10.05.2018

Anstoss 19/2018

Gedanken bei einer Beerdigung

In den letzten drei Monaten  war ich auf zwei Beerdigungen. Bei der ersten wurde ein Priester aus dem Bistum Erfurt beerdigt, bei der zweiten der Erfurter Altweihbischof Hans-Reinhard Koch.


Jedes Mal waren viele Menschen beim Requiem und der Beisetzung versammelt; Bischöfe von nah und weiter her und Priester aus dem ganzen Bistum. Und dann natürlich die vielen Gläubigen.
Bei beiden Beerdigungen war der Verstorbene im geschlossenen Sarg vor dem Altar aufgebahrt, und wie es bei einem Requiem üblich ist, brannte die Osterkerze. Ein Zeichen dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Und bei beiden Beerdigungen dachte ich: „Einer von uns hier in der Kirche weiß schon, wie es ist, woran wir glauben.“  
Der Heimgang von jemandem, den man schätzte oder liebte, ist schmerzlich. Zudem ist ein Requiem oder eine Beerdigung immer auch ein Erinnern an die eigene Endlichkeit. Der Gedanke an die eigene  Endlichkeit kann tröstlich sein. Er kann auch ein gewisses Unbehagen auslösen. Irgendwann – und niemand kann sagen, ob nicht schon heute oder erst in vielen Jahren – ist es vorbei mit meinem Leben. Doch „vorbei“ ist – finde ich jedenfalls – das völlig falsche Wort. Das Leben findet zwar mit dem Tod auf dieser Erde sein Ende, aber es ist nicht vorbei.
Das zeigt mir schon der Glaube daran, dass die Kirche, das Volk Gottes, der Leib Christi, nicht nur aus den auf dieser Erde Lebenden besteht. Sie ist auch eine Gemeinschaft der Lebenden und der uns Vorausgegangenen. Bei beiden Beerdigungen ist mir dies wieder deutlich bewusst geworden. Und so ist eine Beerdigung im Grunde keine traurige Veranstaltung (auch wenn der Schmerz über den Verlust eines Nahestehenden sehr groß sein kann).
Unsere Kirche hat mit ihren Beerdigungsriten einen großen Schatz, der das zum Ausdruck bringt. Er gründet in dem österlichen Glauben an die Auferstehung. Jedes Mal, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen, bringen wir dies zum Ausdruck. Doch unser  tägliches Leben ist der Ort, an dem sich zeigt, ob unser Glaubensbekenntnis nur gesprochene Worte sind.

Andrea Wilke, Erfurt