03.03.2022

Das Das Bischöfliche Ordinariat Dresden-Meißen zieht in ein neues Gebäude

Ein Haus für viele

Nun steht es fest: Das Bischöfliche Ordinariat zieht in ein neues Büro- und Wohngebäude um – als einer von mehreren Nutzern. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen.

 
So soll das Büro- und Wohngebäude aussehen, in das auch das Bischöfliche Ordinariat einzieht.    Foto: Bistum Dresden-Meißen

 

 
Die Baustelle in der Schweriner Straße.    Foto: Bistum Dresden-Meißen

Im Januar gaben Diözesan-Vermögensverwaltungsrat und Konsultorenkollegium dem Bischof grünes Licht. Nun sind in der Schweriner Straße in Dresden, in der Nähe des Postplatzes, die Bagger am Werk. Das Bischöfliche Ordinariat des Bistums wurde beauftragt, ein neues Haus zu bauen – aber nicht nur für sich selbst; perspektivisch gesehen, sogar immer weniger für sich selbst. Einen Großteil der Bürofläche sollen andere gewerbliche Mieter nutzen. Wohnungen wird es auch geben und eine Kapelle. Spätestens Ende 2024 soll das alte Ordinariatsgebäude am Käthe-Kollwitz-Ufer im Stadtteil Blasewitz leer sein. Die Kirche plant, es zu verkaufen.
Etwa 48 Millionen Euro wird der Bau kosten; fünf Millionen mehr, als noch 2021 veranschlagt waren. Das stand schon vor dem ersten Spatenstich fest und hat nur mit dem ungewöhnlichen Anziehen der Baupreise zu tun. Aber in dieser Zahl steckt Sicherheit, sagt einer, der es wissen muss: Kay Gräbert, Abteilungsleiter Liegenschaften und Bau des Bistums. Er betreut das Projekt von Anfang an.
Natürlich haben die Gläubigen des Bistums, die Pfarrer und Gemeinden Fragen. Muss das sein, ein solches Bauprojekt in einer Zeit, da die katholische Kirche in Deutschland mitten in einer Krise steckt, Mitglieder verliert und zur Sparsamkeit verpflichtet ist? Liegt der Fall Limburg nicht erst wenige Jahre zurück? Die Antwort lautet: Ja, es muss sein. Der Fall Dresden ist ein ganz anderer.


Das Ordinariat muss aus den Räumlichkeiten raus

Bereits im Juni 2020 berichtete der TAG DES HERRN über die baulich bedingten Nöte der Bistumsverwaltung, die mit ersten Überlegungen zu einem Umzug einhergingen. Auch damals war es Gräbert, der durch die Räume des vierzig Jahre alten Ordinariatsgebäudes führte, welches nicht nur dringend sanierungsbedürftig, sondern auch über arbeitsrechtliche Grenzen hinaus zu klein ist. Beides zusammen ergibt ein echtes Dilemma, da der Bau vor Ort nicht vergrößert werden kann. Das Grundstücksrecht steht dagegen. Jahrelang hat sich das Bistum mit Notreparaturen und mit der zusätzlichen Anmietung externer Büros beholfen.
Über ein Jahrzehnt lang habe man gezögert, den letzten Schritt zu gehen, räumt Gräbert ein. Eine Verwaltung, die ein neues Gebäude beansprucht, macht sich keine Freunde. Also habe man zunächst den Bau- und Renovierungsbedarf an anderen Orten im Bistum gedeckt und die Verschlechterung der eigenen Situation ertragen. Dann kündigte die Stadt Dresden die Parkplatzflächen vor dem Ordinariatsgebäude. Letztlich wurde klar: Man muss raus. Doch wohin?
Die Bistumsverwaltung habe sich nicht Hals über Kopf auf die jetzige Lösung gestürzt, versichert Gräbert. Noch zwei weitere Alternativen seien bis ins Detail durchgerechnet worden: die Einmietung in ein fremdes Bürogebäude und ein Bau „auf der grünen Wiese“ vor den Toren der Stadt. Beides wäre teurer geworden als der Neubau auf dem kircheneigenem Grundstück in der Dresdner Innenstadt. Auch wenn das Haus, das dabei entstehe, so groß sei. Im Gegenteil, sagt Gräbert, dies sei Teil der Lösung.
In Dresden gibt es Vorschriften zum innerstädtischen Bauen. Würde man ein Gebäude lediglich für die Bedürfnisse des Ordinariates planen, wäre es zu klein geworden und hätte nicht gebaut werden dürfen. Das heißt konkret: Es muss ein Fünfgeschosser werden. Also kam schnell der Gedanke auf, nicht nur für sich zu bauen, sondern größer und mit Vermietungsabsicht. So würden die Mieteinnahmen einen Teil der Kosten decken. Die Rechnung ergab, dass der Neubau auf diese Weise sogar die kosteneffizienteste Alternative sein würde. „Die perspektivisch vorgesehene Verkleinerung der Verwaltung haben wir in der Bauplanung berücksichtigt“, betont Projektleiter Gräbert. Die Büroflächen seien so flexibel aufgeteilt, dass es möglich sei, künftig mehr als nur die anfänglichen 38 Prozent an Dritte zu vermieten.

Entstehende Kosten liegen im Mittelfeld
 
Kay Gräbert, Abteilungsleiter Liegenschaften und Bau des Bistums.    Foto: Bistum Dresden-Meißen

Aber natürlich, das Geld für den Bau muss erst einmal da sein oder man verschuldet sich. Das tut das Bistum aber nicht. Über Jahre hinweg sind die Mittel angespart worden. Das Geld ist da. Doch wird es auch kostenbewusst verwendet?
Es gibt offizielle Vergleichszahlen, etwa den Quadratmeterpreis. Mit 4071 Euro liegen die Kosten des Neubaus – unter Berücksichtigung der Besonderheiten – im Mittelfeld. Günstiger wäre es in der Innenstadt nicht möglich gewesen. Räumlichkeiten wie Kapelle, Veranstaltungsräume oder die dringend benötigte Aktenregistratur, die nicht den Bürostandards entsprechen, sind ebenso eingepreist wie die Erfordernisse des umwelt- und klimafreundlichen Bauens. Hier arbeite man bewusst nicht an der Standard-Untergrenze, sagt Gräbert. Wenn die Kirche baue, wolle sie langfristig ihren Beitrag zum Erhalt der Schöpfung leisten. Also werden Dämmung und Heizsystem auf der Höhe der Zeit sein. Es wird Photovoltaik, eine Dachbegrünung und eine Regenwasserzisterne geben. Die PKW- und Fahrradstellplätze in der Tiefgarage werden mit E-Ladestationen ausgerüstet. Mit Luxus hat das nichts zu tun. Aber die Kapelle für 50 Gläubige im Erdgeschoss, ist auch sie kein Luxus? Nein, sagt Gräbert. Der Platz gibt sie her und sie schafft einen zweiten, jederzeit offen stehenden Gebetsraum für die katholische Kirche in Dresdens Innenstadt. So werden die Gläubigen auch ganz direkt etwas vom neuen Verwaltungsgebäude haben.    (ddm)

Mehr zum Thema: www.bistum-dresden-meissen.de/wir-bauen