30.06.2022

Frauenfest im Kloster Helfta

Ein Fest mit Bodenhaftung

Beim 27. Frauenfest im Kloster Helfta trafen sich etwa 200 Teilnehmerinnen unter dem Motto „Du hast in dir den Himmel und die Erde“ zu Vorträgen, Gebet sowie Workshops und bunten Kreativangeboten.

 Bettina Albrecht stimmte die Teilnehmerinnen des Frauenfestes im Kloster Helfta auf das Motto des Tages ein.    Foto: Silvia Funke

Dass sie den Himmel und die Erde in sich tragen, feierten die rund 200 Teilnehmerinnen des 27. Frauenfestes des Bistums Magdeburg und des Diözesanverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) am 25. Juni im Kloster Helfta.
Das Motto des Tages „Du hast in dir den Himmel und die Erde“ stammt von Hildegard von Bingen. „Der Himmel steht für die Freiheit, die Erde gibt Halt, wenn der Verlust der Bodenhaftung droht“, erläuterte Bettina Albrecht, verantwortlich für Projekte der Familienbildungsarbeit im Bistum Magdeburg, in ihrer Eröffnung. Eine Tanzdarbietung stimmte die Frauen dann auf die Suche nach Himmel und Erde an diesem Tag ein. Dabei brachte Annette Esser, die einen Pilgerwanderführer auf den Spuren von Hildegard von Bingen an Rhein und Nahe geschrieben hat, den Teilnehmerinnen die Visionen der Heiligen näher. Sie lud die Frauen ein, dem Gedicht „O Kraft der Weisheit“ mit Bewegungen zu folgen. „Drei Flügel hast du: In die Höhe empor schwingt der eine, auf der Erde müht sich der zweite, und allüberall schwingt der dritte.“

Vielfältige Anregungen auf dem Klostergelände
Im Anschluss konnten sich die Frauen verschiedener Kreativangebote und Körperübungen bedienen und waren eingeladen zu geistlichen Gesprächen, Momenten der Stille in der Gertrudkapelle oder zum Lauschen auf Harfenklänge im lebendigen Labyrinth des Klostergartens. Außerdem konnten sie den Spuren der Mystikerinnen Gertrud von Helfta, Mechthild von Magdeburg und Mechthild von Hackeborn bei einer Klosterführung folgen oder an Workshops teilnehmen. Dabei ging es unter dem Motto „Stimmig auftreten“ mit Logopädin Debora Diehl darum, mit Haltungsübungen eine bequeme Stimmlage zu finden. Und bei einem Podiumsgespräch teilten Annette Esser, Professorin Agnes Wuckelt und Friederike Maier, Fachbereichsleiterin Pastoral im Bistum, ihre Erfahrungen mit Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche. Sie waren sich einig, dass Frauen zwar inzwischen wichtige Ämter besetzten, es aber trotz Berufung an ihrer Sichtbarkeit in der Liturgie mangele. Es gelte, angesichts „anhaltender Diskriminierung“ nicht zu verzweifeln, sondern gestärkt durch das Vorbild von Heiligen, wie Teresa von Ávila oder Hildegard von Bingen, mutig Freiräume zu nutzen.

Viele Länder blicken auf deutsche Kirche
Friederike Maier und Agnes Wuckelt gaben als Synodale im Forum „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ auch Einblicke in die Entwicklungen beim Synodalen Weg. Dabei machten sie die Bedeutung der Diskussionen in Deutschland für die Weltkirche bewusst, denn in vielen Ländern folge man diesen mit hoffnungsvollem Interesse. „Die Rückmeldungen aus aller Welt machen Mut weiterzugehen, denn es hat sich im Synodalen Weg ein Fenster aufgetan“, sagte Agnes Wuckelt.

In der Eucharistie die Ernte des Tages einfahren
In der abschließenden Eucharistiefeier mit Bischof Gerhard Feige hatten die Teilnehmerinnen Gelegenheit, die Ernte des Tages einzufahren. Friederike Maier lenkte zunächst den Blick auf Maria bei Jesu Besuch in Bethanien. Dabei betonte sie den Mut Marias, ihre Liebe zu zeigen und Jesus entgegen gesellschaftlicher Konventionen und trotz aller Kritik zu dienen, ohne Furcht, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Anschließend predigte der Bischof über Hildegard von Bingen, die den Menschen die Fähigkeit zuspreche, Gutes zu tun, aber auch sich dem Bösen hinzugeben. Darum sehe Hildegard die Herausforderung des Menschen zu jeder Zeit darin, sich zu entscheiden und dabei dem Guten den Vorzug vor dem Bösen zu geben. Das Motto des Frauenfestes lasse auch erahnen, so der Bischof weiter, wie groß die Herausforderungen seien, denen wir uns immer wieder zu stellen hätten, mit welcher Fülle aber auch jede und jeder von uns ausgestattet sei.

Von Silvia Funke und Susanne Sperling