04.02.2021

Kreative Aktionen, die zum Denken anregen

Anregungen für die Fastenzeit

Fasching, Karnevalsumzüge, Kappenabende fallen in dieser Saison coronabedingt aus. Für die Zeit danach – von Aschermittwoch bis Ostern – ist jedoch gesorgt. Es gibt mehrere kreative Aktionen, die zum Nach-Denken, zum Neu-Denken und zum Mit-Denken anregen sollen.

Bei der Vorbereitung der Fastenbriefe: Pfarrer Albrecht Bönisch, Andreas Neumann-Nochten, Gabriele Kretschmer und Frank Seibel (von links).    Foto: Raphael Schmidt

 

Im Sitzungsraum des Bischöflichen Ordinariates Görlitz arbeiten am vorigen Montagvormittag vier Personen am großen Konferenztisch. Vor ihnen liegen die Entwürfe der Texte und Bilder, die eine Woche später druckfertig, einige hundert Meter weiter  bei „Augustadruck“ sein müssen, damit die Fastenbriefe, die daraus entstehen sollen, pünktlich in die Briefkästen der Interessenten gelangen können. Die Nachfrage nach diesen Briefen ist noch nicht absehbar, planen müsse man dennoch. Fastenbriefe zu schreiben, das  ist Neuland, wie so vieles in diesen ungewissen Zeiten. Klar hätten es auch E-Mails sein können, doch das wollte man bewusst nicht. Briefe auf Papier, jeden Tag ein neuer, mit etwas Spannung und Vorfreude, das fand das Vorbereitungs-Team angemessener, als elektronische Postwurfsendungen.

Die Post bringt Briefe für jeden der 40 Tage Fastenzeit
Veranstalter dieser ökumenischen Fastenpost-Aktion für die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern, im Sinne von Exerzitien im Alltag, ist das Bistum Görlitz in Kooperation mit dem Evangelischen Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz. Es wirken dabei mit: die Referentin im Seelsorgeamt  Gabriele Kretschmer, der Künstler Andreas Neumann-Nochten, der Journalist und Hausleiter des Sankt-Wenzeslaus-Stiftes in Jauernick, Frank Seibel sowie der Pfarrer der evangelischen Kreuzkirche in Görlitz, Albrecht Bönisch.

Das Bild „Exodus“ von Andreas Neumann-Nochten.    Foto: Andreas Neumann-Nochten

Diese besondere Briefaktion richtet sich ausdrücklich nicht nur an Christen und kommt vollständig ohne Computer und Internet aus. Darüber informiert Pfarrer Albrecht Bönisch. Wer sich zu einer Teilnahme entschlossen hat, erhält sieben Mal einen Brief zu Wochenbeginn. In jedem dieser Briefe sind sieben weitere Briefe. Darin finden sich Impulse für jeden Tag, Bilder,  Texte und Gebete. „Mit dieser Hilfe können die Empfänger einen eigenen Rhythmus finden und ihn in einem ganz persönlichen Ritual umsetzen“, sagt Pfarrer Bönisch. Aber auch im direkten Kontakt soll die Information weitergegeben werden. „Ein anderer Weg ist im Corona-Lockdown der Kontakt zu Menschen, für die solche Briefe vielleicht eine Hilfe sein können und die offen für eine besondere Fastenaktion sind“, sagt er. Jetzt hoffen die Organisatoren der Fastenpost-Aktion, dass ihr Angebot weitergesagt wird, damit möglichst viele Interessierte davon erfahren. Dazu haben die Organistoren E-Mail-Informationen und Presse-Mitteilungen versendet und es wurden Plakate und Anmeldekarten gedruckt und verteilt. „In einer Zeit, da alle Tage gleich und eintönig zu werden drohen, ist die Sehnsucht nach Sinn und Struktur für viele Menschen allgegenwärtig. Darum hat die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern trotz aller Entbehrungen, die die Corona-Pandemie uns seit Monaten abverlangt, eine besondere Bedeutung“, so Pfarrer Albrecht Bönisch zu der Idee hinter der Fastenpost. Die Aktion wird vorrangig über Spenden finanziert. Die Fastenbriefe sind illustriert.
Der evangelische Theologe, Maler, Publizist und Kirchenmusiker Andreas Neumann-Nochten hat die Briefe mit einigen seiner Bilder oder Teilen davon, versehen. Zu diesem Bild, das die Szene darstellt, in der Mose mit seinem Stab das Meer teilt, sagt er: „Es fängt den Moment ein, da das gejagte Volk durch das geteilte Meer flieht. Wir sehen hochaufragende Wassermassen, die sich kaum von den darüber aufgetürmten dunklen Wolken absetzen. Tief im Tal, nur skizzenhaft angedeutet, sehen wir den Strom der verängstigten Frauen, Kinder, alten und jungen Männern, die sich alle ihrer Ohnmacht bewusst sind.“ Andreas Neumann-Nochten ist als evangelischer Künstler viel in katholischen Gefilden unterwegs. Seit über zwei Jahren fertigt er Plakate für Kurse des Seelsorgeamtes an und ist unter anderem für das Deutsche Liturgische Institut in Trier tätig. Neumann-Nochten verweist auf seinem Bild dorthin, „wo sich die Horizonte überschneiden. An dieser Stelle wird das Kreuz sichtbar, das Symbol einer anderen, neuen Gotteserfahrung. Sie ist, wie Wolken und Feuersäule, sein Zeichen, das uns zum Aufbruch ruft, seinen ,Ausweg‘ zu wählen, bereit, die Freiheit anzunehmen, die nur Gott zu geben vermag“, sagt er.

Anmeldung muss bis 10. Februar erfolgen
Jeder, der es möchte, kann die Fastenbriefe (für die Adressaten kostenfrei) erhalten – muss sich jedoch bis zum 10. Februar anmelden. Ansonsten – ohne solche Planung – reichen die Briefe nicht oder es werden zuviele von ihnen gedruckt. Wer sich zu einer Teilnahme entschlossen hat, erhält siebenmal einen Brief zu Wochenbeginn. Der wiederum enthält sieben weitere Briefe mit Impulsen für jeden Tag.
Jeder Angemeldete erhält zunächst einen Willkommensbrief mit weiteren nötigen Informationen. Angefordert werden können die Briefe entweder per Telefon über die Nummer 035 81 / 47 82 37, per E-Mail g.kretschmer@bistum-goerlitz.de oder unter www.bistum-goerlitz.de/kursanmeldung.

 

Ausschnitt aus dem Plakat für das Online-Seminar über das Vaterunser, auf dem Bildschirm rechts: Propst Thomas Besch aus Cottbus.

 

Online: Impulse und Gespräche zum Vaterunser
Gabriele Kretschmer nennt die Überlegungen, die zu dieser Aktion „Fastenpost“ geführt haben: „Menschen sehnen sich nach Struktur, nach Sicherheit, nach etwas zum Langhangeln. Die Fastenzeit ist etwas Festes, Sicheres – man braucht sie nur entsprechend gestalten, das bieten wir an. Der tägliche Brief hilft zum Wahrnehmen von Werktagen und Sonntagen, besonders für jene, die im Homeoffice, arbeitslos, in Quarantäne oder altersbedingt an die Wohnung gebunden sind.“ Dabei würden die Teilnehmer eine „virtuelle Verbundenheit und Gemeinschaft bilden: Jeder weiß, mit mir bekommen heute viele Menschen genau diese gleiche Botschaft“, sagt sie. Hinzu kommen: „Vorfreude und Sicherheit jeden Tag einen Brief zu öffnen.“
Für ein weiteres Angebot wird ein Internetzugang und ein Endgerät: Computer oder geeignetes Mobiltelefon, benötigt: An fünf Montagabenden, jeweils von 19.30 bis 21 Uhr, können Interessierte sich näher mit dem Gebet befassen, das Jesus seine Jünger gelehrt hat – dem Vaterunser. Domkapitular Thomas Besch, Propst der Pfarrei Zum Guten Hirten in Cottbus, beginnt diese Online-Seminiare mit einem Impulsvortag. Dabei betrachtet Propst Besch das „Gebet des Herrn“ aus philosophischer und theologischer Sicht. Nach den Vorträgen ist Gelegenheit, darüber zu reden. Diesen Teil des Abends moderiert der Seelsorgeamtsleiter, Ordinariatsrat Markus Kurzweil. Die beiden Priester haben sich bei den Vorbereitungen dazu von Folgendem leiten lassen: Gott hat die Wahrheit nicht unserer Vorstellung anvertraut, sondern unserem lebendigen Leib. Sein Wort ist Fleisch geworden, endlich Fleisch von unserem Fleisch. Er hat sich uns geschenkt als unser Leben. Als Lebendige wissen wir uns eins mit dem Willen des Vaters. Er ist des Lebens Leben. Der Heilige Geist führt uns den Weg, auf dem wir im Leben und durch das Leben Erlösung finden. Das Gebet, das uns Jesus Christus zu beten gelehrt hat, lässt uns diesen Weg besser verstehen. Wir wollen es an den nachstehend genannten Montagabenden in der Fastenzeit betrachten.“

Dies sind die Termine:

  • 22. Februar  – Teil 1/5
  • 01. März      – Teil 2/5
  • 08. März      – Teil 3/5
  • 15. März      – Teil 4/5
  • 22. März      – Teil 5/5

Die Online-Seminare werden über die Plattform Cisco Webex übertragen und auch hierbei ist eine Anmeldung erforderlich, entweder über das Anmeldeformular, per E-Mail: kursanmeldung@bistum-goerlitz.de oder telefonisch über die Nummer: 035 81 / 47 82 37

Jugendliche vermissen die Abendgebete aus Neuhausen
„Die nachfolgenden Angebote in der Fastenzeit richten sich an Jugendliche sowie Familien mit Kindern. Einmal in der Woche werden wir ein Abendgebet aus dem Meditationsraum des Don-Bosco-Hauses in Neuhausen per Video senden/verschicken“. Dies werde vermutlich über die Homepage der Diözesanjugendseelsorge oder den YouTube Kanal und Instagram erfolgen.
Diözesanjugendseelsorgerin Ingrid Schmidt  sagt dazu: „Oft in der letzten Zeit haben wir gehört, dass die Jugendlichen das Abendgebet aus Neuhausen vermissen. Dem wollen wir nachkommen und planen die Fastensonntage in den Blick zu nehmen. Anliegen ist es, auch in diesen Abendgebeten die Mitglieder der neuen Kinder- und Jugendkommission vorzustellen.“ Diese Kommission wird ab März die Jugendseelsorge des Bistums Görlitz leiten.
Für Kinder und Familien wird es eine Handreichung geben, die sich an den vierzehn Kreuzwegstationen orientiert. Kinder mit ihren Eltern werden eingeladen, einmal in der Woche zwei bis drei dieser Stationen miteinander zu beten und zu bedenken. Darüber hinaus sollten diese Stationen danach mit Lego, Playmobil oder anderen Materialien dargestellt und fotografiert werden. Ingrid Schmidt sagt: „Dabei kann man sehr gut in die Rollen der Personen schlüpfen, denen Jesus auf diesem Weg begegnet und darüber ins Gespräch kommen.“ Am Karfreitag, möglichst zur Sterbestunde Jesus, um 15 Uhr, sind die Familien eingeladen, anhand „ihrer“ in der Fastenzeit durch Lego/Playmobil entstandenen Bilder und Szenen, den Kreuzweg zu betrachten und zu beten. „Somit sind diese Familien durch die Fastenzeit, speziell am Karfreitag, mit Christen weltweit im Gebet des Kreuzweges verbunden“, sagt Ingrid Schmidt abschließend.

Von Raphael Schmidt