18.06.2020

Anstoß 25/20

Die Spatzen pfeifen lassen?

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern! Wenn dieser Spruch kommt, hat ein Gerücht (eine Nachricht?) längst die Runde gemacht. Nahezu jeder hat es gehört, höchstens ein paar Träumer haben verpasst, was überall erzählt wird.


Oder heutzutage wahlweise „Ewiggestrige“, die den neuesten Trend verpasst haben oder auch die, die einen echten Wandel nicht wahrnehmen wollen.
Oder könnten es auch die sein, die den öffentlich-rechtlichen Medien und der Regierung vertrauen und den längst aufdeckten (vermeintlichen!) Verschwörungen gegenüber die Augen verschließen? Natürlich ist das gegen den Strich gebürstet und wer da Ironie wittert, liegt richtig. Aber ganz gleich, woher wir unsere Neuigkeiten beziehen – die Fülle der täglichen Nachrichten, kann verwirren und irritieren. Wer hat jetzt recht: Wer am lautesten schreit, die meisten Stimmen zusammenbringt oder wer die Spatzen einfach pfeifen lässt und sich seinen Teil denkt?
Was wahr ist und weiterhilft, ist nicht unbedingt das, was lautstark von den Dächern gepfif- fen wird, aber das Pfeifkonzert zu ignorieren, ist keine Lösung. Es braucht das Hinhören und Hinterfragen, worum es wirklich geht. Es braucht Reaktion, Diskussion, Widerspruch und Handeln – wenn Menschen ihre Würde abgesprochen wird, weil sie anders oder eine Minderheit sind, wenn Menschen mit Falschmeldungen und Halbwahrheiten verunsichert und in die Irre geleitet werden oder auch, wenn verneint wird, dass wir in einem Lern- und Entwicklungsprozess sind im Umgang mit einer Herausforderung wie der Corona-Pandemie.

Als Jesus mit den Seinen in Jerusalem einzog, jubelten sie ihm zu und lobten Gott, für das, was sie durch Jesus erfahren hatten. Die Pharisäer verlangten, dass er die Leute zum Schweigen bringen sollte. Jesu Antwort: „Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.“ Welche Steine würden heute schreien und was würden sie rufen, wenn wir die Spatzen pfeifen lassen, ohne unsere Stimme zu erheben mit der guten Nachricht vom Reich Gottes, dass Gerechtigkeit und Solidarität keine leeren Worte sind und dass jeder Mensch wertvoll ist um seiner selbst willen?
 
Angela Degenhardt, Sangerhausen