18.03.2021

Anstoß 11/21

Wie Ordensfrauen und Ordensmänner fasten

Letzte Woche war ich bei den Zisterzienserinnen in Helfta und interviewte Schwester Sandra für eine Radiosendung. Ich war neugierig, wie in Klöstern gefastet wird, wo doch das klösterliche Leben ohnehin jede Menge Verzicht bedeutet.


Außerdem interessierte mich, ob Ordensfrauen und -männer unterschiedlich fasten. Das ist tatsächlich so, stellte Schwester Sandra klar. Der Grund: Papst Bonifaz VIII. hat 1298 festgelegt, „dass alle Nonnen, jetzt und in Hinkunft, welchen Instituts oder Ordens auch immer, ab nun in dauernder Klausur verharren sollen.“
Frauen in Klöstern wurden fortan in eine strenge Klausur geschickt. Sie führten ein Leben in Abgeschiedenheit und zu der gehörte auch, sich streng an das Fastengebot zu halten. Bei den Männern war das lockerer. Strenge Klausur gab es nur bei wenigen Orden. Viele Ordensmänner sind gleichzeitig Priester und daher mehr unterwegs. Die Festlegung für Frauenorden von Bonifaz VIII. gilt modifiziert bis heute.
Beim Essen geht es in der Fastenzeit im Kloster einfacher zu. Dabei ist Fasten für Schwester Sandra mehr als nur der Verzicht auf Essen oder bestimmte Genüsse. Im Kloster liest nach der Regel des heiligen Benedikt jede Schwester in der Fastenzeit ein geistliches Buch. Den Titel kann sich jede Schwester mit der Priorin selbst aussuchen.
Auch lädt die Fastenzeit ein, sich insgesamt zu reduzieren: Weniger Telefonate, weniger E-Mails und das, was man macht, sehr bewusst tun und sich bestimmter Dinge enthalten. Umso schöner ist es, diese Dinge nach der Fastenzeit wieder ganz neu wahrzunehmen, ihren Reichtum, ihre Schönheit wieder schätzen lernen. „Oft bleibt man in der täglichen Wiederholung stecken. Um da gegenzusteuern, ist die Fastenzeit eine gute Einrichtung. Diese Zeit ist die Reset-Taste“ sagt Schwester Sandra verschmitzt. „Die alten Programme löschen und wieder neu loslegen“. Das passt nicht nur für ein Leben im Kloster.

Die Sendung „Wie Ordensleute in der Fastenzeit leben“ ist am 21. März von 7.05 bis 7.30 Uhr auf Deutschlandfunk-Kultur und dann in der Mediathek zu hören.

Guido Erbrich, Biederitz