12.03.2020

Anstoß 11/20

Ein hörendes Herz

Bei Antoine de Saint Exupéry heißt es in der Geschichte vom Kleinen Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist dem Auge verborgen.“


Ich möchte dem nicht widersprechen, aber das bekannte Zitat abwandeln und sagen: „Man hört nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist den Ohren verborgen.“
Gut zu hören ist eine Kunst und der Wunsch nach einem hörenden Herz wird schon im Alten Testament bei Salomo beschrieben, der sich von Gott nicht Macht und Reichtum oder ein langes Leben wünscht, sondern Gott um ein hörendes Herz bittet. Das ist die sprichwörtliche Weisheit Salomos, der das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen weiß. Was von Salomo und vielen weiteren Gestalten der Heiligen Schrift ausgesagt wird, das gilt auch für uns, gute Hörer und Zuhörer zu sein.
Tatsache ist, wir hören jeden Tag viel, manchmal zu viel. Manchmal ist der Lärm der Stimmen und Geräusche unerträglich. Da tut mir die Stille gut, denn ich weiß, es braucht nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch ein gutes Gehör. Das gilt auch für meine Arbeit in  der Seelsorge. Ich hoffe, dass mir dieses gelingt. Ein Fastenvorsatz für mich heißt, gut hinzuhören, denn es kann auch Gott sein, der im Anderen zu mir spricht, nicht immer laut, sondern oft sehr leise spricht er zu uns. Gott hat mir was zu sagen. Und ich möchte ihm antworten: „Rede Herr dein Diener hört“ (1 Sam 3,9).

Vorbild für einen  Hörenden ist für mich der heilige Josef, mein Namenspatron. Sein  Fest feiern wir am 19. März. Es wird wenig über ihn berichtet, kein Wort von ihm ist überliefert, wohl aber seine Taten und sein Gehorsam. Ein Engel spricht zu ihm im Traum, was er tun oder lassen soll. Josef hört, er glaubt, er handelt, dass alles ist sein Gehorsam. Er vertraut der Weisung des Engels, deshalb ist für mich sein Glaube und Handeln vorbildlich. Er ist ein großer Heiliger, der Maria den Vortritt lässt und hinter ihr zurücktritt und er ist ein guter Hörer. Er hat die Kunst des Hörens verstanden und wusste das Gehörte zu deuten. Seine Ohren und sein Herz bilden darin eine Einheit, ja man hört nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist dem Ohr verborgen. Ein hörendes Herz zu haben, ist ein großes Geschenk. Es ist eine Gabe und Aufgabe zugleich.
 
Pater Josef kleine Bornhorst, Dominikanerkloster Leipzig