28.01.2021

Ehevorbereitung im Erzbistum Berlin

Lebenslang mit Gottes Segen

Paare können sich im Erzbistum neuerdings auch online und in englischer Sprache auf ihren Ehebund vorbereiten. Familienreferentin Bettina Schade erzählt gemeinsam mit einem Ehepaar aus dem Berliner Ehevorbereitungs-Team, was sich in der Ehevorbereitung bewährt und was sich verändert hat.

Ehevorbereitungskurs vom heimischen Computer aus - im Lockdown schuf das Familienreferat des Erzbistums diese Möglichkeit.    Foto: imago images

 

Die Ehevorbereitung im Erzbistum Berlin steht gewissermaßen auf zwei Beinen: Zum einen geschieht sie in der Pfarrei: Ein Priester oder Diakon führt das Eheprotokoll-Gespräch mit dem Paar und unterstützt es auf vielfältige Weise in der Vorbereitung der kirchlichen Trauung. Zusätzlich gibt es das Angebot von Ehevorbereitungsseminaren, organisiert durch das Familienreferat im Erzbistum. Manche Pfarrer legen es Paaren nahe, an diesen Kursen teilzunehmen, wie sie auch geistliche Gemeinschaften, einzelne Gemeinden und pastorale Räume oder eben das Familienreferat anbieten. Oft werden Paare auch von befreundeten ehemaligen Teilnehmern zu einer Anmeldung motiviert.
„Die Paare schätzen unser Angebot. Auch wer zunächst mit Vorbehalten kommt, ist am Ende oft dankbar, sich diese gemeinsame Auszeit gegönnt zu haben“, sagt Bettina Schade, die gemeinsam mit ihrem Mann seit fünfzehn Jahren zum Referenten-Team gehört. Seit fast zwei Jahren koordiniert sie das Kursangebot, das aus ganztägigen sowie auf zwei Abende erstreckten Veranstaltungen besteht, meistens im Tagungszentrum der Katholischen Akademie.

Für viele die erste Begegnung mit Kirche
Das Kursprogramm ist abwechslungsreich: Es gibt Informationen, etwa über das christliche Ehe-Verständnis, die Ehe als Sakrament oder die Bedeutung einer katholischen Heirat, wenn nur ein Partner katholisch ist. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen der Paare. Ganz alltagsnah und durch kleine praktische Übungen aufgelockert wird es bei den Themen Kommunikation und Umgang mit Konflikten. Dabei bekommen die Kursteilnehmer auch Hinweise auf weiterführende Angebote des Erzbistums, zum Beispiel die Kommunikationstrainings EPL und KEK. Als besonders wertvoll empfinden viele den Austausch mit anderen Paaren, der nicht nur während der Seminareinheiten, sondern auch in den Pausen geschieht.
 „Es tut ihnen gut zu erleben, dass sie nicht die einzigen sind“, hat Bettina Schade beobachtet. Im Bekanntenkreis stießen Paare, die sich für eine Ehe entscheiden, oft eher auf Befremden als auf Rückhalt: „Was, ihr wollt heutzutage tatsächlich noch heiraten?“, werden sie gefragt, „und noch dazu katholisch?“ Ein großer Anteil der Heiratswilligen im Erzbistum habe lange nicht mehr oder noch nie Kontakt zur katholischen Kirche gehabt. In Bettina Schades Augen ist das eine besondere Chance, etwas vom Geist Jesu zum Ausdruck zu bringen, niemanden vor den Kopf zu stoßen, sondern einladend zu sein, jedes Paar mit seiner eigenen Geschichte wertzuschätzen. Auch Paare, die nicht eng mit der Kirche verbunden seien, hofften auf den Segen Gottes als eine besondere Kraft für ihre Beziehung. Dass sie ihr Ziel, ihre Liebe lebenslang lebendig zu halten, allein aus eigener Kraft nicht erreichen können, sei vielen bewusst.

 

Uta und Marius Scheiner haben 23 Jahre lang Ehe-Vorbereitungskurse geleitet.    Foto: Privat

„Die katholische Kirche ist ja viel offener als wir dachten“, hören Uta und Marius Scheiner häufig von Paaren, die sie durch den Vorbereitungskurs begleiten. Als die damalige Familienreferentin Ute Eberl sie vor 23 Jahren für das Ehevorbereitungs-Team gewann, hatte sie nicht nach katholischen Musterfamilien Ausschau gehalten. Es war ihr ein Anliegen, die Vielfalt gelebter Partnerschaft auch im Team abzubilden.
Mit dem jung verheirateten Ehepaar Scheiner, das mit ihrem ersten Kind in die Ehe gestartet war, stieß auch ein konfessionsverbindendes Paar zu den Referenten und ein Paar, das aus beruflichen Gründen eine Wochenendbeziehung führte. Uta und Marius Scheiner empfinden das Engagement in der Ehevorbereitung als große Bereicherung für die eigene Beziehung: Immer wieder zehn, elf verliebten Paaren zu begegnen, die so hoffnungsvoll auf ihr gemeinsames Leben schauen, sei „wie ein Jungbrunnen“ für ihre eigene Ehe gewesen, sagen sie. „Es war auch eine Verpflichtung, an unserer eigenen Beziehung dran zu bleiben“, erzählt Uta Scheiner. „Bevor wir zu einem Kurs fuhren, hatten wir das Bedürfnis, unsere eigenen Streitigkeiten beizulegen, die vielleicht noch in der Luft lagen.“ Die Kurse waren auch ein „gemeinsames Hobby“, ergänzt ihr Mann. Eine Beziehung bleibe ja nur lebendig, wenn man gemeinsame Interessen pflege.
Spannend fand er es, die kulturelle und religiöse Vielfalt zu erleben, die ihnen in den Kursen begegnet ist. Gerade als ihre Kinder klein waren, seien die Kurs-Samstage eine willkommene Auszeit aus dem Alltag gewesen. Auch die Teilnehmer wüssten den Kurs als Zeit des Innehaltens zu schätzen. Gestresst von den Hochzeitsvorbereitungen tue es ihnen gut, einmal über sich als Paar nachzudenken.

Hochzeiten werden immer aufwendiger
Dass Hochzeitsfeiern immer aufwendiger gestaltet werden, nehmen Scheiners ebenso wie Bettina Schade als eine augenfällige Veränderung der letzten Jahre wahr. Wer besonders festlich heiraten möchte, findet neben der Kirche heute zahlreiche andere Anbieter. Die Entscheidung für eine katholische Heirat fällt deshalb heute oft bewusster als noch vor Jahren.

Familienreferentin Bettina Schade    Foto: Erzbistm Berlin

Eine weitere Wandlung, die in den Vorbereitungskursen zu spüren ist: Eine wachsende Zahl von Paaren hat sich über Online-Datingportale kennengelernt. Und: die kulturelle Vielfalt steigt, jedenfalls in der Stadt Berlin. Mit dem neuen englischsprachigen Angebot stellt sich das Familienreferat darauf ein. Zwar gibt es bereits ein Kursangebot der englischsprachigen katholischen Mission, die wende sich jedoch vorrangig an Paare aus englischsprachigen Ländern. „Zu unseren Kursen melden sich eher die binationalen Paare an, die sich auf Englisch verständigen, auch wenn es für beide Partner eine Fremdsprache ist“, erzählt Bettina Schade.
So sehr dem Ehepaar Scheiner die Ehevorbereitung am Herzen liegt, ziehen sie sich nun doch aus dieser Honorartätigkeit zurück: „Wir haben von Anfang an gesagt: Wenn unsere Kinder selbst ins Heirats-Alter kommen, wollen wir aufhören!“ Der Altersabstand  zu den Paaren wachse, damit schwinde gleichzeitig die Nähe zu ihrer Lebenswirklichkeit.
Sie hoffen, dass sich junge Paare für die Aufgabe begeistern lassen. Bettina Schade wünscht sich  dafür Eheleute, die das Sakrament der Ehe als Schatz für ihr Leben entdeckt haben und die ein weites Herz für Menschen aus unterschiedlichen Kulturen mitbringen und Respekt gegenüber Menschen, die nicht mit der Kirche verbunden sind.
Uta und Marius Scheiner erfahren nur in Ausnahmefällen, wie das Leben ihrer Kursteilnehmer weitergegangen ist. Manche haben sie trotzdem im Herzen behalten – wie zum Beispiel das polnisch-iranische Paar, das an einem Wochenendseminar teilgenommen hat. Als einige Paare sich gegenseitig fotografierten, bekam die junge Iranerin Angst: Ein Bild, auf dem sie bei einer Veranstaltung der katholischen Kirche zu erkennen sei, könnte ihre Familie in der Heimat in massive Schwierigkeiten bringen.
Anlässe zum Schmunzeln sind den langjährigen Referenten ebenfalls im Gedächtnis geblieben, etwa der Hund, der einst mit an einem Ehevorbereitungskurs teilnahm.

Die nächsten Ehe-Kurse
Die nächsten Ehevorbereitungsseminare finden online über zwei Abende am 8. und 15. Februar, jeweils von 19.30 bis 22 Uhr  sowie als Tagesseminar am 27. Februar von 10.30 bis 17.30 Uhr statt. Ebenfalls online läuft der englischsprachige Kurs am 27. Februar von 10 bis 17 Uhr. Nach bisheriger Planung wieder als Präsenzangebot im Tagungszentrum der Katholischen Akademie sollen die Tagesseminare am 20. März, 17. April, 8. Mai, 29. Mai, 12. Juni und 19. Juni, jeweils von 10.30 bis 17.30 Uhr stattfinden.
www.erzbistumberlin.de/feiern/heiraten/ehevorbereitung

Von Dorothee Wanzek