20.09.2019

Anstoss 38/19

Frucht bringen

„Trocknet auch die Dürre das Land, ankern seine Wurzeln tief im Boden. Nahrung gibt er denen, die Fest mit ihm verbunden sind.“ Diese Zeilen haben wir vor wenigen Tagen in der Chorprobe gesungen.


Sie malen aus, wie der Weinstock seine Reben auch in Zeiten der Trockenheit nähren und Trauben zur Reife bringen kann. Was so einfach klingt, wird ein Winzer möglicherweise hinterfragen. Zumindest lese ich angesichts der beiden heißen Sommer, dass es „im wirklichen Leben“ einige Sorge auch um die Weinstöcke braucht, damit eine gute Ernte heranreift.
Das Lied soll uns an diesem Sonntag beim Pilgertag unserer Gemeinde, beim Nachdenken über das (geistliche) Wachsen und Fruchtbringen begleiten. Was ist nötig, damit wir fruchtbar sind? Wozu überhaupt sollen wir Früchte bringen? Gibt es etwas, woran sich das Wachsen „messen“ lässt? Was hindert uns womöglich am Wachsen? Was ist die Quelle, aus der wir schöpfen? Fragen, denen nachzugehen, sich sowohl für eine Gemeinde als auch für den Einzelnen lohnt.
Im Psalm 1 werden Menschen glücklich und gerecht genannt, die nicht mit jenen zusammen sitzen, denen nichts heilig ist, die nicht auf die Zyniker und Schwarzmaler hören. Sondern im Gegenteil Gottes Wort im Herzen tragen, unentwegt darauf „herumkauen“ (so der Wortsinn im Hebräischen), danach fragen, was Gottes gute Nachricht für ihr, für unser Leben heute bedeutet. Und die nach Kräften versuchen, es mit Leben zu erfüllen, auch wenn andere dies als Torheit oder modern als Gutmenschentum ansehen. Sie sind wie ein fruchtbarer Baum an einer Quelle.
Und wozu das alles? „Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh, 15,16) Zuspruch, Zumutung und Verheißung finden sich in Jesu Wort: Durch uns kann die Senfkornsaat des Gottesreiches wachsen, wenn wir einander mit Jesu Liebe begegnen. Wir sollen unsere Kräfte darauf richten, dass weiterwächst, was Frucht bringt, auch indem Altes beschnitten wird, damit Neues kraftvoll wachsen kann und bleibt, mag sein in gewandelter Gestalt, wie beim Korn, das in die Erde fällt. Für die Wurzel des Weinstocks ist gesorgt: Jesus ist eins mit dem Vater und wir mit ihm.

Angela Degenhardt, Sangerhausen