13.01.2022

Caritas in Leinefelde und Heiligenstadt zieht Bilanz

Team will Brücken bauen

Die Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Caritas in Leinefelde und Heiligenstadt sieht gesellschaftliche Veränderungen positiv. Aus Anlass eines Jubiläums zogen sie eine Bilanz ihrer Arbeit.

Das Team der Beraterinnen erinnerte an 30 Jahre Beratung. Nach der Wende kam die Erziehungsberatung als zusätzliche Aufgabe zur Ehe-, Familien- und Lebensberatung hinzu.    Foto: Christine Bose

 

Seit dreißig Jahren besteht die Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EEFL) der Caritas mit den Beratungsstellen in Leinefelde und Heiligenstadt. Doch hat sich das Team entschlossen, auf ein Fest zu verzichten, und stattdessen gemeinsam Bilanz zu ziehen. Heute arbeiten in der Beratungsstelle Viktoria Köhne, Isabel Benzler-Günther, Judith Stitz und Susanne Wuttke.
Sie erleben bei ihrer Tätigkeit Veränderungen in der Gesellschaft, die vor drei Jahrzehnten kaum möglich gewesen wären. Besorgte Mütter und Väter beklagen den unkritischen und exzessiven Umgang ihrer Kinder mit den elektronischen Medien. Vieles, was den Beraterinnen gegenwärtig nicht nur als Ausnahmeerscheinung begegnet, werten sie als positiv und fassen es unter dem Begriff Enttabuisierung zusammen. Transsexuelle Menschen beispielsweise und jene, die in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben, scheuen sich nicht mehr, den Weg zur Beratungsstelle zu gehen. Auch festigt sich in der Gesellschaft immer mehr die Einsicht, dass es außer dem klassischen Familienmodell Vater-Mutter-Kind noch andere Formen der gemeinsamen Lebensgestaltung gibt. Mädchen und Jungen rufen an oder kommen selbst mit ihren Fragen und Problemen, werden doch Kinder, wie in der Vergangenheit üblich, heute nicht mehr als Objekt der Erziehung, sondern als Subjekt wahrgenommen. Immer geht es dem Team dabei um das Miteinander innerhalb der Familien.

Die täglichen Aufgaben bewältigen
Vor nie gekannten Herausforderungen standen Eltern in der Pandemie, fühlten sich überfordert. Nennenswerte finanzielle Belastungen betrafen viele Familien. Für Eltern galt es die täglichen Aufgaben zu bewältigen: Selbst im Home-Office das Arbeitspen- sum schaffen, Kinder zu Hause betreuen, Schulkinder bei den Hausaufgaben beaufsichtigen. Großer Bedarf besteht bei der Video-Beratung, die sehr gut angenommen wird. Die EEFL-Mitarbeiterinnen können sich auf ihre Netzwerkpartner im Landkreis Eichsfeld verlassen, wofür sie dankbar sind: Einrichtungen und Dienste der Jugendhilfe, die Pfarrgemeinden, Therapeutinnen und Therapeuten.
In der Vergangenheit, konkret seit 1977, gab es in der DDR unter dem Dach der katholischen Kirche die Ehe-, Familien- und Lebensberatung in kirchlichen Räumen. So auch im Eichsfeld, in Trägerschaft des Bischöflichen Amtes. Anfangs berieten Dr. Maria Breuning, Diakon Peter Bluhm und Christoph Kendzia. 1988 wurde Claudia Fiedler – sie hatte ein Diplom zur Ehe-, Familien- und Lebensberatung – vom Bischof beauftragt, gemeinsam mit Diakon Bluhm die Beratung zu übernehmen. Seit der Wende gibt es die staatliche Beratungsstelle unter dem Dach der Caritas. Das Bistum Erfurt, der Freistaat Thüringen und der Landkreis Eichsfeld stellen finanzielle Mittel zur Verfügung; Spenden sind willkommen.

Erziehungsfragen mit in der Beratung
Obwohl die Caritas seit Beginn der Beratungen Ende der 1970er Jahre stets die Erziehungsberatung berücksichtigt hatte, kam sie im Jahr 2001 der Forderung des Landesjugendamtes nach, künftig die Erziehungsberatung offiziell einzubeziehen, dass heißt als Erziehungs-, Ehe-. Familien- und Lebensberatung tätig zu werden. Beraten wird nach wie vor unentgeltlich. Die Mitarbeiterinnen sehen es als ihre Aufgabe an, „Brücken zu bauen“.

Von Christine Bose