30.10.2020

Donatus Weinert hat sein Hobby zum Beruf gemacht und ist seit fast 15 Jahren als Zauberer unterwegs

Donatus mit dem roten Knopf

Menschen unterhalten und zum Nachdenken bringen, das wollte Donatus Weinert schon als Jugendlicher. Vor fast 15 Jahren hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und ist als Zauberer und Liedermacher unterwegs.


Donatus Weinert bei einem seiner Zauberauftritte. - Foto: privat

Von Matthias Holluba
„Wunderbar verzaubert.“ „Ein besonderes Erlebnis!“ „Toller und abwechslungsreicher Abend.“ – Wer Donatus Weinert einmal erlebt hat, ist voll des Lobes. Ob Betriebsfeier oder Hochzeit, Pfarrfest oder Katholikentag, Kindergeburtstag oder Moderation einer Veranstaltung – als Zauberer und Liedermacher begeistert er sein Publikum. Vor fast 15 Jahren hat „Donatus mit dem roten Knopf“ sein Hobby zum Beruf gemacht. Der „rote Knopf“ ist sein Markenzeichen und bei jedem Auftritt an der Weste dabei.


„Vielleicht war der Fremde ein Engel“
Noch etwas nimmt Donatus Weinert zu jedem seiner Auftritte mit: einen Stein. „Das ist mein Talisman“, sagt er und erzählt die Geschichte, die es mit dem Stein auf sich hat: „Es war ein Tiefpunkt in meinem Leben. Ich hatte gerade erfahren, dass ich meine Arbeit im Katholischen Maxhaus in Düsseldorf verlieren sollte. Mir war zum Heulen zumute und viele Fragen schossen mir durch den Kopf.“ Er dachte an seine Frau und die zwei Kinder und an das Haus, das noch abzuzahlen war … „Da sprach mich ein Fremder an: ,Darf ich dir etwas schenken?‘ Und er gab mir den Stein.“ Am Abend erzählte er der Familie von der Begegnung und zeigte den Stein. Darauf stand das Wort „Träume“. „Und meine Tochter sagte zu mir: Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.“ Der Stein des Fremden – „vielleicht war es ja ein Engel“, sagt Donatus Weinert heute – wurde zum Stein des Anstoßes, sich als Zauberkünstler und Liedermacher selbstständig zu machen. Er trat dem Magischen Zirkel bei, einer internationalen Vereinigung von Zauberkünstlern, und legte 2006 seine Aufnahmeprüfung ab.
„Ich hatte schon immer Spaß daran, Menschen zu unterhalten“, sagt Donatus Weinert, der den Beruf eines Klavierbauers und -stimmers erlernt hat. Schon als Jugendlicher hat er Musik gemacht und eigene Lieder geschrieben. In und um seine Heimatstadt Leipzig, wo er 1958 geboren wurde, ist er damit aufgetreten – häufig in kirchlichen Räumen wie in der durch die Montagsgebete bekannten Nikolaikirche. „Mit Musik und guten Texten wollte ich Menschen begeistern.“ Gute Texte: „Bleib stark! Bleib stehn! Menschen die kriechen, kannst du zu viele sehn ...“ Oder: „Steine – überall Steine – lasst uns gemeinsam die Mauer einreißen ...“ hieß es da.
Nach dem Wehrdienst begann er 1980 ein Studium in Dresden: Verfahrenstechnik Holzindustrie – vielleicht könnte er damit eine Stelle im Musikinstrumente-Museum in Leipzig bekommen, war seine Hoffnung. Nach drei Semestern hatte er die Nase voll von „dem roten Mist“. Als er dann noch die Ingenieurschule bei einem Musikwettbewerb vertreten sollte, allerdings im Blauhemd der FDJ – „Ihr Studium hängt davon ab!“ – ließ er sich exmatrikulieren. Nach langem Überlegen und Gesprächen in der Familie, mit Freunden und Geistlichen stellte er 1982 einen Ausreiseantrag. Es folgten die üblichen Schikanen gegenüber Antragstellern: Obwohl er zwischenzeitlich die staatliche Spielerlaubnis erhalten hatte, die in der DDR Voraussetzung war, um öffentlich auftreten zu dürfen, folgte nun das Auftrittsverbot – auch in kirchlichen Räumen. Mehrfach holte ihn die Stasi ab und versuchte ihn bei Verhören von seinem Vorhaben abzubringen. Der Studienplatz war ohnehin dahin. Bis zu seiner Ausreise 1984 arbeitete Donatus Weinert als OP-Hilfspfleger im St. Elisabeth Krankenhaus in Leipzig.
Erste Station im Westen war Westberlin. „Mit der Mauer wurde mir das hier bald zu eng.“ Eine Stellenanzeige, in der ein Klavierbauer gesucht wurde, führte ihn nach Köln. Das Rheinland wurde dann für über drei Jahrzehnte sein Zuhause. Hier lernte er seine Frau kennen, heiratete und 2 Kinder kamen zur Welt. Er absolvierte eine Ausbildung als Sozialsekretär und arbeitete bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Erzbistum Köln. Sein soziales Engagement etwa für Arbeitslose brachte ihm nicht nur Lob ein. „Gott ist nicht politisch“, bekam er einmal von einem Prälaten zu hören.


„Mensch, gib Arbeit um Gottes willen“
Die im KAB-Netzwerk geknüpften Kontakte kamen ihm bei seinem künstlerischen Engagement zu Gute, vor allem auch später als er sich selbstständig gemacht hatte. An einen Auftritt erinnert er sich besonders gern: Erzbischof Heiner Koch, damals Generalsekretär des Weltjugendtages 2005 in Köln, erlaubte es im Kölner Dom mit einem politischen Song „Mensch, gib Arbeit um Gottes willen“ aufzutreten.
Vor wenigen Monaten hat Donatus Weinert noch einmal einen Neuanfang gestartet: Er ist zurück in die Heimat, wohnt heute mit seiner Frau in der Nähe von Wurzen. Seine Frau, die noch vor einigen Jahren auf keinen Fall im Osten leben wollte, hatte zwischenzeitlich bei einigen Besuchen Leipzig und die Sachsen kennen- und schätzen gelernt.
Für seine Arbeit als Zauberer und Liedermacher heißt der Umzug aber vor allem: neue Kontakte knüpfen. Erschwert wird das momentan durch Corona. „Fast alle Auftritte wurden abgesagt.“ Wie schon so oft in seinem Leben lässt sich Donatus Weinert nicht entmutigen. Inzwischen gibt es auch wieder einige Termine, bei denen er sein Publikum verzaubern kann.

Mehr Informationen über Donatus Weinert und die Kontaktdaten für Einladungen gibt es im Internet: www.donatus.info. Auftritte sind am 8. November (15 Uhr) und am 28. November (19.30 Uhr) im Schloss Thammenhain geplant. Anmeldung wegen Corona erforderlich über mail@donatus.info oder Tel. 01 60/5 52 09 54.