13.09.2018

Taufe einer 53-Jährigen

Ein langer, behutsamer Weg

Bärbel Jendral aus Blankenburg hat sich Ostern 2018 taufen lassen. Gemeinsam mit ihrer Patin Regina Reimann erzählt die 53-Jährige, wie es dazu kam und was dabei wichtig war.

Bärbel Jendral wurde in der Osternacht 2018 von Pfarrer Christian Vornewald getauft. Rechts im Bild ihre Patin Regina Reimann. | Foto: privat

 

„Ich bin froh, dass ich diesen Weg zurückgelegt habe und nun Kraft und Freude aus dem Glau-ben schöpfen kann“, sagt Bärbel Jendral. Ostern hat sich die 53-Jährige in der Pfarrgemeinde in Blankenburg im Harz taufen lassen. Bis es dazu kam, vergingen zwölf Jahre.
„Ich hatte ein großes Hoffnungsgefühl in mir. Ich habe schon immer gespürt, dass mich etwas trägt und hält im Leben, von dem ich aber nicht wusste, woher es kam“, erinnert sich Bärbel Jendral. „Bei der Beschäftigung mit der Frage, was mich trägt und führt, fiel mir ein Buch in die Hände, das von Gott erzählt. Damals war mir Gott noch sehr fremd, weil ich in meinem bisherigen Leben nicht mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen war. Die neue Erfahrung war für mich dann erst einmal beängstigend.“
Zu dieser Zeit stieß Jendral auf Regina Reimann. „Ich habe als Kundin Bärbel in ihrem Kosmetikstudio kennengelernt“, erinnert sich die 63-Jährige. „Wir sind von Mal zu Mal mehr ins Gespräch gekommen und schließlich ist zwischen uns eine tiefe Freundschaft gewachsen. Bärbel hat mich viel über den christlichen Glauben gefragt, und ich habe versucht zu antworten.“
Sie habe gewusst, dass man Menschen dort abholen soll, wo sie stehen, damit keine Überforderung entsteht, sagt Reimann. Und so hätten sie sich viel über das Leben und den Glauben ausgetauscht. „Wir sind in allen Gesprächen behutsam vorgegangen“, sagt Reimann, die in einer katholischen Familie aufwuchs und christlich lebt.
 
„Ich habe gelernt, Vertrauen zu wagen“
Über die Jahre hinweg hat Bärbel Jendral so schließlich erfahren, dass Gott und der Glaube das Gegenteil von Druck und Unsicherheit sind. „Ich habe gelernt, Probleme im Gebet abzugeben, und ein großes Stück Vertrauen zu wagen“.
2013 riet Regina Reimann Frau Jendral dann: „Du musst noch andere Christen kennenlernen.“ Im TAG DES HERRN hatte sie vom „Grundkurs christliche Spiritualität“ auf der Huysburg gelesen und fragte Jendral, ob sie Lust hätte, daran teilzunehmen. Zugleich war ihr klar – und das war ihr auch geraten worden – sie nicht allein fahren zu lassen. Als Jendral ihrem Mann erzählte, zu dem Kurs fahren zu wollen, stieß sie „auf harten Widerstand“. „Er hat sich wahnsinnig erschrocken und sich gefragt, was jetzt mit ihr passiert.“ „Als ich dann das erste Mal mit Regina auf der Huysburg war“, so Jendral weiter, „habe ich mich erschrocken. Die barocke Kirche zum Beispiel fand ich sehr befremdlich.“ Frau Reimann ihrerseits erinnert sich, dass sie beim ersten Grundkurs-Treffen mehr auf Bärbel Jendal geachtet hat als auf sich selbst. „Ich empfand Druck; was würde Bärbel mich alles fragen?“
Doch nach und nach fand Frau Jendral den einjährigen Grundkurs, zu dem die unterschiedlichsten Teilnehmer mit ihren Erfahrungen und Auffassungen zusammen waren, immer interessanter. „Es war dann jedes Mal ganz toll für mich.“ Es ging um theoretische Fragen wie den Aufbau der Bibel, um Formen der Spiritualität, um Liturgie, aber insgesamt immer darum, wie der einzelne intensiver aus dem Glauben leben kann. „In mir wuchs die Hoffnung, dass mein Leben erfüllter wird. Es gab Zeiten, da hatte ich das Gefühl, dass ich mit einem Fuß in der alten Welt und mit dem anderen Fuß in der neuen Welt lebe.“
Schließlich suchte Jendral mit Reimann den Kontakt zum Blankenburger Pfarrer Christian Vornewald. „Wir haben darüber gesprochen, was geschehen ist, was Angst macht, wie man das im Glauben anschaut, wie man im Gebet Belastendes ein Stück an Gott abgeben kann“, erzählt Bärbel Jendral. Noch bis vor einem dreiviertel Jahr habe sie sich immer wieder selbst unter Druck gesetzt. „Zum Beispiel wollte ich bestimmte Sätze aus dem Evangelium auswendig lernen.“
Die beiden Frauen und der Pfarrer verbanden das regelmäßige Glaubensgespräch fast immer mit der Teilnahme an der Werktagsmesse und einem gemeinsamen Frühstück. Bei diesen Glaubensgesprächen kam in Jendral schließlich der Wunsch auf: „Ich möchte einmal das Kirchenjahr durchleben.“ Pfarrer Vornewald riet ihr, dies in Absprache und Rücksichtnahme auf ihren Mann möglichst mit dem regelmäßigen Besuch der Sonntagsmesse zu verbinden, was sie dann auch tat. Mehr und mehr wuchs sie so in den Glauben hinein. „Ich habe gemerkt, das mir die Art, christlich zu leben, gut tut, und das sich in mir was bewegt – ich bin mittendrin. Es hat eben eine Weile gedauert, dass es in meinem Herzen angekommen ist, in meiner Seele.“ Schließlich war es dann soweit, dass sie sich taufen lassen wollte. Regina Reimann wurde ihre Patin.
Zu ihrer Taufe in der Osternacht 2018 sind alle Angehörigen gekommen, ihr Mann, ihr Sohn, ihre Tochter, ihr Enkelkind, und haben im Anschluss mit am Osterfeuer gefeiert. „Mein Mann wurde wie mitgetauft“, sagt Jendral. „Es freut mich, dass meine Verwandten und Freunde annehmen, wie ich aus dem Glauben lebe und mich gebe.“
Am Osterfeuer wurde Reimann von Jendrals Freundinnen gefragt, wie sie es geschafft hätte, dass sie jetzt so fröhlich und ausgeglichen ist. Sie sagte darauf: „Das kann man nicht machen und erklären, das passiert, wenn man sich auf diese Weise einlässt und öffnet. An dieser Stelle hat der Heilige Geist sein Werk getan.“
 
Die Katechese geht nach der Taufe weiter
Die Glaubensgespräche zwischen den beiden Frauen und dem Pfarrer gehen noch weiter. „Für die Alte Kirche war die Katechese nach der Taufe wichtiger als die vor der Taufe“, begründet dies Pfarrer Vornewald.
Und wie geht es Bärbel Jendral in ihrer Pfarrgemeinde, seit sie getauft ist? „Ich fühle mich sehr herzlich aufgenommen. Zugleich überfällt mich aber auch niemand. Ich bin glücklich, dass ich hier angekommen bin. Es ist ein ständiges weitergeführt werden.“
 
Von Eckhard Pohl