wort ge-hören wäre da auch noch. Wer zusammen ge-hört, achtet und horcht wohlmeinend auf das, was man einander sagt.
Ich erinnere mich an ein Buch im Studium: Hearing to speach – Zum Reden erhört. Es lässt Frauen mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen, die wagen, sich Gehör zu verschaffen. Es erinnert mich auch an eine hochaktuelle Initiative der Frauen von Voices of Faith (Stimmen des Glaubens) die unter dem Hashtag #sisterwhatdidyousay (Schwester, was sagst du) weltweit Ordensschwestern Gehör geben will, im Blick auf Missbrauch, Ausnutzung und Herabsetzung, die sie vielfach in der Kirche erleiden, statt wirksamer und kraftvoller ihre Arbeit für die Menschen tun zu können. Es tut not und es lohnt sich, ihnen zuzuhören!

Es tut not, wie Salomo um ein hörendes Herz zu bitten für die ganze Kirche und für jeden von uns – ein hörendes Herz, das für das Leben schlägt, wie Gottes Herz für uns.
 
Angela Degenhardt, Sangerhausen