12.11.2021

Anstoß 45/21

Was mich interessiert

Die Herbstferien (bei uns in Thüringen gingen sie bis zum 5. November) neigten sich ihrem Ende zu, da hieß es für meinen Sohn: Ab zum PCR-Test. Er hatte Kontakt gehabt zu „Corona-positiv-Getesteten“ und obendrein etwas Husten.


Ich hatte eine laufende Nase, wie sie für Novemberwetter nicht ganz ungewöhnlich ist, also wurde ich gleich mitgetestet. Und das eigentlich gute Wort „positiv“ hatte nun nach unserem Test die fiese Bedeutung „infiziert“. Ich für mich hatte nicht wirklich damit gerechnet, aber Impfdurchbrüche sind ja inzwischen nicht mehr selten. Wie dem auch sei, das Testergebnis bedeutet 14 Tage Quarantäne. Und Quarantäne heißt Planänderung.
Der Plan war ja gewesen, dass mein Sohn wieder in die Schule geht, ich ins Büro, mein Auto in die Werkstatt ... Also erst einmal alles absagen. Bei einigen abzusagenden Terminen machte es mir nicht allzu viel aus, bei anderen war ich doch etwas traurig, denn ich hatte mich schon sehr darauf gefreut (aber nichts im Vergleich zu abgesagten Erstkommunionfeiern, Abi-Bällen oder Hochzeiten).
Wie soll es also weitergehen, fragte ich mich. Essensvorräte reichen, der Gefrierschrank hat die seltene Chance auf leere Fächer und sich etwas beschränken, ist ja auch mal eine Erfahrung. Zudem hatten auch schon einige Leute gesagt, dass sie uns mit Lebensmitteln versorgen würden.
Alles in allem also nicht so schlimm. Die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich 14 Tage nicht vor die Haustür trete. Mir kamen schon viele Ideen für die freie Zeit zu Hause – sozusagen Plan B. Angefangen bei den vielen ungelesenen Büchern im Regal bis hin zu dringend aufzuräumenden „hier kommt alles rein, was woanders keinen Platz hat – Schubladen“. Also alles easy (leicht).
Aber was, wenn mal etwas nicht so easy ist? Wenn der eigene Plan durchkreuzt wird und sich die Welt gefühlt nicht mehr weiterdreht. Sondern stehen bleibt und zwar im Dunkeln. Wenn es keinen konkreten Plan B gibt.

Es wäre sicher leicht zu sagen – gerade in einer Kirchenzeitung –, dass Plan B wäre, Gottvertrauen zu haben: Es geht schon weiter. Doch wie lernt man das Vertrauen, dass bei allem was geschieht, Gott einen in seiner Hand hält? Wie machen Sie das? Mich interessiert das.
 
Andrea Wilke, Erfurt