09.09.2011

Anstoss 29/2011

Dialog – Also los!

Die deutschen Bischöfe haben einen Dialogprozess auf den Weg gebracht ... Wie geht es Ihnen, wenn Sie das Wort „Dialogprozess“ hören?

In den Gruppen, in denen ich mich bewege, wurde dieser Dialogprozess mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Ich möchte drei Verhaltensweisen herausgreifen:
Manche sind resigniert, weil sie mit ihren Vorschlägen beim Ortspfarrer abgeblitzt sind oder weil sie schon so manchen Änderungsvorschlag in der Schublade haben verschwinden sehen. Andere finden Nachdenken, Gespräch und „Dialog“ überflüssig und meinen, wenn man dem kirchlichen Amt besser Gehorsam leisten würde, würden sich die Probleme lösen.Und dann gibt es eine große Gruppe, die hat das Wort „Dialogprozess“ vielleicht schon mal gehört, hat aber ansonsten  keine Ahnung, um was es sich hier handelt. An diese Gruppe möchte ich mich wenden und sie einladen und anstoßen, sich am Dialogprozess zu beteiligen.
Kurz gesagt geht es dabei um Folgendes: Die Bischöfe haben die Gläubigen eingeladen, sich Gedanken um die Zukunft der Kirche zu machen. Sie haben bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz einen entsprechenden Aufruf an alle Gläubigen verabschiedet. Als unmittelbaren Anlass nennen die Bischöfe die in jüngster Zeit aufgedeckten Fälle von sexuellem Missbrauch durch Mitarbeiter der Kirche. Sie betonen allerdings, dass die eigentlichen Fragen tiefer liegen und ihre Ursache im „Auseinanderbrechen von Evangelium und heutiger Kultur“ haben. Diese Diagnose habe Papst Paul VI bereits 1975 gestellt.    
Die Bischöfe möchten nun einen breiten Gesprächsprozess anregen und haben die Jahre 2011 bis 2015 unter ein bestimmtes Thema gestellt. Sie bitten um Mitarbeit und Gebet.
Auf diese Initiative haben nun einzelne Christen, aber auch Gruppen und Verbände bereits reagiert, so beispielsweise die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). In ihrem Papier „Frauen geben Kirche Zukunft“ antworten die Frauen den Bischöfen. Sie nennen Themen, die sie für besonders dringlich halten und deshalb voranbringen wollen. Ein genanntes Thema ist beispielsweise der Wunsch nach dem Diakonat der Frau.
Dieses Beispiel zeigt, dass vielleicht durch diesen Dialogprozess alte beziehungsweise neue Denkmöglichkeiten eröffnet werden, denn die Bischöfe betonen, dass wir „selbstverständlich Antworten auf gegenwärtige Fragen auf der Grundlage der Offenbarung und der Lehre der Kirche suchen“, aber „dies uns nicht an der verantwortlichen theologischen und spirituellen Rede über ernste Probleme hindert.“ Daraus kann man schließen, dass die Bischöfe hören wollen, was das Gottesvolk denkt. Also los!
Schwester Susanne Schneider, Kontaktstelle Orientierung in Leipzig