31.05.2018

Anstoss 22/2018

„Am Anfang war das Wort ...“

„… und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Und dann kamen wir Theologen, und haben aus dem Fleisch wieder das Wort gemacht.“


Es war eines der denkwürdigen Zitate bei der diesjährigen Dreikonfessionen-Konferenz, bei der sich anglikanische, evangelische und katholische Christen aus den Bistümern Birmingham, Worcester, Magdeburg und der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands in England trafen. An dem Wort ist vieles wahr. Wie ist es sonst zu verstehen, wenn aus einer der einfachsten Handlungen Jesu ein jahrhundertlanger Streit erwachsen kann? „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ ist seine Aufforderung an die Jünger. Und seine Zusage, darauf vertrauen zu können, dass er in unserer Mitte ist, wenn wir Brot und Wein in seinem Gedächtnis gemeinsam teilen.
In Jesu Leben waren es oft einfache Handlungen, die Menschen mit ihm, mit Gott, mit Gnade und Vergebung zusammenbrachten. Das Gesetz war nicht hinfällig, aber für den Menschen gemacht. Dogmen sind wie Straßenlaternen, sie erhellen den Weg, aber nur Besoffene halten sich daran fest. Anders ausgedrückt, das Gesetz  darf vertrauensvoll auf die Gnade Gottes hin ausgelegt werden. Und dann streiten wir uns nun darüber, ob es theologisch erlaubt sei, dass bei konfessionsverbindenden Ehen nichtkatholische Partner an der Eucharistie teilnehmen dürfen. Und  wenn es dann endlich zu einer Lösung kommt, die zum einen ersehnt, zum anderen vielerorts längst vollzogen wird, wird auch diese von einigen Bischöfen zum Anlass genommen, dies so zu hinterfragen, dass der Eindruck entsteht, dass es hier bis zum Sankt Nimmerleinstag zu keiner Entscheidung kommen sollte. Vielleicht ist der Plan ja, Zeit zu überbrücken bis ein anderer Papst in dieser Frage zentralistischer denkt als Franziskus. Der vertraut den Ortskirchen mehr Entscheidungen an, als seine Vorgänger.

Unser  Glauben lebt aus Erfahrungen mit der Begegnung mit Gott und diese, so glauben wir Katholiken, passiert im höchsten Maße in der Eucharistie. Warum sollten wir dieser Begegnung bei Paaren, die ihren Glauben gemeinsam leben und teilen im Wege stehen?

Guido Erbrich, Magdeburg