19.04.2013

Universität und Katholisch-Theologische Fakultät Erfurt trauern

Dogmatikprofessor Lothar Ullrich gestorben

Am 16. April 2013 ist der emeritierte Professor Lothar Ullrich gestorben. Ullrich lehrte über viele Jahre katholische Dogmatik in Erfurt. Theologische Fakultät Erfurt und die Universität Erfurt haben zum Tod des emeritierten Hochschullehrers eine Anzeige veröffentlicht. Darin heißt es:

Die Universität Erfurt und ihre Katholisch-Theologische Fakultät trauern um Professor Dr. Dr. h.c. Lothar Ullrich.

 
  Professor Lothar Ullrich†

Professor Dr. Lothar Ullrich, am 31. März 1932 in Berlin geboren, empfing am 29. Juni 1956 die Priesterweihe für das Bistum Berlin. Am 1. Januar 1962 begann er in Erfurt seine akademische Lehrtätigkeit. Am 5. März 1974 wurde er zum Professor ernannt. Am 1. September 2000 wurde er emeritiert.

Nach der Kaplanszeit in Prenzlau (Uckermark) erhielt Lothar Ullrich 1958 als erster die neu geschaffene Erfurter Assistentenstelle für Dogmatik. 1962 wurde er Subregens und Dozent am bischöflichen Priesterseminar Huysburg bei Halberstadt und war von 1965 bis 1969 Regens des Erfurter Priesterseminars. In dieser Tätigkeit wie auch später als Rektor nahm er stets eine gradlinige Haltung gegenüber staatlichen Stellen der DDR ein. Ein großes Anliegen war ihm, Lehre und Leben, Wissenschaft und Spiritualität zu verbinden. 1967 wurde er an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit der Dissertation über „Fragen der Schöpfungslehre nach Jakob von Metz O.P. Eine vergleichende Untersuchung von Sentenzenkommentaren aus der Dominikanerschule“ promoviert. Er amtierte dreimal als Rektor des Philosophisch-Theologischen Studiums Erfurt. Für die Pastoralsynode der Jurisdiktionsbezirke der DDR (1973 – 1975) wurde er von der Berliner Ordinarienkonferenz zum Synodalen berufen. In der Zeit von 1992 bis 1996 war Lothar Ullrich Fachberater der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Lothar Ullrich stand in vielfältiger Weise für die Verbindung zwischen West und Ost. Er nahm 1988 und 1991 an der 4. und 5. Europäischen Begegnung von KEK und CCEE teil. Er war Mitbegründer des Polnisch-Deutschen Gesprächskreises von Systematikern und Kanonisten. Dafür wurde ihm 1989 die Ehrendoktorwürde der Akademie für katholische Theologie in Warschau verliehen. Ebenso gehörte er 1989 zu den Gründungsmitgliedern der Europäischen Gesellschaft für Katholische Theologie. Von 2001 bis 2004 war er als a.o. Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der neuen Theologischen Fakultät der Schlesischen Universität in Katowice tätig.

Die Ökumene war Lothar Ullrich stets ein Herzensanliegen. 1966 gründete er zusammen mit dem evangelischen Theologen Ulrich Kühn den Ökumenisch-Theologischen Arbeitskreis in der DDR und war später Mitglied des gesamtdeutschen Jaeger-Stählin-Kreises. 1981 wurde er in den Wissenschaftlichen Beirat des Johann-Adam-Möhler-Instituts Paderborn berufen. Als Berater wirkte er an der Ökumenischen Versammlung in der DDR (1988 – 1989) mit. Er war von 1986 bis 2004 Mitglied der Internationalen Lutherisch-Katholischen Dialogkommission und arbeitete maßgeblich an der Vorbereitung der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ mit. 1992 gab er gemeinsam mit Ulrich Kühn „Die Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts im ökumenischen Gespräch“ heraus.

Mit Lothar Ullrich haben die Universität Erfurt und ihre Katholisch-Theologische Fakultät eine engagierte Persönlichkeit und einen angesehenen Theologen mit großer Wirkung verloren. Universität und Fakultät nehmen in Dankbarkeit Abschied und gedenken des Verstorbenen.

Für die Katholisch-Theologische Fakultät: Professor Dr. Michael Gabel, Dekan

Für die Universität Erfurt: Professor Dr. Kai Brodersen, Präsident

 

Das Requiem wird am Mittwoch, dem 24. April 2013 um 11 Uhr im Dom St. Marien zu Erfurt gefeiert. Die Beerdigung findet um 13 Uhr auf dem Hauptfriedhof statt.