16.09.2021

Pastoraltag im Erfurter Steigerwaldstadion

Von Jesus erzählen

Ohne Ehrenamt geht es nicht. Das Bistum hatte zu einem Pastoraltag ins Steigerwaldstadion eingeladen, bei dem zum Engagement ermutigt wurde. Impulse gab der Schweizer Benediktiner Martin Werlen.

Podiumsgespräch zum Abschluss: Bischof Ulrich Neymeyr, Caritasdirektorin Monika Funk, Markus Wetter vom BDKJ, Moderatorin Eva Ullmann, Gundela Otto vom Katholikenrat und die Leiterin des Seelsorgeamtes Anne Rademacher (von links).    Fotos: Holger Jakobi

 

„Erzählen wir uns gegenseitig von unseren Erfahrungen und Begegnungen mit Jesus, mit Gott“, betonte der Schweizer Benediktiner-Pater Martin Werlen, der zum Pastoraltag in den Parksaal des Erfurter Steigerwaldstadions zugeschaltet war. Werlen hielt das zentrale geistliche Wort des Tages. Er wies darauf hin, dass das Judentum und das Christentum „Erzählreligionen“ sind. Der Glaube werde in der Erzählung weitergetragen. Weiter regte Werlen seine Zuhörern an, auf die Stimme Gottes tagtäglich zu achten. Sie könne deutlich sein wie die Stimme aus dem Dornbusch. Oder ganz leise, wie der Hauch des Windes. Martin Werlen hat es sich zur Praxis gemacht, am Abend drei dieser Gotteserfahrungen ins Gebet zu nehmen und Danke dafür zu sagen. Wobei die Gotteserfahrung sehr oft aus der Begegnung, dem Mitgefühl und aus einer helfenden Handlung bestehen können.
An die 150 katholischen Christen waren der Einladung des Bistums am 4. September gefolgt. Thematisch ging es an diesem Tag um das Ehrenamt – dessen Stärkung und Möglichkeiten. Er stand unter dem Thema „,Nicht ohne Dich!‘ oder auch ,Nichts ohne Dich!‘“ „Wenn dies in der Kirche viel öfter gesagt und vor allem danach gehandelt würde, dann könnte sich etwas verändern“, betonte Anne Rademacher, die Leiterin des Seelsorgeamtes, im Vorfeld. Der Untertitel „Ein Pastoraltag zum Zusammenwirken der Getauften und Gefirmten“ verwies auf die Zusammenarbeit zwischen haupt- und ehrenamtlich Tätigen. Wie viel – auch ungenutztes – Potenzial ist vorhanden? Welche Möglichkeiten gibt es?
Das zum Ehrenamt Humor gehört machte die Moderatorin des Tages, Eva Ullmann aus Leipzig, deutlich. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Humortrainerin, Autorin und Rednerin. In Leipzig gründete Ullmann das Deutsche Institut für Humor. Von hier aus ist sie im deutschsprachigen Raum zu Vorträgen und Trainings in Institutionen und Unternehmen unterwegs. So an diesem Tag in Erfurt.

 

Pater Martin Werlen OSB wurde zugeschaltet.


Eva Ullmann fragte: „Wie steht es mit Ihrem Humor? Wann und worüber haben Sie zuletzt lachen können?“ Lachen könne sarkastisch und zynisch sein, doch dies sei nicht der Humor, der weiterbringt. Humor könne vielmehr Distanz schaffen, Distanz zum eigenen Ich, Distanz zum Problem. Humor finde sich auch in der Bibel. Diesen müsse man entdecken oder „trauen wir Gott nicht zu, sich selbst auf die Schippe zu nehmen?“ Eva Ullmann gab weiter den Rat, in schwierigen Momenten und in dunklen Stunden die eigene Dosis Humor zu erhöhen.
Neben den inhaltlichen Punkten gab es eine Reihe von Möglichkeiten, sich über die Ehren- ämter zu informieren. So bei der Telefonseelsorge, der Caritas oder den Maltesern. Leider war das Programm so dicht, dass wenig Zeit blieb, die Stände zu besuchen.
Zum Abschluss gab es ein Podium. Bischof Ulrich Neymeyr sprach sich dabei für eine Beauftragung des Ehrenamtlichen aus, die auf Pfarreiebene der Pfarrer erteilen kann. „Die Beauftragung zeigt, ich bin für diesen Bereich verantwortlich.“ Mit Blick auf die größeren Pfarreien und die weniger werdenden Priester, so Bischof Neymeyr, brauche es die getauften und gefirmten Christen, um Kirche lebendig zu gestalten, bis hin zur Leitung der Gemeinden. Diözesan-Caritasdirektorin Monika Funk sagte, dass es jetzt und in der Zukunft darauf ankomme, innovative Projekte zu entwickeln, in denen sich interessierte Menschen engagieren können. „Es geht um gute Angebote, in den sich die Leute punktuell beteiligen. Darin sehe ich eine große Chance.“ So könne die Caritas auch sehr viele Menschen erreichen, die nicht zur Kirche gehören.

Von Holger Jakobi