03.07.2020

Eichsfeld-Forum: Ursache und Wirkung der Pestpandemien

Krankheiten kamen mit der Sesshaftigkeit

Das Katholische Forum hatte im Zuge der Corona-Lockerungen erstmals wieder zu einem Abend in der Reihe Eichsfeld-Forum eingeladen. Das Thema waren Ursache und Wirkung der Pestpandemien.

Der gebürtige Eichsfelder Johannes Krause beim Vortrag.    Foto: Christine Bose

 

Der „Schwarze Tod“ wütete – und die Menschen im 14. Jahrhundert suchten verzweifelt nach Erklärungen für diese schreckliche Pest-Pandemie, der zwischen 1347 und 1351 bis zu 50 Prozent der Bevölkerung Europas zum Opfer fiel. Aberglaube griff um sich. Geschichtsschreiber haben die Ereignisse in den verschiedenen Pest-Pandemien der Menschheitsgesichte festgehalten. Der Ursprung der Pest, einer Infektionskrankheit, liegt in der späten Jungsteinzeit, dem Neolithikum. Als Überträger der Pesterreger gelten Flöhe. Der Referent des Eichsfeldforums befasst sich als international bekannter Biochemiker und Genetiker in seinen Forschungsarbeiten auch mit den Infektionskrankheiten. Professor Dr. Johannes Krause sprach zum Thema „Die genetische Geschichte der Pest: Von der Steinzeit bis heute“.
Zu seinen Wirkungsstätten gehören die Universität Leipzig, das Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Universität Tübingen, das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie Leipzig. Nur fünf Minuten vor Beginn der Veranstaltung war er informiert worden, dass er für seine Forschungstätigkeit den Frassetto-Preis erhält. Niklas Wagner, Leiter des Katholischen Forums im Land Thüringen – Akademie des Bistums Erfurt, nannte den Abend im Marcel-Callo-Haus eine Premiere unter neuen Bedingungen. Als der Professor sein Kommen zugesagt hatte, gab es die Corona-Virus-Erkrankung COVID-19 mit den Auswirkungen auf das gesamte öffentliche Leben noch nicht. Dieses Forum fand deshalb unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen statt, mit begrenzter Besucherzahl. Angesichts der aktuellen Situation unterstrich Prof. Dr. Krause im Hinblick auf die Anhänger von Verschwörungstheorien und auf Demonstrierende gegen staatlich angeordnete Vorsichtsmaßnahmen: „Wir stehen in Deutschland international gesehen extrem gut da!“ Er erläuterte den Inhalt des Begriffs „Quarantäne“. Das Wort aus dem Italienischen und dem Französischen bedeutet vierzig Tage. So lange hatten in vergangenen Jahrhunderten Schiffe, die von hoher See, aus anderen Ländern kamen, vor einer Hafenstadt zu warten. Vor Ablauf dieser Frist durfte die Besatzung nicht an Land gehen, um die Bewohner der Hafenstädte vor eventuell auf dem Schiff aufgetretenen ansteckenden Krankheiten zu schützen.
Zur Geschichte der Infektionskrankheiten führte der Wissenschaftler an: Ausbreiten konnten sie sich nicht, solange die Menschen in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler unterwegs waren. Als sie sesshaft wurden, Ackerbau betrieben und ursprünglich wild lebende Tiere als Haustiere hielten, wurden bei Tieren vorkommende Krankheiten auf den Menschen übertragen. Am Ende des Bildungsabends wollten viele Besucher gern auch der persönlichen Bekanntschaft wegen mit dem Referenten sprechen. Prof. Dr. Krause, 1980 in Leinefelde geboren, freute sich, wieder einmal in seiner Heimat, dem Eichsfeld, zu Gast zu sein.

Von Christine Bose