15.11.2018

Anstoss 46/2018

Papst, Spiegel und Recht auf Leben

Papst Franziskus hat es wieder in die Medien geschafft: „Ich frage euch – so der Papst – ist es gerecht, jemanden umzubringen, um ein Problem zu lösen? Das kann man nicht machen, es ist nicht gerecht, einen Menschen umzubringen, auch wenn er klein ist, es ist, wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein Problem zu lösen.“


Abtreibung – es gibt nicht viele Themen, die ein vergleichbares Unbehagen auslösen – und die deshalb so geeignet sind, für Ärger zu sorgen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland über 101 000 Kinder abgetrieben. Natürlich polarisiert das Thema. Viele halten das Recht auf Abtreibung für ein Zeichen einer liberalen Gesellschaft. Viele halten es für Mord.
Aber ob man sich dabei nun den Mund verbrennt oder nicht: Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche nimmt zu und fälschlicherweise hat sich unsere Gesellschaft darauf verständigt, darüber nicht allzu viel reden. Eigentlich möchte kaum jemand genau wissen, was da eigentlich passiert.

Im „Spiegel“ erschien eine Kolumne über Schwangerschaftsabbrüche und richtet den Blick auf ein Grundgefühl, das bei vielen in Vergessenheit geraten ist. „Jeder Mensch, der ein Herz hat, weiß, dass es falsch ist, menschliches Leben zu beenden. Wir beruhigen uns damit, dass in diesem Fall das Thema rechtlich irgendwie gelöst scheint.“ Und der Autor stellt dann genau das Bild vom beginnenden Leben in Frage, das für viele bei einer Abtreibungsentscheidung eine nicht unerhebliche Rolle spielt: Ist der Fötus wirklich nur ein Zellhaufen, der nichts fühlt? Wohl kaum. Schon nach zehn Wochen bewegt das Baby seinen Kopf, nach elf Wochen gähnt es, nach zwölf lutscht es an den Fingern. Wenn ungeborenen Kindern, nach einer Voruntersuchung genetische Auffälligkeiten attestiert werden, wird in schätzungsweise neun von zehn Fällen abgetrieben. „Wenn es darum geht, behinderten Kindern den Weg ins Leben zu ermöglichen, tun wir als Gesellschaft alles dafür, dass dies möglichst unterbleibt.“ Der Artikel endet mit einem Wunsch, dem ich mich nur anschließen kann: „Ich würde mir wünschen, wir würden 101 000 Abtreibungen pro Jahr nicht als normal betrachten. Tatsächlich sind sie zum Verzweifeln.“ 
 
Guido Erbrich, Roncallihaus Magdeburg