29.09.2016

Wechselburger Benediktiner bauen Ferienwohnungen

Friede den Gästen

Wechselburg. „Gäste, die ankommen, empfange man alle wie Christus“, hat einst der heilige Benedikt seinen Mönchen ans Herz gelegt. Im Benediktinerkloster Wechselburg wird die klösterliche Tradition der Gastfreundschaft groß geschrieben. Zurzeit wird an neuen Unterkünften gebaut.

Mit viel Gespür für historische Bauten saniert Architekt Falk Ueberschär (im Bild mit Prior Maurus Kraß) das Wechselburger Torhaus. Für den hellen zementarmen Putz hat er zum Beispiel – wie in früheren Jahrhunderten üblich – als Bindemittel Quark verwendet. Fotos: Dorothee Wanzek


Schon im Mittelalter, als zunächst Augustinerchorherren und später Deutsche Ordensritter das Kloster belebten, betraten Besucher die Klosteranlage durch das Torhaus. Seit einigen Wochen stoßen die Gäste am Wechselburger Torhaus nicht mehr nur auf das Wappen der Grafen von Schönburg. Ein benediktinisches Zeichen weist auf die Ettaler Mönche hin, die das Kloster vor fast einem Vierteljahrhundert neu belebt haben. Wie in der ältesten Benediktinerabtei Montecassino ist neben der Tor-Durchfahrt in Rochlitzer Porphyr gemeißelt „Pax“ – Frieden zu lesen, im Hintergrund sind die Umrisse des Wechselburger Kreuzes zu erkennen.
Gäste sollen zu Frieden und Gemeinschaft mit den Mönchen geführt werden, heißt es in einem eigens der Gastfreundschaft gewidmeten Abschnitt der Ordensregel Benedikt von Nursias. So werde Gastfreundschaft zu einem Geschenk sowohl für die Gäste wie auch für die Mönche selbst.
Die Nachfrage nach einer Auszeit im Kloster Wechselburg steigt in den letzten Jahren stetig an, erzählt Prior Maurus Kraß. Gäste möchten hier für ein paar Tage auftanken, Ruhe und Frieden des Klosters in sich aufnehmen.
Seit Monaten wird dafür das  ehemalige Torhaus saniert und ausgebaut. Wer den Torbogen durchschreitet, soll hier ab Februar rechter Hand auf drei Ebenen 28 Übernachtungsplätze vorfinden. Die meisten sind flexibel nutzbar, entweder als komplette Ferienwohnung für Familien und Gruppen oder in Doppelzimmer unterteilt für Einzelgäste und Paare. Für das Kloster verbessern sich damit zugleich die Nutzungsmöglichkeiten ihres Jugend- und Familienhauses, das vorwiegend über Mehrbettzimmer verfügt, aber häufig von Erwachsenengruppen mit Einzelzimmer-Wunsch belegt wird. „Wir können damit unser  Gäste- und Exerzitienangebot erweitern“, sagt Maurus Kraß.

Unterkunft auch für Kinderreiche
Besonders freut sich der Prior über die entstehende Ferienwohnung für eine kinderreiche Familie. „Familien mit mehr als drei Kindern haben es oft schwer, eine Ferienunterkunft in geeigneter Größe zu finden. Die größte Wohnung im Torhaus hat acht Betten und eine angrenzende Unterkunft für Begleiter. Sie kann auch von zwei Familien gemeinsam genutzt werden oder von einer kompletten Kleinbus-Besatzung einer Gemeinde. Im Erdgeschoss entsteht eine rollstuhlgerechte Wohnung. Es wird Seminarräume geben, eine Selbstversorgerküche und einen kleinen Raum für Seelsorge-Gespräche.
 

Das benediktinische Zeichen am Torhaus-Bogen wurde gemeinsam mit Jörg Danielczyk entworfen, dem aus Wechselburg stammenden Chefdesigner der Meißner Porzellan-Manufaktur.

Frieden mit der Denkmalpflege
Dem Gästetrakt gegenüber wird ein Besucherzentrum gebaut. Der Klosterladen soll hier seinen Platz finden. Des weiteren ist eine Dauer-Ausstellung über Geschichte und Gegenwart des Klosters und der Basilika geplant.
1997 und 2009 hatte das Kloster Wechselburg bereits zwei Anläufe zum Ausbau des Torhauses unternommen. Gescheitert waren beide Vorstöße letztendlich an der großen Herausforderung, die Wünsche der künftigen Nutzer mit den schwierigen statischen Bedingungen – Umbauten vergangener Jahrhunderte hatten das Gebäude erheblich destabilisiert – und den Erfordernissen der Denkmalpflege überein zu bringen. „Im dritten Anlauf gelingt all das außerordentlich gut“, sagt Pater Maurus. Dankbar ist er dafür vor allem seinem Architekten Falk Ueberschär. „Er ist ein guter Zuhörer und entwickelt immer neue Ideen, um die Anliegen aller Beteiligten in Einklang zu bringen“, lobt er. Sein Grundanliegen, möglichst viel von der historischen Bausubstanz und Atmosphäre zu erhalten, sei für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege sehr förderlich. Mitarbeiter der Denkmalpflege versuchten ihrerseits, sich in die Mönche hinein zu versetzen. Am Torhaus ein Kloster-Wappen anzubringen, sei beispielsweise ein Vorschlag der Denkmalpflege gewesen.
Bezahlt wird der Umbau aus vielen großen und kleinen Spenden, aus Mitteln der Abtei Ettal, des Bistums Dresden-Meißen und des Bonifatiuswerks sowie – insbesondere für den denkmalpflegerischen Mehraufwand – aus öffentlichen Fördermitteln. Eigentümer des Torhauses ist gegenwärtig der Verein der Freunde des Benediktinerklosters Wechselburg. Das Kloster, das einen Nutzungsvertrag mit dem Verein abgeschlossen hat, beabsichtigt, es in absehbarer Zeit zu kaufen.

Von Dorothee Wanzek