31.03.2022

Anstoß 13/22

Beten für den Frieden

Saratow ist eine Stadt in Russland. Saratow heißt auch ein riesiges katholisches Bistum, das sich über drei Zeitzonen erstreckt. Wie an vielen Orten der Welt wird hier um Frieden gebetet. Die Christen dort machen dies mit einer Novene.


Das heißt: Neun Tage ununterbrochen beten. Tag für Tag, Stunde für Stunde. Insgesamt 216 Stunden lang. Die Menschen wechseln sich stündlich ab. Zu jeder Tages- und Nachtzeit sind sie dabei. Zu Hause, in Kirchen, auf dem Weg, in der Schule, auf Arbeit. Sie beten, meist schweigend. Auch in Russland fehlen vielen die Worte über das, was gerade in der Ukraine passiert.
Der Bischof des Bistums, Clemens Pickel, hat sich in der letzten Stunde der neun Tage in seine Kapelle gesetzt. Kerzen brennen. Mit der letzten Stunde schloss er die Novene ab. Bei ihm in Saratow war es 0.00 Uhr. Bis um eins wollte er beten. Zu dieser Zeit ist auch in der letzten der drei Zeitzonen seines Bistums der Tag vorbei. Dann sind 216 Stunden für den Frieden gebetet worden. Solange war die Novene geplant. Zwischendurch schaute er auf seine Uhr und sah die Zeit: 0.40 Uhr.
Als er wieder auf seine Uhr schaute, war er erstaunt. Clemens Pickel beschreibt die Situation selbst: „Im Kerzenschein schien es immer noch 20 vor eins zu sein. Das geht doch nicht. Nein, meine Uhr war stehen geblieben! Aller wieviel Jahre passiert so was!? Es war, als ob die kleine Armbanduhr demütig sagen wollte: ‚Nicht aufhören!‘“
Es ist ein uralter christlicher Satz: Ora et labora – Beten und arbeiten. Beides gehört zusammen. Und wenn wir in diesen Tagen auf die Ukraine schauen, sehen wir bei aller Not viel tatkräftige Hilfe. Spendenaktionen, und Gebete gibt es in sehr, sehr vielen Ländern, Orten und Einrichtungen. Menschen teilen ihre Wohnungen, ihre Häuser. Schulen und Gemeinden öffnen ihre Türen. Andere organisieren Transporte mit Hilfsgütern. Besonders in unserem Nachbarland Polen gibt es eine großartige Hilfsbereitschaft für die Menschen aus dem Nachbarland. Und auch in dem geschundenen Land selbst wird Millionen von Menschen, die aus den umkämpften Gebieten kommen, von vielen geholfen. Beten und aktiv helfen, beides kann die Ohnmacht überwinden.

Das geschieht, wenn auch unter weit schwierigeren Umständen, genauso in Russland.
 
Guido Erbrich, Biederitz