15.04.2021

Freiwilligenzentrum der Caritas in Saalfeld

Balkonkonzert und Maskennähen

Das Freiwilligenzentrum der Caritas in Saalfeld bündelt das ehrenamtliche Engagement in der Region und vermittelt Interessierten vielfältige Möglichkeiten, anderen Menschen zu helfen.

Einladung zur Herzenssprechstunde für einsame Menschen zu Corona-Zeiten.    Fotos: Caritas Thüringen

 

Haben Sie Zeit? Wollen Sie sich ehrenamtlich engagieren? Doch Sie wissen nicht, was sie konkret tun können. Oder möchten Sie während der Krise Ihre Mithilfe anbieten? Möglichkeiten könnten sein: Wer gut zuhören kann, der besucht Einsame oder ist am Telefon da. Wer Tiere mag, wird ebenso gebraucht. Wer handwerklich geschickt ist, der kann helfen, wenn es „brennt“. Diese Möglichkeiten und alle Antworten rund um das Ehrenamt vermittelt das Freiwilligenzentrum in Saalfeld, das unter dem Dach der Caritasregion Mittelthüringen tätig ist. Leiterin ist Gretel Marksteiner. Unterstützt wird die Saalfelder Einrichtung von der Thüringer Ehrenamtsstiftung.
Gestartet wurde bereits 1997. Damals gab es in den neuen Bundesländern nur zwei Pilotprojekte. Gretel Marksteiner: „Unser Zentrum bündelt das Ehrenamt und möchte interessierten Bürgern helfen, unter Berücksichtigungen aller Angebote und Leistungen eine möglichst passgenaue ehrenamtliche Tätigkeit zu finden.“ Dazu kommt die Öffentlichkeitsarbeit und das Gewinnen von Kooperationspartnern. Beides besonders deshalb, weil das Freiwilligenzentrum in der Stadt und der Umgebung wahrnehmbar und erfahrbar sein soll.
Das zeigte sich in der Coronazeit. Die Ehrenamtlichen musizierten vom Stadttor, damit die Menschen mal wieder etwas anderes hören und Hoffnung schöpfen. Zudem wurden Einkäufe erledigt und bis an die Wohnungstür gebracht. Ebenso wurden Medikamente auf Rezept aus der Apotheke abgeholt und Haustiere wurden spazieren geführt. Einladend heißt es aber auch: „Auch wenn Ihnen die Decke auf den Kopf fällt und Sie sich allein fühlen, wir kennen Menschen, die für Sie ein offenes Ohr am Telefon haben.“ Daraus entstand die „Herzenssprechstunde“, ein telefonischer Besuchsdienst. „Er ist irgendwie die Krönung des zurückliegenden Jahres und er wird Bestand haben. Einsame Menschen gibt es immer.“
In der ersten Phase der aktuellen Pandemie hat sich das Freiwilligenzentrum darum bemüht, beim Nähen von Stoffmasken zu helfen und reihte sich damit in eine Initiative des Landkreises ein. Zwölf Frauen machten mit und es entstanden hunderte Masken. Diese wurden an der Tafel, im Caritas-Altersheim Rudolstadt, in einem Kinderheim und an weitere Einrichtungen und Personen verteilt.  Und es gab die „Steinschlange“. Rund um das Zentrum wurden bemalte Steine aneinander gereiht. „Viele Kinder sind stehengeblieben und haben sich die Steine angeschaut. Eigentlich sollte die Schlange immer länger werden, doch die Leute begannen, diese kleinen Hoffnungszeichen mit nach Hause zu nehmen. Das ist auch gut so.”
Gretel Marksteiner ist es wichtig, bei der Verteilung von Aufgaben darauf zu achten, was jeder Interessent mit bringt. Ohne Scheu, kann alles auf den Tisch gelegt werden. „Mir ist es ein Anliegen, dass beide Seiten mit Herzblut bei der Sache sind. Es nützt nichts, wenn etwas unter Zwang geschieht.“

 

Balkonkonzerte im Altenheim.


Bevor ein Ehrenamt beginnt, trifft sich die Projektleiterin mehrmals mit dem Interessenten und baut Kontakte zu möglichen Einrichtungen auf. Dabei ist der Bedarf groß. Gretel Marksteiner: „Gerade in der Coronazeit gab es sehr viele Anfragen. Das hat mir gezeigt, welchen hohen Stellenwert unsere Arbeit und das Freiwilligenzentrum hier in der Stadt und im Landkreis hat.“ Allerdings war die Vermittlung teils schwierig, da vieles geschlossen hatte.
Im Blick des Freiwilligenzentrums ist auch das Saalfelder Neubaugebiet, ein sozialer Brennpunkt. Gretel Marksteiner und das Freiwilligenzentrum arbeiten hier eng mit dem Quartiersmanagment zusammen. Initiiert wurde mit der Nebenanstiftung ein jährlicher „Tag des Nachbarn“. Unter Corona fanden aus diesem Anlass auf den Wiesen in den Höfen Konzerte statt, bei denen Pralinen und Blumen verteilt wurden. „Es war eine passgenaue Sache, damit die hier lebenden Leute nicht im grauen Coronaalltag versacken. In diesem Stadtteil machte Gretel Marksteiner zudem die Erfahrung, wie wichtig es ist, Kräfte zu bündeln und gemeinsam zu handeln. „Jeder Träger, jede Einrichtung hat ihre ganz eigene Ausrichtung, auch wir als Caritas. Es ist ein Puzzle.“
Ein wichtiges Anliegen des Freiwilligenzentrums ist es, den Wandel im Ehrenamt zu begleiten. „Zwar gibt es weiter den traditionellen Dienst in der Pfarrgemeinde. Doch die Zahl der Engagierten schrumpft. Da sind wir herausgefordert, neue Wege zu suchen, neue Angebote zu unterbreiten. Sehr viele Menschen wollen sich engagieren, sich aber nicht dauerhaft binden. Hier zu helfen, darin liegt meine Motivation.“
Gretel Marksteiner bedauert, dass es schon lange keine Treffen der Ehrenamtlichen untereinander gab und auch jetzt ist immer noch offen, wann es einen Austausch in der Gruppe wieder geben kann. Auch diese Treffen und die Begleitung im laufenden Ehrenamt gehören zu Gretel Marksteiners Aufgabe.
Das Ehrenamt trägt das aktuelle Zwei-Jahresthema „Das machen wir gemeinsam“ der deutschen Caritas entscheidend mit. Damit stellt sich die Caritas gegen eine Spaltung der Gesellschaft und gegen Ausgrenzung.

Von Holger Jakobi