23.10.2015

Anstoß 43/2015

Die schönste Nebensche der Welt

Haben Kirche und Fußball etwas gemeinsam? Gibt es auch einen Fußball-Gott? Bei näherer Betrachtung könnte aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen werden.

Vielfach ist der Fußball zu einer Ersatzreligion geworden. Die Stadien sind die neuen Tempel und Kultstätten, wohin die Menschen am Wochenende pilgern. Die Spieler werden vergöttert oder verdammt. Doch auch das Bekreuzigen vor dem Spiel oder das Kreuzzeichen auf den heiligen Rasen erleben wir bei manchen Spielern. Der Glaube gehört scheinbar dazu.  
Der Glaube ist dann auch ein wichtiges Motiv und Motivationsfaktor für das Handeln, auch für den Weg aus einer Krise im Abstiegsstrudel. Der Glaube kann und will dann Berge versetzen. Auch hier wird der Glaube beschworen: „Ich glaube an diese junge Mannschaft. Wir wollen Weltmeister werden!“ so der Bundestrainer Joachim Löw vor der WM und bald wird er es wieder sagen, vor der EM. „Wir können es packen!“ Das Gegenteil: Der Mangel an Glauben und Selbstvertrauen, Selbstzweifel und Hoffnungslosigkeit, Angst und Übervorsicht sind ein schlechter Ratgeber. Derjenige, der nicht an seine Chance glaubt, hat schon verloren. Und sei es wie bei David gegen Goliath. Wir haben keine Angst vor dem Gegner und wir könnten auch mit dem heiligen Paulus sagen: „Auch wenn ich schwach bin, bin ich stark!“
Und gerade dann, wenn Gegenwind droht, Gegentore fallen und eine Niederlage droht, ist es die Aufgabe jedes guten Trainers, Ruhe zu bewahren, der Mannschaft weiterhin Mut und Vertrauen zu schenken.    
Ein gutes Mannschaftsspiel ist zudem auf allen Ebenen wichtig: Im Fußball, im Betrieb, im Verein, in der Kirche, auch bei der Bischofssynode in Rom. Uns gemeinsam sind: die Gesänge, die Lieder, die verbindenden Zeichen, der Kult, die Fahnen und Hymnen, die Emotionen, die Trauer und Freude, wo wir leiden und uns freuen, wo wir in guten und schweren Tagen zusammenstehen und zusammenhalten, bei Sieg und Niederlage. Und wo wir bittend und flehend die Hände zum Gebet falten und zum Himmel aufblicken, von Gott Hilfe erbitten in letzter Not, wo der Fußball-Gott angefleht wird.
So sind viele Menschen als Pilger samstags unterwegs zu den Stadien, als große Prozession unterwegs, in Glauben,  Hoffnung und Liebe vereint. Und der richtige Geist und die Begeisterung gehören bei allem dazu. Und die Begeisterung des Spiels kann dann ansteckend sein - und diese Begeisterung fehlt uns zu oft in der Kirche. Und da kann auch die Kirche vom Fußball etwas lernen.

Pater Josef kleine Bornhorst, Dominikanerkloster Leipzig