09.09.2021

Anstoß 36/21

Unterschätzte Heilige

Maria Magdalenas Ehrentitel lautet völlig zur Recht Apostelin der Apostel. Sie war die erste, die gemeinsam mit den anderen Frauen am Grab dem auferstandenen Jesus begegnete.


Sie mussten die Jünger erst dazu bewegen, sich diesem unglaublichen Wunder zu stellen und ihre Angst zu überwinden. In einem Bibelkommentar schreibt Bischof Hieronymus schon im vierten Jahrhundert: „Als Jesus auferstanden war, erschien er zuerst den Frauen. Jene wurden ,Apostelinnen der Apostel‘. Und die Männer sollten schamrot werden, weil sie den nicht suchten, den das zartere Geschlecht schon gefunden hatte.“
In den ersten Jahrhunderten des Christentums war die Rolle Maria Magdalenas allgemein anerkannt. Das änderte sich, als Papst Gregor I. im sechsten Jahrhundert, den Ruf Maria Magdalenas nachhaltig ruinierte. Er vermischte die Jüngerin Jesu mit anderen Frauen des Neuen Testamentes, die eine war eine reiche Frau namens Maria, die andere die Sünderin, die Jesus die Füße salbte. Dann schrieb er über seine „neugeschaffene“ Maria Magdalena: „Von dieser, welche Lukas eine ,sündige Frau‘ nennt, glauben wir, dass sie jene Maria ist, aus der sieben Dämonen ausgetrieben wurden. Und was bedeuten diese sieben Dämonen, wenn nicht sämtliche Laster?“ Der Ruf Maria Magdalenas als lasterhafte Prostituierte klebte die folgenden Jahrhunderte wie Pech an der Apostelin.
Das zweite Vaticanum       verabschiedete sich von diesem Bild Maria Magdalenas. Seitdem hat sich die Rolle der Frauen in der Kirche stark verändert. Trotzdem bleibt die Frage, ob nicht wer „A“ sagt, auch „B“ sagen muss? An dieser Stelle gibt es eine rote Linie, die mit großer Vehemenz verteidigt wird. Es geht darum, ob katholische Frauen auch Diakoninnen oder Priesterinnen werden können.

Es gibt ein beliebtes Argument für die Verteidiger: „Gott hat uns nicht die Vollmacht gegeben dies zu ändern.“ Aber ist dieses Argument so stark, wie es zu sein vorgibt? Hatte Gott auf Erden wirklich vor, das Priestertum nur den Männern vorzubehalten oder hatte er nicht vielleicht ganz andere Ziele? Schließlich hat Gott uns auf eine besondere Weise in Jesu Wirken gezeigt wie die Beziehung zwischen Gott und Mensch aussehen soll. Wo die Güte und die Liebe ist, da ist Gott. Seine Aufforderung an uns ist schlicht: Handelt danach. Da steht nichts von Männer und Frauen.
 
Guido Erbrich, Biederitz