26.11.2020

Anstoß 48/20

Talente in der Gemeinde finden

In den letzten Wochen erging die Einladung an die Gemeindemitglieder, sich an der Wahl zum Ortskirchenrat und Kirchenvorstand zu beteiligen. Es braucht bekanntlich Menschen, die bereit sind mitzumachen, damit das Gemeindeleben weitergeht und weiterlebt.


Es braucht keine Menschen, die die Kirche nur verwalten und in ihren Strukturen erhalten, sondern bereit sind, Neues zu wagen, mit Mut und Phantasie. So war es für mich sehr erfreulich, dass zahlreiche Menschen in unseren Gemeinden im Leipziger Norden bereit waren, zu kandidieren. In einer Zeit der Corona Pandemie ist dieses für mich nicht selbstverständlich, sondern durchaus ein Zeichen der Hoffnung.
Am Wahltag war zufällig im Evangeliumstext das Gleichnis von den Talenten dran, wo Jesus den Menschen verschiedene Talente anvertraute, dass sie diese einsetzen und nicht vergraben. Es geht Jesus nicht nur um die Weiterentwicklung der persönlichen Talente im Job, im Sport, in der Musik oder an anderen Stellen, sondern dass wir unsere Talente auch für den Ausbau seines Reiches einsetzen. Ein schöner, anspruchsvoller Gedanke, wo die Gemeinde als Talentschmiede am Werk ist, wo Jung und Alt sich einsetzen.
Jesu will uns Menschen ermutigen, mit all dem, was in uns steckt,  für den Ausbau seines Reiches mitzubauen: Mit Mut und Phantasie, mit Wagnis und Risikobereitschaft, dass wir uns nicht verkriechen und verstecken, sondern auch mal anecken. Wir könnten auch sagen, Jesus will unser aller Lebens- und Glaubensmut wecken, dass wir mit missionarischem Eifer ans Werk gehen und weiterbauen. Jeder von uns hat dazu seine Talente, die wir einbringen können.

Ich habe mal sechs Monate in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet. Es war toll anzusehen, wie dort junge Menschen, trotz und mit ihrer Behinderung gearbeitet haben, mit ihren Grenzen und Talenten und dann stolz waren, das Werkstück, was sie gestaltet hatten zu zeigen. Sie waren überglücklich, erst Recht, wenn ich sie lobte. Ja, jeder hat seine Talente, die er einbringen kann, keiner hat alles und keiner hat nichts.
 
Pater Josef kleine Bornhorst, Dominikanerkloster Leipzig