29.11.2018

Anstoss 48/2018

Fußball-Verzicht

Damit wir uns recht verstehen: Ich mag Fußball, sogar sehr. Den Ball. Das Spiel. Und gerade deswegen trifft es mich ja so, einem Unrecht zusehen zu müssen, das – weltweit vernetzt – uns alle betrifft.


Football Leaks, eine Enthüllungsplattform, legt offen, zu welchem hochkorrupten System sich der Spitzenfußball entwickelt.
Jüngste Infos betreffen Dopingtests, Steuervermeidung und sehr aufwühlend die geplante Gründung einer European Super League. Es geht um Privatisierung europäischer, auch deutscher, Profivereine. Da lockt mehr Geld. Unvorstellbar viel mehr Millionenverdienst. Die Plattform hat nun Infos zum Umgang mit minderjährigen Fußballern in Entwicklungsländern angekündigt. Experten vermuten, Kinder spielen besseren Fußball, wenn sie aus armen Verhältnissen kommen. Weil arme Kinder den ganzen Tag Fußball spielen und deshalb richtig gut sind. Und an dieser Stelle beginnt ein Teufelskreislauf: weil Kinder als Nachwuchsspieler eingekauft werden. Fußball wird zum Weg, sich aus der Armut hochzuarbeiten. Vereine verdienen sich reich. Das passiert auch in Nachwuchsmannschaften bei uns in Deutschland. Klar doch, Kinder und Jugendliche lieben Fußball, den Spaß, Abenteuer, Gemeinschaft, Team Play, Zusammenhalt – einfach toll. Es gibt Länder, die leben für den Fußball. Welcher begeisterte Fußballspieler träumt nicht davon, selbst mal ein Profi zu werden? Fast jeder hat tolle Vorbilder, denen sie nacheifern; Vereine in Europa, für die sie später mal spielen wollen. Doch einmal eingekauft, suchen sich Spieler nicht mehr selbst aus, für wen sie spielen. Und hier zeigt sich eine moderne Form von Menschenhandel. Kinder sollen keine Ware, kein Geschäftsmodell sein. So lautet die klare Vorgabe des deutschen Fußballbundes. Zum Schutz der Minderjährigen darf niemand mit ihnen Geld verdienen. Und doch blüht weltweit das Geschäft mit Kindern auf der ganzen Welt.

Papst Franziskus ruft wiederholt dazu auf, sich im Einsatz gegen Ausbeutung mit anderen zusammenzutun. „Liebt nicht in Worten, sondern in Taten.“ Wie wäre da etwa ein Fernseh-Fan-Streik? Unter diesen Bedingungen schauen wir alle einfach keinen Fußball mehr. Das könnte Fernseh- und damit auch Fußball-Gelder blockieren. Also etwas Sand ins Getriebe werfen. Hm, warum verzichte ich nicht mal? Spätestens auf die Übertragung aus Katar 2022. Probeweise im Advent? Weil ich doch lieber Fußball gucken will!
 
Lissy Eichert, Berlin