16.12.2021

Begrüßungsteam der Berliner Rosenkranz-Basilika

Für sichere Gottesdienste

Überall bemühen sich Gemeinden darum, dass Gottesdienste weiter möglich sind. Auch in der Berliner Rosenkranz-Basilika hat sich ein Begrüßungsteam zusammengefunden, das sich um die Kontrolle am Eingang kümmert.

Martin Hannig und Hildegard Höllen erproben die Anmeldung am Eingang.    Fotos: Andrea von Fournier

 

„Kontrolletti“ – was für ein seltsames Wort! Nein, Kontrolleure, die sich selbst zu wichtig nehmen, seien sie wirklich nicht und würden von den Kirchenbesuchern auch nicht als solche wahrgenommen. Hildegard Höllen sagt es vehement und fügt hinzu, dass sich im Gegenteil viele überraschende, positive Aspekte im Verlauf der Pandemie gezeigt hätten. Seit 2018 war die Berliner Katholikin in einem 18-köpfigen Kirchdienst-Team tätig, das sich um Ordnung und Kollekte in der Rosenkranz-Basilika in Steglitz kümmerte. Das Team sorgt nun dafür, dass die Corona-Vorschriften in der Kirche umgesetzt und Gottesdienste somit weiterhin gefeiert werden können.

Kirchendienst-Team verstärkt sich
Als Corona im Frühjahr 2020 ausgebrochen war, sah Kirchenvorstandsmitglied Martin Hannig schnell, dass die Christen handeln müssten, wenn weiterhin Veranstaltungen möglich sein sollten. Er beriet sich mit dem zuständigen Pfarrer Andrej Desczyk und entwarf ein Hygienekonzept. Es basiert bis heute auf den jeweils geltenden staatlichen Vorgaben und Empfehlungen und denen des Generalvikars und wurde vom Kirchenvorstand beschlossen.
So avancierte er unfreiwillig zum „Hygienebeauftragten“ der Pfarrei und begleitet die Verfahren, Mitarbeiter und Besucher seitdem auf diesem zurzeit wichtigen Gebiet.
Schnell wurde klar, dass Zählung und Dokumentation der Besucher sowie die Kontrolle der Abstandsregeln in der Kirche nicht von einer Handvoll Ehrenamtlicher geleistet werden können. Früher gab es keine Geimpften, die kontrolliert werden mussten. Hildegard Höllen kam die Idee, das Kirchdienst-Team einzuspannen. Doch sieben Frauen und acht Männer der damaligen Gruppe gehörten der „Hochrisikogruppe 65 plus“ an. „Die konnten wir durch die neuen Aufgaben nicht zusätzlich gefährden“, erinnert sie sich. Nur drei Teammitglieder blieben übrig.
Also schrieb sie einen Rundbrief an alle Gemeindegruppen und bat um Mithilfe. Und sprach regelmäßige Messebesucher an.  Aus der Familienarbeit stießen fünf Personen ins neue Team, zwei aus dem Chor. Auch aus der angeschlossenen Kita kam Verstärkung, genauso wie von Hauptamtlichen aus der Pfarrei. Die neue Gruppe, die „Begrüßungsteam“ heißt und deren Zusammensetzung sich immer mal verändert, hatte 2020 auf Anhieb 22 Mitstreiter. Die Männer und Frauen waren Gottesdienstbeauftragte, Lektoren, arbeiteten im Kirchenvorstand, im Blumendienst oder früher als Ministranten. „Wie schnell wir von drei auf 22 gekommen sind, hat mich tief beeindruckt“, sagt Hildegard Höllen. Sie erarbeitete Einsatzpläne und ein Umsetzungskonzept, das alle Helfer in die Hand bekamen.
Damit man sich kennenlernen und der Aufgabe auch die angemessene Bedeutung zuweisen konnte, wurde eine Fortbildung unter Moderation von Philipp Plog organisiert, die allen viel gegeben hat. „Kommunikationstraining und der Umgang mit dem Gegenüber in schwierigen Situationen waren sehr erhellend“, sagt Martin Hannig. Er passt bis heute das Hygiene- und Infektionsschutzkonzept der Pfarrei neuesten Vorgaben von Bund, Senatsverwaltung und Generalvikar an. Nicht, ohne über den Tellerrand zu anderen Gemeinden zu schauen und Hilfreiches zu nutzen.

„Nicht streng, sondern vorsichtig“
Inzwischen ist es so, dass auch Besucher aus anderen Kirchen zu den werktäglichen Messen begrüßt werden können. „Sagte anfangs mancher: ,Ihr seid streng‘“, sagten wir: ,Wir sind vorsichtig!‘“, so Martin Hannig. Und dass manche genau deshalb kämen, weil es ihnen hier sicherer erscheine. Noch 2020 hätte er nie geglaubt, dass „3G“ für die Kirche ein Modell sei. „Nicht nur die Situation hat sich entwickelt, verändert, auch wir passen uns der Lebenswirklichkeit an“.

Menschen ohne Smartphone finden Vordrucke für die Teilnahme am Eingang.


Mit den neuen Vorgaben zur Kontrolle des Impfstatus und der Dokumentation der Nachverfolgbarkeit haben Gemeindemitglieder durchaus Probleme. Diskussionen gibt es, doch als Schikane wird der Einlassdienst an der Tür nicht empfunden. Manche kämen nicht mehr, weil sie nicht erfasst werden wollten. Ob es einem später nicht auf die Füße fallen könnte,  wenn diese Menschen nun den „gottesdienstfreien Sonntag“ genießen? „Dann müssen wir neue, niederschwellige Formate schaffen, um sie wieder in unsere Mitte zu holen“, sagt Martin Hannig.
In der Pfarrei wurden 2020/21 viele neue Dinge ausprobiert, um die Gläubigen trotz Corona zu erreichen: Offene Kirche, Stille Anbetung donnerstags, einen Lichtergarten zu Weihnachten und Ostern. Da erreicht man auch ganz andere Gruppen, Religionen oder kirchenferne Menschen. „Unseren Helfern macht die Arbeit Freude. Wichtige Kommunikation, neue Leute kennenlernen, Auskünfte verschiedenster Art zu geben gehört dazu“, sagt Hildegard Höllen. Wer regelmäßig in die Kirche kommt und geimpft ist, hat eine nummerierte Gemeindekarte, die dem Einlassdienst die Arbeit erleichtert.
Die Abstände auf längst markierten Plätzen werden eingehalten, die Impfpass-Kontrolle flutscht und heute hat Hildegard Höllen Zeit, eine neue, die 23. Mitstreiterin im Team, am Kircheingang anzuleiten.

Von Andrea von Fournier