04.02.2021

Errichtung eines Freilandkreuzweges in Heuthen geplant

„Wo das Kreuz vom Hügel ragt“

Der Förderverein Sankt Nikolaus in Heuthen plant die Errichtung eines Freilandkreuzweges. Entworfen hat ihn Harald Apel. Im Mai soll mit den Baurbeiten begonnen werden. Eingeladen zur Nutzung sind Pilger, Wanderer und alle Interessenten. Das Projekt ist Teil des Ortsjubiläums 875 Jahre Heuthen.

Historische Bildstöcke bleiben erhalten und werden integriert.    Foto: Christine Bose

 

Mehr als einmal haben die Mitglieder des Fördervereins „Sankt Nikolaus“ in der Eichsfeldgemeinde Heuthen über ihr neuesgroßes Vorhaben nachgedacht und verschiedene Varianten geprüft. Noch in diesem Jahr soll ein Freiluftkreuzweg entstehen. Seit der Vereinsgründung im Frühjahr 2012 verfolgen die Mitglieder Ziele, um bauliche Projekte, kirchliches und kulturelles Leben zu unterstützen. „Rund um den Kirchturm und darüber hinaus“, wie die Vorstandsmitglieder Werner Jünemann, Uwe Schössow, Margit Jünemann und Stephan Kruse unterstreichen. Der Verein arbeitet zusammen mit der Kirchengemeinde Sankt Gerhard Heiligenstadt, dem Kirchenvorstand, dem Kirchort-Rat und der politischen Gemeinde. Er will die Gemeinschaft über Konfessionsgrenzen hinweg fördern.
„Jetzt wird es konkret“, konnten Werner Jünemann als 1. Vorsitzender und Vorstandsmitglied Stephan Kruse Ende 2020 unterstreichen. Der Freilandkreuzweg als ein Zeichen lebendigen Glaubens kommt. Zudem, so der Vorstand, soll die Verwurzelung der Eichsfelder im Glauben deutlich werden. Spaziergänger, Wanderer, Radwanderer und selbstverständlich Pilger aller Generationen aus nah und fern sollen mit dem Kreuzweg angesprochen werden. Dabei erachten es die Vorstandsmitglieder für wichtig, dass eine dauerhafte Anlage mit einem geringen Aufwand für Pflege und Instandhaltung entsteht. Sie fügen hinzu: „Die entstehende Rostpatina wird der Anlage einen zeitlosen Charakter verleihen.“ Für die Stelen, die fest in Betonstahl verankert werden sollen, gab es mehrere Entwürfe.

Ökumenischer Pilgerweg eingebunden
Auf der Suche nach einem Standort für das Aufstellen der vierzehn Stelen aus Cortenstahl – einem wetterfestem Baustahl – , fiel die Entscheidung für einen Verlauf, den Werner Jünemann als ideal bezeichnet. Er sagt: „Durch die Gemarkung unserer Gemeinde führen der Ökumenische Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda und der Unstrut-Leine-Radweg. So bietet sich das am Ortsrand gelegene Teilstück ,Auf der Alten Gasse‘ geradezu an. Die hier bereits vorhandenen Glaubenszeugnisse vergangener Generationen, wie der Bildstock, das Vierzehn-Nothelfer-Bild und das Flurkreuz werden in das Gesamtkonzept eingebunden.“

STICHWORT
Weg des Kreuzes
Ein Kreuzweg – Weg des Kreuzes, lateinisch via crucis – ist ein der Via Dolorosa (Schmerzensweg)  in Jerusalem, dem Leidensweg Jesu Christi nachgebildeter Wallfahrtsweg wie auch eine Andachtsübung, bei der die Beter allein oder gemeinsam den einzelnen Stationen dieses Weges folgen. Er umfasst heute 14 oder 15 Leidensstationen, beginnend mit der Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus und endend mit der Grablegung. Kürzere Andachtswege, etwa mit sieben Stationen, werden regional auch als „Römerfahrt“ bezeichnet.
Die Kreuzwegstationen in Kirchen oder im Freien sind als Bild oder Relief dargestellt. Im Freien führt der Prozessionsweg entlang der Kreuzweg-Stationen oft einen Berg hinauf („Calvaire“, „Kalvarienberg“), in Anlehnung an die Kreuzigungsstätte Golgotha.
Der Kreuzweg auf der Via Dolorosa in Jerusalem wurde mutmaßlich schon zu Kreuzfahrerzeiten begangen, aber entspricht wahrscheinlich nicht ganz exakt dem Weg Jesu nach Golgota.
In der Kreuzwegandacht wird der Schmerzen gedacht, die Jesus auf seinem Weg vom Haus des Pilatus, wo er zum Tode verurteilt wurde, bis zum Kalvarienberg, wo er am Kreuz gestorben ist, erlitten hat. Vor allem in der Fastenzeit finden Kreuzwegandachten statt. Zudem gibt es einen Jugendkreuzweg. (kathpedia)

Bereits in vergangenen Jahrhunderten hätten die Menschen in schweren Zeiten, besonders wenn sie von gefährlichen Krankheiten heimgesucht wurden, ihren Dank für Genesung und ihr unerschütterliches Gottvertrauen mit der Errichtung eines Kreuzweges bekundet. Die anhaltende Corona-Pandemie nehmen die Initiatoren zum Anlass, mit diesem neuen Kreuzweg unter freiem Himmel ein Zeichen zu setzen. Sie sprechen von einem hklaren Zeichen des Glaubens, von der Bitte um Gesundheit und des Dankes dafür. Außerdem haben die Vereinsmitglieder das Ortsjubiläum ihres Dorfes im Jahr 2021 im Blick; die Ersterwähnung Heuthens erfolgte vor 875 Jahren. Die Feierlichkeiten zum Festjahr müssen allerdings aus aktuellem Anlass auf 2022 verschoben werden.

Weiterführende Info via QR-Code
Eine Hinweistafel wird am Anfang des Heuthener Kreuzweges stehen. Sie bietet Informationen zum Projekt und zum Umfeld. Im Mai und im Juni sollen die Betonfundamente gesetzt werden. Darauf folgt der Aufbau der einzelnen Stationen. Eine ökumenische Segensfeier zur Fertigstellung und Einsegnung des Kreuzweges ist – sofern es die Pandemielage zulässt – für den Sommer vorgesehen. Weiter teilte der Vorstand mit, dass die Stelen – ihre Entwürfe stammen von Harald Apel aus Heuthen – mit einem QR-Code versehen werden, damit über die Homepage des Fördervereins Informationen abgerufen werden sowie Andachten und Impulse, von Pfarrer Ludger Dräger stammend, aus dem Internet heruntergeladen werden können. Der Seelsorger, zuständig für die Kirchorte Geisleden, Heuthen, Flinsberg und die Heiligenstädter Sankt Gerhard-Gemeinde, hat auch die Stationsbezeichnung entworfen. Nach seiner Predigt am Christkönigssonntag 2020 in Heuthen hatten die Menschen für die Kreuzweg-Errichtung gespendet, ist doch ein solch anspruchsvolles Vorhaben ohne Spenden und Zuwendungen nicht möglich.
An genanntem Sonntag im November hatte Pfarrer Dräger seine Gedanken zu Kreuzwegen in Vergangenheit und Gegenwart dargelegt. Er erinnerte an die Worte des Eichsfelder Pfarrers und Heimatdichters Hermann Iseke (1856 bis 1907), der in seinem Eichsfeldlied – der Hymne der Region – schrieb: „Heim, wo das Kreuz vom Hügel ragt“ und hob hervor: „Der Kreuzweg ist eine permanente Erinnerung an unsere Wirklichkeit, angefangen vom ungerechten Urteil, über das mehrfache Fallen bis hin zur Grablegung. Der Kreuzweg begleitet uns auf Schritt und Tritt. Aber er hat auch eine Verheißung. Denn ganz am Ende des Weges steht nicht einfach das Grab, sondern das leere Grab.“

Informationen, auch über die einzelnen Etappen des Kreuzweges und zu seiner Errichtung und zur finanziellen Unterstützung finden sich im Internet unter www.foerderverein-heuthen.de

Von Christine Bose