19.03.2020

Anstoß 12/20

Alles gut?!

„Mag mich umgeben Leid und Kühle, Glück oder Glut – alles ist gut, wie es kommt.“ Ein starker Satz in einem (Morgen-)Gebet von Ignaz Klug (1877-1929). Es ist mir seit vielen Jahren vertraut und hat mich über die eine oder andere Zeit begleitet.


Doch nie ohne die leise Frage, ob ich das so meinen kann, wie es da steht. Meist bleibt es für mich ein steiler Satz, eine Herausforderung. In der Entwicklung der letzten Wochen mit Blick auf die Corona-Epidemie kommt er mir wieder öfter in den Sinn.
Alles ist gut, wie es kommt. Nicht wirklich, oder? So würden die meisten Menschen in unserem Umfeld im Moment wohl fragen, nicht zuletzt wir selbst – angesichts des Gefühls, dass eine Bedrohung uns näherkommt. Ob das im Blick auf andere „Lebensgefahren“ objektiv gerechtfertigt ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber Gefühle, die da sind, lassen sich nicht einfach wegargumentieren. Auch nicht, wenn jeder weiß, dass jetzt, in diesem Moment, das Leben vieler Menschen viel stärker bedroht ist als das eigene.
Trotzdem, wenn es so stehen bliebe, stimmt es einfach nicht. Krankheiten, Krieg, Gewalt, Hunger, Not, Katastrophen – es gibt genug Dinge auf der Welt, die alles andere als gut sind!
Das Gebet geht zum Glück auch weiter. Es folgt eine Bitte: „Gib, dass es frommt.“ Gib, dass etwas daraus wird, was mich leben, wachsen, reifen lässt. Lass, was mir heute und darüber hinaus begegnet, Weg zum Leben werden. Dann mag es sein, dass Gott auf den krummen Zeilen dessen, was mein Dasein mir ebenso schenkt wie zumutet, etwas Gerades schreibt und die Dinge gut werden, entgegen allem Anschein. Sicher wissen kann ich das nicht, hoffen schon. Und dann gelassen in den Tag gehen:
„Herr, dieser Tag und was er bringen mag, sei mir aus deiner Hand gegeben. Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Du bist der Weg, ich will ihn gehen. Du bist die Wahrheit, ich will sie sehen. Du bist das Leben, mag mich umgeben Leid und Kühle, Glück oder Glut – alles ist gut wie es kommt. Gib, dass es frommt. In deinem Namen beginne ich.“

Wie immer es kommt – ein mutiges, gelassenes Gebet, vielleicht gerade für eine Zeit, in der wir uns unsicher fühlen, besorgt oder ängstlich sind.
 
Angela Degenhardt, Sangerhausen