15.04.2021

Anstoß 15/21

Selbstverständlich

Ich suchte ein Bücherregal. Es sollte nicht 0815 sein, farblich zu meinen anderen Möbeln passen und natürlich jede Menge Bücher tragen können. Dank ebay-Kleinanzeigen bin ich fündig geworden.


Da verkaufte jemand in Forchheim ein von einem Tischler angefertigtes Bücherregal, für das er selbst keine Verwendung hatte. Wir, also der Verkäufer und ich, kamen schnell ins Geschäft. Am letzten Wochenende holte ich es ab.
Der Verkäufer, ein junger Mann, geschätztes Alter Mitte / Ende 20, beeindruckte mich schon, als ich noch auf dem Weg zu ihm war. Ich hatte ihm mein Ankommen angekündigt, doch leider kannte sich auch mein Navi nicht so richtig in Forchheim aus. Es wurde also etwas später als vereinbart. Ich weiß nicht, ob der Verkäufer mein Herumsuchen  geahnt hatte, jedenfalls erhielt ich ungefragt eine WhatsApp mit einem Foto von einem Haus drauf: „So sieht das Haus aus, zu dem Sie fahren müssen.“ Ich fand das schön und zuvorkommend. Genauso, als wir das Regal abbauten und dann drei Etagen nach unten zum Auto trugen. Er hatte vorsorglich für jeden eine Flasche Wasser mitgebracht.
Mich berührt so etwas immer. Weil es zeigt, dass jemand sich vorher Gedanken um einen macht und für ihn in gewisser Hinsicht sorgt. Im Gespräch erzählte er mir, dass die Wohnung, in der wir uns befanden, die Büroräume seines Vaters waren. Dieser war vor einigen Monaten im Alter von 65 Jahren ganz plötzlich verstorben, und so wurde alles aufgelöst.

Der Tod des Vaters tat mir natürlich leid, was ich seinem Sohn auch sagte. Er dankte mir, bestätigte, dass es natürlich traurig ist und sagte dann: „Wissen Sie, ich glaube an Jesus und daran, dass es meinem Vater jetzt gut geht“. Mich hat das beeindruckt, wie er so selbstverständlich von seinem Glauben an Jesus sprach, nicht wissend, dass er bei mir diesbezüglich ja quasi offene Türen einrennt. Von unserer (christlichen) Hoffnung erzählen ist nicht so einfach. Erst recht nicht, wenn wir nicht ausdrücklich danach gefragt werden. Doch vor einer glaubhaften Verkündigung steht das Handeln. Huub Oosterhuis hat das Wie in einem seiner Bücher sehr prägnant niedergeschrieben: „Lebe so, dass jemand nachts an deiner Tür und deinem Fenster anzuklopfen wagt.“
 
Andrea Wilke, Erfurt