28.02.2019

Anstoss 09/19

Besserwisser

Ich habe nichts dagegen, wenn jemand etwas besser weiß als ich. Aber ich habe etwas gegen neunmalkluge Besserwisser. Menschen, die jede Gelegenheit  nutzen, um mir zu zeigen, dass sie über mehr Wissen oder Bildung verfügen und sich aufdrängen, um mich zu belehren.


Diese Abneigung teile ich offenbar mit Jesus Christus. Immer wieder berichten die Evangelien von Auseinandersetzungen zwischen ihm und den Pharisäern. Einmal warnt Jesus die Jünger ausdrücklich: „Gebt Acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer.“ (Markus 8,15)
Die Pharisäer waren zunächst einmal nichts anderes als eine theologische, philosophische und politische Schule im antiken Judentum. Allerdings eine Schule mit dem Anspruch, die Thora besonders gut zu kennen und zu befolgen. Deshalb nannte man sie auch Pharisäer, das heißt die Abgesonderten. Aber nicht nur das. Die Pharisäer waren der Meinung, ihr Wissen sei der Maßstab, an dem sich ein guter Jude messen lassen muss. Und sie waren unterwegs, um ihre Messlatte anzulegen.
Solche Menschen kennen wir. Sie stiften Unfrieden, schmieden Intrigen und schaden damit anderen Menschen. So wie ein Sauerteig das ganze Brot durchsäuert, so wirken solche Menschen auf ihre ganze Umgebung. In einem Buch mit biblischen Impulsen für jeden Tag habe ich passend dazu ein kleines Gebet gefunden: „Herr, lass mich solche Menschen erkennen, damit ich mich vor ihren Intrigen wappnen kann.“ Ich kann die Bitte gut verstehen. Wer will solchen Menschen schon in die Hände fallen? Jesus ist das jedenfalls nicht gut bekommen.
Es gibt aber auch Menschen, die ihr Wissen nicht zur Waffe machen, um andere zu beherrschen. Die im Gegenteil ihr Wissen einbringen, damit Frieden stiften und Intrigen auflösen. Auch solche Menschen wirken auf ihre ganze Umgebung. Auch sie sind wie ein Sauerteig, der das ganze Brot durchsäuert. Bekannte Namen wie Mahatma Gandhi, Papst Franziskus, Maximilian Kolbe und mit Blick auf ihre Rede beim Sicherheitsrat in München natürlich auch Angela Merkel gehen mir durch den Kopf.
„Herr, lass mich solche Menschen kennenlernen, damit ich von ihnen lernen kann.“ Das Gebet gefällt mir irgendwie noch besser.

 
Pfarrer Marko Dutzschke, Cottbus