08.06.2018

Fronleichnamsprozession durch Hoppenwalde

Läuten bis die Blasen kommen

500 Gläubige aus ganz Vorpommern nahmen an der Fronleichnamsprozession durch Hoppenwalde teil. Die Brüder Felix und Timo waren zum ersten Mal mit dabei.

Den Glauben auf die Dorfstraße von Hoppenwalde tragen – Vorpommern holt dafür 500 Katholiken zusammen. | Fotos: Anja Goritzka

„Hoffentlich kann ich Weihrauch machen“, spekuliert der elfjährige Felix morgens um sieben, als er sich mit seiner Mutter, seinem Bruder und der acht Monate alten Schwester auf den Weg  nach Hoppenwalde macht.
Seit über einem Jahr ist er schon in Greifswald Ministrant. An der traditionellen Fronleichnamsprozession in Hoppenwalde oder dem ebenfalls katholischen Viereck, zu der jedes Jahr hunderte von Katholiken aus dem Dekanat Vorpommern fahren, hat er noch nie teilgenommen. Sein neunjähriger Bruder Timo kennt diese Tradition auch nur aus Erzählungen und aus dem Erleben in der eigenen Gemeinde am Sonntag nach Fronleichnam, dort dann nicht so groß. Während andere Kinder an diesem Tag bei 30 Grad in der Schule schwitzten, haben die beiden Brüder frei bekommen. Fronleichnam ist auch in Mecklenburg-Vorpommern kein Feiertag.
 
Die katholischen Kinder kennen sich
In dem kleinen Ort bei Ueckermünde am Haff angekommen, gibt es für beide erst einmal ein großes Wiedersehen mit den Ministranten vor Ort. Die katholischen Kinder in Vorpommern kennen sich, meist von den Religiösen Kinderwochen auf Usedom im Zinnowitzer St. Otto-Heim. Während aus Demmin, Stralsund, Rügen, Usedom, Anklam und Greifswald die Messeteilnehmer eintreffen, steigt unter den Ministranten die Anspannung. Schließlich kommt der Bischof und alles muss reibungslos klappen. Felix wird nicht für den Weihrauch eingeteilt. Er ist mit seinen 1,40 zu klein. Stattdessen macht er mit einem Freund zusammen die Glocken: „Das ist auch okay.“ Während alle warten, steigt die Temperatur. Die Messe ist auf 10 Uhr angesetzt, auf der Wiese hinter dem Pfarrhaus gibt es kaum Schatten und die Sonne brennt. Schnell werden Sonnenschirme aufgestellt, die zumindest punktuell Schatten spenden. Dennoch können die Gläubigen so besser teilnehmen. Etwas Besonderes diesmal: Die Lesungen und Fürbitten werden sowohl auf Deutsch als auch auf Polnisch gehalten. An die 50 polnische Katholiken, die im Grenzgebiet zu Polen in Deutschland leben, sind mit vor Ort. Sie werden im Pastoralen Raum Hoppenwalde-Pasewalk wahrgenommen und in die bestehende Gemeinde integriert.
„Sehr aufregend, aber echt zu warm“, fanden die Brüder Felix (links) und Timo die Prozession.

Nach der Messe folgen die Gottesdienstbesucher dem Allerheiligsten als Zentrum ihres Glaubens: Einmal die Dorfstraße hinunter zum letzten Hof, auf dem der erste Altar aufgebaut ist. Felix läuft jetzt schon das Wasser von der Stirn, dennoch wird kräftig geläutet und Timo geht stolz weiter vorne in der Gruppe der Erstkommunionkinder seinen Weg. Die Kinder haben Durst. Schatten durch große Bäume gibt es in Hoppenwalde nicht. Damit niemand von den Ministranten, Fahnenträgern und Erstkommunionkindern umkippt, wurde der Kinderwagen als Wasserprovianttransporter zweckentfremdet. Das Baby schläft friedlich in der Trage. An den Altären kommen alle zur Ruhe, beten gemeinsam das Allerheiligste an. Drei Altäre weiter kommt die Prozession wieder auf der Wiese hinter dem Pfarrhaus an. Leichte Wolken bedecken kurz die Sonne. Noch einmal wird angebetet, bevor das Allerheiligste mit dem Gesang von „Großer Gott, wir loben dich“ in die Kirche Mariä Himmelfahrt gebracht wird, wo derzeit das Lichtkreuz aus St. Hedwig hängt.

 
„Sehr aufregend, aber echt zu warm“
Messe und Prozession sind vorbei. Die kleine Schwester von Felix und Timo hat ihren Kinderwagen wieder. Für die Ministranten gibt es kostenfreies Essen und Getränke. Aus den langen Gewändern und von Anspannung befreit, sitzen sie zusammen, tauschen sich aus, hören der polnischen Gruppe Cantate Gospel zu, die für Stimmung sorgt.
Wie war es? „Sehr aufregend, aber echt zu warm“, meint der neunjährige Timo und sein großer Bruder ergänzt: „Wir haben ordentlich Krach gemacht und geläutet. Aber schau mal meine Hände.“ In seinen Handflächen sind an allen Fingern kleine Blasen zu sehen. „Da muss ich zusehen, dass ich am Sonntag bei unserer Prozession einen anderen Dienst übernehme“, meint der Greifswalder grinsend. Wiederkommen wollen sie im nächsten Jahr auf alle Fälle, Timo dann auch als Ministrant.
 
Von Anja Goritzka