01.12.2022

Erfurter Arbeitsgruppe „Laudato si‘“ ermutigt zur Bewahrung der Schöpfung

„Noch besser werden!“

Der Leiter der Arbeitsgruppe „Laudato si‘“ des Katholikenrates, Christoph Arenhövel, ermutigt jeden Einzelnen und die Gemeinden, mehr für die Bewahrung der Schöpfung zu tun. Dazu gibt er konkrete Anregungen.

Die AG „Laudato si‘“ des Katholikenrates wirbt seit einigen Jahren dafür, in den Gemeinden jedes Jahr einen Tag der Schöpfung zu begehen. Am 23. September fand in Weimar zum wiederholten Mal ein ökumenischer Schöpfungsgottesdienst statt.    Foto: Chritoph  Arenhövel

 

„Mit hat gut gefallen, dass die Religiöse Kinderwoche in diesem Jahr die Mädchen und Jungen an Fragen der Bewahrung der Schöpfung herangeführt hat“, sagt Christoph Arenhövel. „Ähnliches kann ich mir gut in anderen Gruppen etwa mit Erstkommunionkindern, Jugendlichen, bei Pfadfindern, in Familienkreisen vorstellen“, betont der Leiter der Arbeitsgruppe „Laudato si‘“ (AG) des Katholikenrates des Bistums. Hilfe dabei könne die Broschüre „Gottes gute Schöpfung feiern und bewahren – Empfehlungen des Katholikenrates …“ bieten, die die fünfköpfige AG erstellt hat und die auf der Bistums-Homepage www.bistum-erfurt.de unter „Bildung, Kultur & Engagement“ zu finden ist. Unter den darin zusammengestellten Handlungsempfehlungen fänden sich auch Anregungen zu Fragen der Umweltbildung für Kinder und Erwachsene.
Zwar sei „schon so manches im Blick auf die Schöpfungsbewahrung im Bistum in Bewegung gekommen. Aber wir müssen noch besser werden“,  fährt Arenhövel fort. Denn „Gottes Schöpfung zu bewahren, ist für uns Christen eine ganz wesentliche Aufgabe“, selbst wenn es damit schon sehr spät sei und sich die Weltgemeinschaft mit notwendigen Maßnahmen schwer tut. „Dennoch müssen wir Hoffnung vermitteln, dass wir die Klimaschäden noch begrenzen können“, so der promovierte Biologe.
„Ich war 2015 von der Papst-Enzyklika ,Laudato si‘‘ begeistert und bin es bis heute“, sagt Arenhövel weiter. 2016 haben wir dann im Katholikenrat die Arbeitsgruppe „Laudato si‘“ gegründet. Seitdem lade die AG zum Beispiel dazu ein, jedes Jahr in den Gemeinden einen ökumenischen Schöpfungsgottesdienst zu feiern. Dafür gebe es gute Vorlagen. In seiner Heimatstadt Weimar werde dies seit 2017 jährlich praktiziert.
Als vor zwei Jahren das Seelsorgeamt die Projektgruppe „öko+fair vor Ort“ ins Leben rief, habe sich der Katholikenrat bereit erklärt, mitzuwirken, sagt Arenhövel. Seitdem arbeite er in der von Annegret Rhode geleiteten Gruppe mit. Das Projekt wurde im Juni 2021 eröffnet (Tag des Herrn berichtete). „Ziel ist es, die aktive Bewahrung der Schöpfung in die Gemeinden, Verbände und Einrichtungen zu tragen.“
„Machen Sie mit bei der ökologischen Umkehr, zu der Papst Franziskus aufruft“, heißt es dazu auf der Bistums-Homepage. „Gestalten Sie Ihren Kirchort nach ökologischen und fairen Kriterien und setzen Sie mit der Auszeichnung ,öko&fair vor Ort‘ ein deutliches Zeichen!“

Ökologische und faire und soziale Kriterien
Die Projektgruppe habe bereits in mehreren Kirchorten, bei kirchlichen Verbänden und Institutionen Informationsveranstaltungen durchgeführt. „Bis es aber in den Gremien zum Beschluss konkreter Maßnahmen und dann zur praktischen Umsetzung kommt, ist es ein weiter Weg.“ Es brauche auch ein paar Leute in der Gemeinde, die mitziehen. Aus sechs ökologischen und sechs fairen und beziehungsweise sozialen Kriterien sollen die Kirchorte und Einrichtungen bei dem Projekt je drei auswählen und sie umsetzen. Dafür gilt es eine Selbstverpflichtungserklärung abzugeben. Wo diese eingehalten wird, kann die Auszeichnung „öko&fair vor Ort“ erfolgen. Mindestens vier Projektpartner hätten eine Selbstverpflichtung unterschrieben, drei weitere wollen es nach Angaben von Arenhövel bald tun. Er hoffe, das weitere folgen.

Christoph Arenhövel mit den Empfehlungen des Katholikenrates für nachhaltiges, ökologisches und faires Handeln.    Foto: Eckhard Pohl

Arenhövel, der 24 Jahre lang die Naturschutzbehörde der Stadt Weimar geleitet hat, liegt besonders das Thema „Biodiversität“ am Herzen. Es werden allerorts viele Zugeständnisse zum Nachteil der Artenvielfalt gemacht“, sagt Arenhövel. „Deshalb arbeite ich als Vertreter unseres Bistums bei der Fortschreibung der Biodiversitätsstrategie des Freistaates Thüringen mit.“ Wichtiges Feld für den Erhalt der Artenvielfalt sei die Landwirtschaft. Auch die Kirche sei auf dem ihr gehörenden Ackerland in puncto ökologischer Landbau gefordert. In dieser Hinsicht wolle die AG bei der Bistumsleitung darauf hinwirken, dass künftige Pachtverträge stärker nach ökologischen Kriterien ausgestaltet werden, sagt Arenhövel. „Ziel ist es, die Enzyklika ein Stück praktisch umzusetzen, mehr für den Schutz der Umwelt und für den Erhalt der Artenvielfalt zu tun.“ In Bistümern Süddeutschlands gebe es unter dem Motto „Fairpachten von Kirchenland“ Pachtverträge, nach denen kein gentechnisch verändertes Saatgut verwendet und kein Klärschlamm als Dünger eingesetzt werden darf. Zudem seien zehn Prozent des Kirchenlandes als Blühstreifen anzulegen.

Mehr für die Artenvielfalt tun
Hoffnungsvolle Ansätze gebe es auch hierzulande, sagt Arenhövel. So habe sich die Pfarrei Weimar bereit erklät, eine Blühpatenschaft auf einer Flur bei Mellingen zu übernehmen. Wichtig sei auch, viele blühende Sträucher, Stauden und Obstbäume anzupflanzen. Denn inzwischen gebe es rund 60 Prozent weniger Insekten (Insektenmasse) und viele Tierarten seien vom Aussterben bedroht. In Weimar habe man deshalb zum Beispiel am Gemeindezentrum „Otto-Neururer-Haus“ eine Nisthilfe für Mauersegler angebracht.
„Wo Gemeinden die Möglichkeit haben, sollten sie ein Stück ihres Geländes der natürlichen Wildnis überlassen. Bienen, Hummeln und andere Tiere sind dafür dankbar.“ So stehen im Pfarrgarten von Herz Jesu in Weimar Bienenkästen und es können jedes Jahr etliche Gläser Honig „Die fromme Süße“ abgefüllt werden. Wichtig sei es natürlich auch, Fairtrade-Produkte zu nutzen, Energie einzusparen und vieles mehr.
„Es muss im Bistum weitergehen“, sagt Arenhövel. „Wir können nicht bei den bisherigen Bemühungen stehen bleiben. Das reicht nicht, wenn wir unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt überlassen wollen.“

Mehr: www.bistum-erfurt.de

Weitere Infos bieten Arbeitshilfen wie „Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag. Handlungsempfehlungen …“ (2018) oder „Vom Wert der Vielfalt – Biodiversität …“ (2021) – erhältlich unter anderem auf www.dbk-shop.de

Von Eckhard Pohl