31.08.2018

Anstoss 35/2018

Nachklang

Die Sommerferien sind fast überall zu Ende. Was bleibt, sind hoffentlich schöne Erinnerungen. Mich begleiten Bilder von der Ministrantenwallfahrt nach Rom.


Ich kenne die Stadt, habe ein Jahr da studiert und bin seitdem immer wieder dort. Trotzdem lerne ich sie jedes Mal neu und besser kennen.
Rom war einmal das Zentrum der Welt. Es hat sich ganze Völker und Religionen einverleibt. Aber die antiken Tempel sind zum Steinbruch für die unzähligen Kirchen der Stadt geworden. Die wunderbaren Obelisken aus Ägypten schmücken heute Plätze und Brunnen. Aus dem Zentrum der Macht ist ein zentraler Ort für Touristen geworden. Säulen und Obelisken zeugen vom Ende der Macht, aber auch von überlebten religiösen Vorstellungen.
Die Ägypter glaubten, man müsse die eigene Haut retten, um das Leben zu bewahren. Sie wurden Meister darin, Menschen für die Ewigkeit haltbar zu machen. Geblieben sind ihre Obelisken und die Erkenntnis, dass man Leben nicht konservieren kann. Das ist uns allen klar. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die genau das mit viel Geld und guten Ärzten versuchen.
Für die Römer war ein gutes Leben Geschenk der Götter. Deshalb haben sie versucht, die Götter mit ihren Opfern zu bestechen. Etwas von ihrem Glauben klingt nach, wenn Menschen beten und Gott dieses oder jenes versprechen, um dafür etwas zu bekommen. Ich glaube, im Herzen wissen wir, dass man Gott nicht bestechen kann.
In den von antiken Säulen geschmückten Kirchen, vor denen Obelisken zur Zierde stehen, wird immer noch Gottesdienst gefeiert. Wir feiern darin einen Gott, der am Kreuz für uns Menschen gestorben ist. Einen Gott, der uns zeigt, worauf es im Leben ankommt. Der Evangelist Matthäus beschreibt das so: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren, wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ (Matthäus 16,25)

Vielleicht ist das ein guter Gedanke, wenn wir nach dem Urlaub manchmal stöhnen, was uns Arbeit und Familie abverlangen. Man kann darüber stöhnen oder sich freuen: Schön, dass ich gebraucht werde. Schön, dass ich lebe.
 
Pfarrer Marko Dutzschke, Cottbus