05.03.2020

Erik Venhorst inventarisiert das Kunstgut im Erzbistum Berlin

Auf Schatzsuche

In Schränken und auf Dachböden kann man interessante Funde machen. Mehr noch als für Privathaushalte gilt dies für Kirchen und Kapellen. Erik Venhorst inventarisiert das Kunstgut im Erzbistum Berlin.

Ein besonderes Weihrauchfass haben (v.l.) der Kunstbeauftragte Erik Venhorst, Küster und Kirchenvorstandsmitglied Sebastian Fiechter und Pfarrer Carl-Heinz Merz gefunden: Altargerät im expressionistischen Stil wurde nur über eine kurze Zeitspanne gefertigt.    Fotos: Cornelia Klaebe

 

Die Kirche St. Michael in Wannsee packt ihre Schätze aus: Eine große Monstranz steht auf dem Schrank in der Sakristei, an der Garderobe hängen Messgewänder und Alben, durch die offene Tür eines Oberschranks sieht man große Kerzenleuchter. Natürlich sieht es hier nicht immer so aus. Aber heute ist Erik Venhorst da. 
 

Ziel: Gottesdienstorte in sieben Jahren erfassen
Venhorst ist seit zwei Jahren Kunstbeauftragter des Erzbistums. Mit zwei Teams von je zwei freiberuflichen Mitarbeitern – „versierte Kunsthistoriker katholischen Glaubens“, wie Venhorst betont – hat er sich nun an die Inventarisation des Kunst- und Kulturgutes im Erzbistum gemacht. Ziel ist, innerhalb von etwa sieben Jahren alle gottesdienstlichen Standorte komplett neu zu erfassen. Dabei stützen sie sich auf die bereits von Venhorsts Vorgängerin Christine Goetz erstellten Inventarlisten, nehmen Zu- und Abgänge auf, ersetzen Schwarzweißaufnahmen durch Farbfotos, ergänzen Detailaufnahmen und erfassen Maße, die damals nicht aufgeschrieben wurden. „Die Art, wie man inventarisiert, hat sich verändert“, sagt Venhorst. „Ich versuche heute, die Kirche als Ensemble zu erfassen. Selbst wenn Teile dazugekommen sind, sind sie Teil des Zeitgeschmacks.“
Die Erfassung geht beim Kirchbau selbst los und hört bei Altar, Tabernakel und Sedilien noch längst nicht auf. Auch die Orgel, die Glocken, Kerzenleuchter, das Altargerät, die liturgische Kleidung gehören dazu, je nach kunsthistorischer Bedeutung. Was Venhorst und seine Kollegen allerdings nicht machen, ist den finanziellen Wert von Gegenständen zu beziffern.
In St. Michael freut man sich über Venhorsts Besuch. „Ich finde das wunderbar!“, sagt Pfarrer Carl-Heinz Merz. „Auf die Weise weiß die Gemeinde, was sie hier für Kunstschätze hat.“ So habe man 1997 nach dem Besuch von Christine Goetz die original zur Kirche gehörenden Altarleuchter wieder aufgestellt. In der Kirche in Wannsee hat sich in dem Vierteljahrhundert seit der ersten Inventarisation einiges getan: Es tauchte in einer Holzkiste ein Altarstein auf, in einem Schrank das original expressionistische Weihrauchfass. Diese Gegenstände begutachtet Venhorst, überprüft ihren Zustand, nimmt sie in die Liste auf und erfasst sie später in einer Datenbank. Die Gemeinde wird dann seine Fotos erhalten  – das ist auch im Fall von Diebstählen wichtig – und eine Liste ihres Kunstinventars.
Auf die Frage des Küsters, der wissen möchte, ob man nicht den Holzkreuzweg vielleicht komplett mit Blattgold belegen könne, weiß er: „Das würde Probleme mit dem Denkmalschutz geben.“ Ein echtes Anliegen ist Erik Venhorst die Beratung vor Ort: Wie kann man alte Paramente richtig lagern, einen Kelch pflegen, ein Bild restaurieren? All diese Fragen dürfen und sollen bei der Gelegenheit der Inventarisierung und darüber hinaus angesprochen werden.

Rückseite eines 2018 in St. Michael wiedergefundenen Altarsteins, auf den in früheren Zeiten die eucharistischen Gaben gestellt wurden: In seinem Innern sind Reliquien eingeschlossen.

 

„Aufräumaktionen sind gefährlich“
Nicht nur deshalb sollte zumindest zeitweise jemand vor Ort sein, der sich in der Kirche gut auskennt – derjenige kann den Teams vielleicht auch noch sagen, in welchem Schrank doch noch ein Leuchter steht oder weiß von einem Dachboden, auf dem sich Spolien finden – Bauteile wie Reste von Kanzeln, Kommunionschranken und Hochaltären.
Generell warnt Venhorst: „Aufräumarbeiten sind gefährlich!“ Schließlich seien bei Entrümpelungsaktionen schon manche unscheinbaren, aber wertvollen Gegenstände einfach auf dem Müll gelandet, wie etwa originale Kelch-Etuis. „Um das zu verhindern, sind die Gemeinden angehalten, wenn sie etwas aussortieren, mich vorher zu fragen“, erinnert der Kunstsachverständige.

Von Cornelia Klaebe