18.07.2019

Anstoss 29/19

Gottes-Beweise

Wie lustig, wenn Atheisten mehr über Gott reden als manche Kirchenchristen! Sie wollen argumentativ „beweisen“, dass es Gott doch gar nicht geben könnte.


Warum aber lässt sie diese Frage nicht los? Vermutlich, weil es eine existenzielle Frage ist.
Der Gott der Bibel ist mehr als ein Gott der Philosophen. In Jesus Christus hat Gott ein menschliches Angesicht bekommen. Konkrete Worte und Taten des biblischen Jesus sind in den Evangelien überliefert. Es geht bei Jesus um die Ur-Fragen des Lebens: Um Freude, Leid, Leben, Tod, Gesundheit und Krankheit. Jesus betont das Hauptgebot: Gott über alles lieben und den Nächsten wie uns selbst. Gott will nicht nur gedacht, wissenschaftlich bewiesen oder bezweifelt werden, sondern konkret geliebt, auch im Mit-Menschen. Gott geht es um Freundschaft und Beziehung.
Einen tieferen Zugang zur Gottes-Frage bekomme ich im Gebets-Experiment. Wenn ich mich wie Jesus auf das Medium einlasse, mit dem ich mit Gott kommunizieren kann. Liebe drückt sich ja darin aus, indem man miteinander spricht! Ein Lob sagt, einen Dank ausspricht. Also nehme ich mir Zeit. Ich kann Gott die Dinge auch einfach mal an den Kopf knallen, all die Fragen, Zweifel und Enttäuschungen. Die Gebetserfahrung vieler ist, dass der Dialog mit Gott keine Einbahnstraße ist. Da kommt „etwas“ zurück, an Ruhe, innerem Frieden, weiterführenden Impulsen. Da wirkt und fließt eine Kraft.  Ur-Fragen des Lebens, existenzielle Gottesbeweise? Es gibt beeindruckende Lebensbeispiele, wie Menschen in der Kraft Gottes nicht nur Gutes bewirkt haben, sondern regelrecht Übermenschliches.
Ist Gott gegenwärtig – auch im Leiden dieser Welt? Die große Beterin Mutter Teresa hat immer wieder betont, dass Jesus für sie gegenwärtig wird, wenn sie gebrochene und blutende Menschen berührt.

Die Gottes-Frage ist also weniger eine Frage des Kopfes und des Grübelns, sondern des Sich-Einlassens. Nach Paulus gründet sich unser Glaube nicht auf menschliche Weisheit und keineswegs auf Überredung mit klugen Worten, sondern auf den Erweis von Geist und Kraft (1 Kor 2,1-5).
 
Lissy Eichert, Berlin