23.05.2019

Anstoss 21/19

Ein Mutmacher gegen die geschürte Angst

Er ist einer der interessantesten Denker unserer Zeit: der tschechische Philosoph, Priester und Bestsellerautor Tomáš Halík.


Dem heute 70-Jährigen wurde in der kommunistischen ČSSR aus politischen Gründen eine Dozentur verweigert. Er studierte im Untergrund Theologie und ließ sich 1978 heimlich von Bischof Hugo Aufderbeck zum Priester weihen. In  der ČSSR arbeitete er in verschiedenen Berufen und beriet Kardinal Tomášek. Nach der Revolution war er Berater von Präsident Vaclav Havel, lehrte als Professor in Prag, Oxford und Cambridge. Heute ist er einer der Begründer von „Pro Pope Francis“, einer Initiative, die dem Papst den Rücken stärkt. Dass Glauben in der Welt Wirkung entfalten kann, ist für ihn selbstverständlich. Und Glauben steht auch gegen manch populäre Haltung und Weltsicht.
So setzt er sich auch mit dem Terrorismus und Populismus auseinander. Für ihn geht es bei Terroristen nicht so sehr darum, möglichst viele Menschen einer bestimmten Gruppe zu töten, sondern darum, Angst zu erzeugen. Das geschieht in unserer Welt vor allem durch Bilder, die in den Medien transportiert werden. Bilder erzeugen Angst und das ist das Ziel der Terroristen. Ob bei den Anschlägen nun Christen, Hindus oder Moslems sterben ist zweitrangig. Wichtig ist die Angst, die erzeugt wird. Nach dem gleichen Muster agieren Fundamentalisten, egal welchen Glauben oder welche Weltanschauung sie haben.

Ob es Angst vor der Hölle, den Kommunisten, Juden, Ausländern, Homosexuellen, Andersgläubigen, dem System ist; sie erzeugen Bilder der Angst und stellen sich selbst mit ihren Ideen als Erlöser dar. Sie beschreiben hektisch den Niedergang der Gesellschaft, beschwören vermeintlich gute alte Zeiten, basteln Feindbilder aus allen möglichen Zutaten. Aufgeklärt ist das für Halík nicht. Er macht Mut, sich nicht von der Angst bestimmen zu lassen und besonders dann skeptisch zu werden, wenn Gruppen Ängste schüren. Terroristen, Fanatiker und Populisten saugen ihre Kraft aus der Angst der Menschen. Dieses Geschäft, so Halík, sollte man ihnen vermiesen. Jetzt ist das sogar recht leicht – gehen sie wählen und machen sie ihr Kreuz dort, wo sie keine Angstmacher am Werk sehen.
 
Guido Erbrich, Roncalli-Haus Magdeburg