13.06.2019

Anstoss 24/19

Nachdenken über Maria 2.0

Neulich fragte mich jemand, ob ich bei Maria 2.0 mitgemacht hätte. Das Thema bewegt. Und es spaltet. Leider. Manch einer versteigt sich zu der Äußerung, dass wer die Ordnung der Kirche nicht anerkenne beziehungsweise anerkennen will, könne sie (also die Kirche) ja verlassen.


Diese Äußerung hat mich geschockt. Zum einen, weil sie ein ziemlich starrsinniges Festhalten an einer Ordnung offensichtlich macht, was mich schon fragen lässt, ob es um die Ordnung um jeden Preis geht oder um lebendiges Kirchesein. Zum anderen weil etwas Wesentliches übersehen wird. Die Frauen streiken, gerade weil sie ihre Kirche lieben. Es wäre doch um so vieles einfacher, Adieu zu sagen.
Es erinnert mich an die Montagsdemos vor 30 Jahren. In dieser Zeit verließen erschreckend viele Menschen das Land. Menschen, die in dem DDR-System nicht mehr leben wollten oder konnten. Auf der anderen Seite waren da die Vielen, die Montag für Montag auf die Straße gingen, weil auch sie nicht mehr in diesem System leben wollten. Sie wollten Veränderung und zeigten ihren Protest offen auf der Straße. Blieben ihrem Land aber treu. Manchmal muss eben für berechtigte Anliegen öffentlichkeitswirksam gefochten werden, weil diese viel zu lange für nicht voll genommen oder ignoriert wurden. Ich kenne Frauen, die sehr engagiert ihren Glauben leben, und zwar genau dort, wo sich das Leben abspielt: bei den Menschen jeglicher Couleur. Die im Dienst der Kirche stehen und allzu oft an menschengesetzte Grenzen kommen. An Worte wie Aufbruch oder Mut zur Veränderung können sie schon lange nicht mehr so recht glauben – weil es bei den Worten bleibt.

Natürlich gibt es auch viele Frauen, die sagen, es ist für mich gut so wie es ist. Das ist völlig in Ordnung. Solange den anderen nicht der rechte Glaube abgesprochen oder fragwürdige Motivationen unterstellt werden. Ich träume von einer Kirche, in der miteinander auf Augenhöhe geredet wird und in der es nicht nur beim Gerede bleibt. Eine Kirche, die keine Angst vor dringend notwendigen Veränderungen hat. Eine Kirche, die, weil sie unerschütterlich auf das Wort Jesu und seinen Zusagen vertraut, sich etwas traut.
 
Andrea Wilke, Erfurt