30.04.2012

Papst Benedikt fordert eine Botschaft der Heilung

Zur Lösung internationaler Konflikte

Papst Benedikt XVI. hat neue Wege zur friedlichen Lösung internationaler und innerstaatlicher Konflikte gefordert. Die «sterile Sprache gegenseitiger Anschuldigungen, die zu nichts führt» müsse überwunden werden, heißt es in einem Schreiben des Papstes.

Historische Fehler und Ungerechtigkeiten seien nur zu bewältigen, wenn die «Botschaft der Heilung und Hoffnung» die Menschen durchdringe, so Benedikt XVI. in dem Schreiben an die Päpstliche Akademie für Sozialwissenschaften. Dies sei der einzige Weg aus jenem «Teufelskreis der Gewalt», in den die Nationen so oft hineingerieten. Er verwies insbesondere auf die Botschaft seines Vorgängers Johannes Paul II. (1978-2005) zum Weltfriedenstag 2002 nach den Terroranschlägen vom 11. September.

Vergebung nicht gleich Leugnung

Das Schreiben ist an die Präsidentin der Akademie, die US-amerikanische Sozialwissenschaftlerin Mary Ann Glendon, gerichtet. Anlass ist die gegenwärtige Vollversammlung des Gelehrtengremiums im Vatikan. Zu den Vortragenden zählte auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx.

Der Papst rief dazu auf, die Möglichkeit einer Vergebung von Schuld auch verstärkt in der wissenschaftlichen Konfliktforschung zu debattieren. Die Kombination von Vergebung und Gerechtigkeit sei die einzig angemessene Antwort auf menschliches Fehlverhalten. Er stellte klar, dass Vergebung nicht gleichbedeutend mit einer Leugnung menschlichen Fehlverhaltens sei.

Aufforderung zum kreativen Dialog

Zugleich würdigte der Papst die fortwährende Aktualität der vor fast 50 Jahren erschienenen Enzyklika «Pacem in Terris». Die globale politische Landkarte habe sich zwar nach dem Ende des Kalten Krieges grundlegend verändert. Auch heute sei die Enzyklika jedoch lehrreich für alle, die sich für Frieden und Gerechtigkeit und gegen die Weiterverbreitung von Waffen einsetzten. Zudem sei die 1963 erschienene Enzyklika eine «kraftvolle Aufforderung» für einen «kreativen Dialog» zwischen Kirche und Welt sowie Glaubenden und Nichtglaubenden.

Die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften tagt bis zu diesem Dienstag im Vatikan. Die 1994 von Papst Johannes Paul II. gegründete Akademie dient als Thinktank für die Weiterentwicklung der katholischen Soziallehre. Ihr gehören rund 40 Sozialwissenschaftler und Juristen an.